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12. November 2016

Erlaubnis persönlich beim Papst eingeholt

Neuer Protektor Thorsten Becker beim "Schnäggeesse"der Narrenzunft abwesend / Losung für die Saison 2017 heißt "Zruckgluegt wär’s voruss z’seh gsi".

  1. Klaus Breitenfeld für die Gilde und Oberzunftmeister Stefan Vogt präsentieren das Motto. Foto: Barbara Ruda

  2. „Langsam angoh lo“ wollten’s die Zunftmeister beim Schnäggeesse Foto: Barbara Ruda

  3. Thorsten Becker Foto: Trenz

  4. Barbara Ruda mit dem Spendenscheck für die BZ-Weihnachtsaktion Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. "Zruckgluegt wär’s voruss z’seh gsi" heißt das Motto für die Saison 2017, das beim traditionellen Schnäggeesse zum Fasnachtsauftakt am Ölfte Ölfte gestern im Lassersaal Narrenzunft und Narrengilde gemeinsam verkündeten. Der neue Protektor für die Fasnacht 2017 ist Pfarrer Thorsten Becker, der aber gerade im Vatikan weilt und deshalb nicht selbst bei der Veranstaltung dabei sein und mit dem blauen Umhang eingekleidet werden konnte.

"Herzlich willkommen euch allen im Saal, nicht bei euch zu sein ist echt ne Qual", grüßt Thorsten Becker, Leiter der Kirchengemeinde Lörrach-Inzlingen, stattdessen über die Facebookseite der Narrengilde Lörrach. Es gebe wirklich einen guten Grund für seine Abwesenheit. Er melde sich direkt aus dem Vatikan, denn er könne nicht alleine entscheiden, ob er das Amt übernehmen könne, müsse erst bei seinem oberstem Chef, dem Heiligen Vater Franziskus, um Erlaubnis fragen. In launigen Versen berichtet Thorsten Becker dann darüber, wie er den Papst davon überzeugen konnte, ihm die Erlaubnis zu geben. Am Ende warnt er die Lörracher Narren noch: "Passt auf, nicht dass ihr am Ende jammert wie noch nie, denn ’Zruckgluegt wärs voruss z’seh gsi’".

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Vor der Verkündung des neuen Protektors hatten die Zunftmeister den Gästen ein mit viel Humor gewürztes, pointenreiches Programm serviert. Und vorher selbstverständlich auch Schnecken, wovon kräftiger Knoblauchgeruch zeugte, der durch den Saal zog. Da aller Anfang schwer ist, wollten der Oberzunftmeister und seine Kollegen es zum Start der neuen Saison "langsam angoh lo". Besser als mit Schnecken, so stellte Stefan Vogt fest, gehe das nicht.

Philipp Buser begann die Vorträge und erzählte von seiner Jobsuche. Vom persönlichen Bereich in die internationale Politik ging Klaus Ciprian mit seinen Ausführungen. Er gab seiner Freude über den Brexit Ausdruck. Dass die Engländer aus der EU gehen, sei ihm egal. "No könne mir wenigstens wieder alemannisch schwätze, zum Battle Wettstritt sage oder beim Pape oder Kalbacher e Wurstweggli statt ein Sandwich bestellen." Ralf Buser kalauerte sich durch ein Klassentreffen ehemaliger Neumattschüler.

"Die Brite sin völlig

beneath the Cap."

Karl-Heinz Sterzel über den Brexit
Für viele Lacher sorgte erneut Karl-Heinz Sterzel mit seinem kabarettistischen Jahresrückblick – angefangen bei der Fusion zweier krimineller Organisationen zur "Mafifa", über Russlands Staatsdoping, der Wohnungsnot in Lörrach, Gauleiters, äh, Gaulandleiters, äh Gaulands Äußerung über Boateng bis hin zum Selfiewahn.

Auch der langjährige Oberzunftmeister kam am Thema "Brexit" nicht ganz vorbei ("Die Brite sin völlig beneath the Cap"). Den Text, den er über Amerika und die Wahlen dort geschrieben hatte, sei für ihn eigentlich fix gewesen, ja sogar in Stein gemeißelt. Nie hätte er sich vorstellen können, dass das stolze freiheitlich demokratische Amerika so eine unsägliche Gestalt zum Präsident wählt, gab Sterzel ehrlich zu. Vielleicht liege es ja daran, dass wie böse Zungen behaupten, Amerika das am dümmsten besiedelte Land von der Welt ist.

In seiner unverwechselbaren Art sorgte Hansi Gempp auch wieder für Lachsalven bei den Zuhörern. Von Trump – "Tramp isch dä ersti Präsident wo am Amtseid seit: So wahr Euch Gott helfe" – kam er zu seiner eigenen Kandidatur fürs Bundespräsidentenamt. "Duemringe, das Dorf de Bundespräsidente! Friher dä Papa Heuß und jetzt ich, dä Papa Gempp!" Später kam er noch einmal als Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz hinter das Rednerpult zurück, um über die Ablehnung des neuen Einkaufscenters in seiner Stadt zu greinen.

Die Gedanken, mit denen Andreas Glattacker die zungenbrecherische Losung interpretierte, hatten durchaus auch ernste Hintergründe – die Rente, der Größenwahnsinn Erdogans, die Wahl Trumps zum Präsidenten und der Zulauf zu den Rechtspopulisten auch in Deutschland. Er warnte davor, wegzuschauen. "Sunscht chunnt wieder mo ä Zit wo die Ussred niemert nümmt me hi ’Zruckgluegt wär’s voruss z’seh gsi.’" Frank Schmohl hat auch heuer die Plakette zur Losung entworfen.

Eine Überraschung gab’s beim Schnäggeesse auch: Stefan Vogt überreichte Barbara Ruda einen Scheck der Narrenzunft in Höhe von 500 Euro für die BZ-Weihnachtsaktion "Hilfe zum Helfen".

Oberbürgermeister Jörg Lutz sagte am Ende seiner Probezeit als Protektor: "Ich mach’ den Job". Und das obwohl er schon ein neues Angebot habe: Protektor der Stadtkasse. "Aber die", sagte er, "gehört uns doch allen. Friss n’ wäg, dr Schnägg."

Die Rede des Protektors hat die Narrengilde auf Facebook veröffentlicht: mehr.bz/narrengilde16

Autor: Barbara Ruda