Kein Volksfest

FV Lörrach-Brombach darf doch nicht gegen tibetische Fußballauswahl spielen

Veronika Zettler

Von Veronika Zettler

So, 11. März 2018 um 12:50 Uhr

Lörrach

Der Sonntag Als "sportpolitisches Lehrstück" bezeichnete Zeit-Online am Freitag die Ereignisse. Beteiligt sind laut Bericht die Fifa, der DFB und der südbadische Fußballverband (SBFV), außerdem China, Tibet und, Achtung: Der FV Lörrach-Brombach.

Aus politischer Räson, mutmaßt die Zeit , genauer, als Zugeständnis an China, sei dem Lörracher Club ein für Juni geplantes Freundschaftsspiel mit einer tibetischen Fußballauswahl verboten worden. Das geplante Match hätte "die Fifa und vor allem China verärgert, den Partner des DFB", heißt es in dem Artikel.

Fest steht: Der FV Lörrach-Brombach hatte im Januar vom südbadischen Fußballverband (SBFV) wissen wollen, ob ein geplanter Kick mit den Tibetern in Ordnung gehen würde. Nach einer ersten Zusage durch SBFV-Präsident Thomas Schmidt erhielt der Verein dann aber wenig später doch eine Absage. Weil der FV Lörrach-Brombach dem DFB "in die Quere kam", wie die Zeit spekuliert? Und weil bei der Kooperation zwischen DFB, DFL und China viel Geld – vor allem von chinesischen Sponsoren – im Spiel ist und man aus Ereignissen wie den zwischen DFB und China krachend gescheiterten Testspielen der chinesischen U20-Mannschaft gegen deutsche Regionalligisten Lehren zieht? Gleich beim ersten dieser Spiele gegen den TSV Schott Mainz hatten im November einige Zuschauer aus Protest gegen die chinesische Tibet-Politik tibetische Flaggen aufgehängt.

FV will nicht auf politische Schiene gestellt werden

Die chinesischen Spieler gingen daraufhin vom Platz, bis die Flaggen verschwunden waren. Indes: Die Gastspiele von Chinas U20-Team in der Regionalliga Südwest wurden in der Folge komplett abgebrochen. Für die Sache mit den Tibet-Flaggen hätten sich DFB-Vertreter vergangene Woche sogar persönlich in Peking entschuldigt, meldete die Wirtschaftswoche am Donnerstag – was der DFB wiederum dementierte.

Ist das Freundschaftsspiel in Lörrach also (sport-)politischen Interessen zum Opfer gefallen? Beim FV Lörrach-Brombach ist man jedenfalls nicht glücklich über die Darstellung in der Zeit : "Wir wollen nicht auf die politische Schiene gestellt werden", sagt FV-Vizepräsident Bernd Schleith im Gespräch mit dem Sonntag : "Wir lassen uns von keiner Seite vor den Karren spannen". Schleith stellt außerdem klar: "Wir sind bei der Entscheidung in keinster Weise unter Druck gesetzt worden."

Der Verein habe mit dem geplanten Spiel kein politisches Statement abgeben wollen, die Idee sei von der Basler Verbindungsstelle an ihn herangetragen worden und man hätte die Partie "rein sportlich durchgeführt". Auch in anderen Punkten fühlt sich der FV, der im Übrigen stolz ist auf seine Integrationsarbeit und gerade Unterschriften gegen die Abschiebung seines gambischen Torjägers Buba Ceesay sammelt, nicht korrekt dargestellt. Mitnichten habe man zum Spiel ein "kleines Volksfest" geplant, wie zu lesen war, oder gar "leere Kassen" auffüllen wollen, denn: "Wir haben keine leeren Kassen", so Schleith.

Auch beim SBFV, der dem Spiel eine Absage erteilt hat, will man von einer politischen Dimension nichts wissen, verweist stattdessen auf die Statuten. "Wir können für ein Freundschaftsspiel nur eine Zusage erteilen, wenn die Mannschaften im Verband sind", so Präsident Thomas Schmidt auf Nachfrage. Bei der zunächst erteilten Erlaubnis sei nicht klar gewesen, dass die tibetische Fußballauswahl der Fifa gar nicht angeschlossen sei.

Ein Testspiel zwischen dem FV Lörrach und den Tibetern "ohne Zutun des Verbands" sei allerdings kein Problem, meint Schmidt – eine offizielle Freundschaftspartie schon. Allein: Beim FV Lörrach-Brombach möchte man nach der Vorgeschichte "kein Spiel, das zum Politikum wird" und bei dem, wie Bernd Schleith vermutet, Sicherheitsvorkehrungen nötig wären.