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14. Januar 2012

Energieprobleme dezentral lösen

Lörracher Unternehmer Siegfried Delzer im Studium Generale.

  1. Siegfried Delzer im Sparkassenforum. Foto: Claudia Gabler 

LÖRRACH. Die Energiewende ist beschlossen, doch über den Weg dorthin wird gestritten. Der Lörracher Kybernetiker Siegfried Delzer setzt sich kritisch mit der Vorgehensweise der energiepolitischen Neugestaltung auseinander und schlägt eine dezentrale Energieversorgung als Lösung vor. Am Donnerstag hielt er im Lörracher Sparkassenforum einen Vortrag zum Thema. Mit der Veranstaltung startete die Studium-Generale-Reihe der Lörracher Dualen Hochschule ins neue Jahr.

Siegfried Delzer ist Experte für Energiegewinnung und Energieverwendung im Bereich erneuerbarer und fossiler Energieträger. Nach seiner Ausbildung zum Feinmechaniker im Entwicklungs- und Forschungslabor Kleinwächter studierte er technische Kybernetik an der Technischen Universität Stuttgart und gründete 1984 die Delzer Kybernetik in Lörrach. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen kybernetische Denk- und Lösungsstrukturen und entsprechende Systeme, also solche, die sich selbst regeln und der Natur nicht die Technik aufdrängen.

Die aktuelle Diskussion über den massiven Netzausbau für den Energietransport geht für den Lörracher Unternehmer am Thema für eine nachhaltige Energieversorgung vorbei. Er hält sowohl die Form der Auseinandersetzung als auch ihre inhaltliche Tendenz für falsch. Erfolgsmodell nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa könne und müsse, so Delzer in seinem Vortrag, eine dezentral und kleinteilig organisierte Gewinnung von Strom, Wärme und Kälte sein.

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Firmen müssten ebenso wie Privathäuser ihre eigenen Energieressourcen besser nutzen und sich in "überschaubare Abhängigkeiten" von externen Energielieferanten begeben. Dies sei nicht nur die sicherste und einfachste, sondern auch die kostengünstigste Variante. Als Beispiel nannte Delzer den von seiner Firma kybernetisch betreuten Neubau des Betriebshofs in Weil, der bei idealem Nutzerverhalten mit zehn Kilowattstunden Energieverbrauch pro Quadratmeter und Jahr auskomme, so Delzer und "von außen" allenfalls Ausgleichsstrom geliefert bekomme.

Von der pragmatischen Seite der Kybernetik schafft Delzer den Sprung zu deren ethischen Aspekten: Neben seiner Forderung nach einer Änderung im Konsumverhalten jedes Einzelnen forderte der von der DHBW als "Kybernetik-Papst" angekündigte Referent einen kreativ gestalteten Findungsweg zu neuen Formen der Energienutzung, der nicht als Wettkampf betrachtet wird. Es müssten Ziele definiert und nicht Lösungen vorgegeben werden. Lebensfreude müsste Teil jeden Energiekonzepts sein, in der derzeitigen Debatte sei das Gegenteil der Fall. Jede Form der Förderung alternativer Energie- und Umweltschutzmodelle hält Delzer übrigens für falsch, da sie polarisierend wirkten und andere, neue und vielleicht bessere Ideen im Keim erstickten.

Doch das Publikum im übervollen Sparkassenforum wollte mehr hören als eine bloße Darstellung der Delzerschen Geschäftsidee. Neben Fragen zur optimalen Gebäudelüftung und Fensterisolation konfrontierten die Besucher Delzer auch mit den großen Fragen: Was, wenn ein Unternehmen seine benötigte Energie vor Ort nicht selbst produzieren kann? Was, wenn der Lobbyismus der konventionellen Energiegewinnung übermächtig wird und alternative Ideen gänzlich unterdrückt? Was, wenn Delzers Idee, die ein Erfolgsmodell für ganz Europa werden soll, nicht einmal in Deutschland Fuß fassen kann?

Autor: Claudia Gabler