Zentralklinikum

Lörracher Klimafreunde: Mehr Umweltschutz beim Spital

Willi Adam

Von Willi Adam

Do, 22. Dezember 2016 um 22:00 Uhr

Lörrach

Die Klimafreunde Lörrach möchten die Diskussion um das geplante Zentralklinikum des Landkreises um den Aspekt Klimaschutz erweitern. Das sei bisher zu kurz gekommen.

Nach Einschätzung der Klimafreunde müsste der CO2-Verbrauch noch einmal insgesamt untersucht werden. Anstatt neue Gebäude mit neuer Umweltbelastung herzustellen, sollte die sinnvolle Weiterverwendung der bisherigen Standorte noch einmal geprüft werden.

Kritisch sehen die Klimafreunde auch die zusätzliche Verkehrsbelastung durch einen zentralen Standort. Die Klimafreunde Lörrach sind eine Gruppe aus ökologisch interessierten Menschen, die das Lörracher Ziel, bis 2050 klimaneutrale Stadt sein zu wollen, auf der bürgerschaftlichen Ebene begleiten. Kommen sie bei den internen Diskussionen auf einen Nenner, dann wollen sie sich auch in die öffentliche Diskussion einbringen, sagt Klimafreund Frank Leichsenring. Dies sei im Zusammenhang mit der Klinikdebatte der Fall. "Wir sind keine Fachleute, wir möchten aber als Bürger Fragen aus dem Blickwinkel des Klimaschutzes einbringen", sagt Leichsenring. Die bisherige Diskussion sollte unter diesen Gesichtspunkten noch einmal diskutiert werden. "Das ging ja alles rasend schnell", meint Leichsenring.

Der Ansatz der Klimafreunde ist mit dem Begriff "graue Energie" verbunden. Dabei handelt es sich um den Ressourceneinsatz und die damit verbundene Belastung, die bereits in bestehende Anlagen gesteckt wurde. Das werde oft übersehen, kritisieren die Klimafreunde. In die Ökobilanz einer neuen Zentralklinik müsse deshalb auch eingerechnet werden, was für die bestehenden Krankenhäuser aufgewendet wurde und was davon noch nutzbar wäre – oder eben nach Einschätzung der Klimafreunde bei einem Abriss unnötig vernichtet würde. Für den Aufbau der bisherigen Einrichtungen seien eine Menge an Energie und Rohstoffe eingesetzt worden. Nun werde mit dem geplanten Zentralklinikum wiederum "ein gigantischer CO2-Ausstoß" in Gang gesetzt, der in keinem Verhältnis zum "qualitativen Ausbau der bisherigen Standorte" stehe, argumentieren die Klimafreunde. Das dafür erforderliche Geld – etwa 300 Millionen Euro nach gängigen Schätzungen – könnte für andere Dinge ausgegeben werden. Bildung und öffentlicher Verkehr sind zwei Stichworte, die die Klimafreunde in diesem Zusammenhang nennen.

"Neben der Dimension der Vergeudung grauer Energie wird auffallend wenig darüber diskutiert, dass ein Zentralklinikum selbstverständlich mehr Verkehr verursachen wird", heißt es in einer Erklärung der Gruppe wörtlich. Aus Klimaschutzgesichtspunkten sei, egal bei welcher Standortentscheidung, ein Zentralklinikum der falsche Weg. Schon die Tatsache, dass ein solcher Bau außerhalb von Städten liegen müsse, verursache Verkehr. Der Bau einer S-Bahnhaltestelle würde dann sicher auf sich warten lassen. Hinzu komme, dass bei einem Standort erheblich mehr Fahrten nötig wären als bei der jetzigen Situation.

Statt auf ein Zentralklinikum zu setzen, sollte nach der Meinung der Klimafreunde noch einmal über dezentrale, wohnortnahe Lösungen nachgedacht werden. Zu prüfen sei auch, ob es nicht reiche, wenn Spitzenmedizin in Freiburg, Basel und Villingen-Schwenningen konzentriert würde und im Kreis eine wohnortnahe Basisversorgung gegeben sei.