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07. Juli 2010

Gericht kann Vorwurf des Besitzes von Kinderpornografie nicht klären und verhandelt weiter

Gericht kann Vorwurf des Besitzes von Kinderpornografie nicht klären und verhandelt weiter.

LÖRRACH. Auf dem Computer eines 57-jährigen Lörrachers fand die Kriminalpolizei sieben Videos, in denen Kinderpornografie zu sehen ist. Deswegen steht der Mann nun vor Gericht. Doch er behauptet, die Filme seien ohne sein Wissen auf einer Festplatte gewesen, die er gebraucht gekauft habe.

Die Einlassung des Frührentners, der sich in Computerdingen sehr gut auskennt, stellte die Beweisaufnahme vor dem Strafrichter vor einige Herausforderungen. "Ich hatte keine Ahnung, dass diese Videodateien da drauf sind, und ich war mir keiner Schuld bewusst", sagte der 57-Jährige. Er sagte, er habe die 300 Gigabyte große Festplatte gebraucht und kaputt bei Ebay ersteigert. Nachdem er sie bekommen hatte, habe er sie repariert, und um zu testen, ob sie wieder funktioniert, habe er Dateien hin- und herkopiert. Danach habe er die Platte wieder abgehängt. Die Polizei war durch Zufall auf die Kinderpornos gestoßen. Sie ermittelte gegen den 57-Jährigen wegen Verstößen gegen das Urheberrecht. Er steht im Verdacht, über ein Filesharing-Programm teure Computerprogramme illegal aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Als die Kriminalpolizei deswegen seinen Computer beschlagnahmte und untersuchte, stieß sie dabei auch auf die kinderpornografischen Videos.

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Ein Kriminalbeamter sagte vor Gericht, man sei wegen der Titel, zum Beispiel "Junges Blut", auf die Dateien aufmerksam geworden. Tatsächlich sind die Dateien offenbar von der einen auf die andere Festplatte kopiert worden, wie der Angeklagte es angegeben hat. Allerdings befand sich auf der ersteigerten 300-Gigabyte-Festplatte eine Vielzahl von Dateien, die in einem verschachtelten System von Ordnern und Unterordnern sortiert waren. Der Ordner mit den Videos stand irgendwo darin einsortiert. "Es erscheint seltsam, dass genau dieser Ordner angefasst wurde, der Rest nicht", meinte der Kriminalbeamte, der die Struktur der Festplatte ausführlich erklärte. Nicht herausgefunden wurde jedoch, ob die Videodateien wirklich nur verschoben und kopiert, oder ob sie auch geöffnet wurden, und falls ja zu welchem Zeitpunkt.

Ein weiterer Kriminalbeamter berichtete von Nachforschungen bei Ebay, die ergeben hätten, dass der Angeklagte im fraglichen Zeitraum zwei größere Festplatten gekauft hatte, aber nicht diese, um die es ging. Doch der Angeklagte hatte schon vor einiger Zeit der Kriminalpolizei die Bestätigung des Kaufs der 300-Gigabyte-Platte bei Ebay vorgelegt, die er vor Gericht erneut präsentierte. Wegen der Unklarheiten hat das Gericht den Prozess daraufhin unterbrochen. Die Ermittler sollen nun versuchen, noch etwas über den Kauf und den Verkäufer der Festplatte sowie über den Umgang mit den Videodateien herauszufinden. Die Verhandlung wird deswegen fortgesetzt.

Autor: Thomas Loisl Mink