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19. Februar 2011 00:01 Uhr

Lörrach/Freiburg

Gutes Pflaster für junge Forscher

Lörrach war bei "Jugend forscht" in Freiburg erfolgreich / "phaenovum" steht trotz üppiger Förderung nicht unter Erfolgszwang

  1. Tobias Spanke lässt Stecker vom Roboter ziehen – was ihn für die nächste Runde qualifiziert. Foto: Bamberger

LÖRRACH/FREIBURG. Sie bauen Maschinen die Stecker automatisch aus der Steckdose ziehen, erforschen, wann ein Klebeband am besten klebt oder warum Schiffe im Bermudadreieck sinken. Und dabei sind sie erst zwischen 10 und 21 Jahren alt. Beim Regionalwettbewerb Südbaden von "Jugend forscht" in Freiburg, stellten auch die Nachwuchserfinder von Lörracher Gymnasien und vom Schülerforschungszentrum "phaenovum" ihre Projekte vor – mit Erfolg. Vier Projekte kommen in die nächste Runde.



Die Rothaus-Arena der Freiburger Messe ist gut gefüllt, überall drängen sich junge Menschen, laufen in kleinen Gruppen von Stand zu Stand und bestaunen die Projekte, die dort vorgestellt werden. Normalerweise gibt es in der Rothaus-Arena Konzerte zu hören, heute gibt die Wissenschaft den Ton an. Beim Regionalwettbewerb Südbaden von "Jugend forscht", sind auch 17 Kinder und Jugendliche von Lörracher Schulen und vom "phaenovum" mit am Start. In dem Schülerforschungszentrum haben die jungen Naturwissenschaftler in den letzten Monaten gezielt auf die Präsentation bei dem Wettbewerb hingearbeitet. Die Gewinner dürfen in die nächste Runde einziehen, zum Landeswettbewerb nach Stuttgart. Es winken Geldpreise, aber auch Anerkennung – nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Schulen und Einrichtungen, an denen die Arbeiten und Projekte verwirklicht wurden.

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Deswegen werde im "phaenovum" aber kein Druck auf die Schüler ausgeübt, meint Hermann Klein, der Fachbereichsleiter für Physik im Schülerforschungszentrum: "Preise sind nicht wichtig. Viel wichtiger ist, was die Schüler hier für sich mitnehmen können." Trotz hoher Zuwendungen des Landes Baden-Württembergs und der EU sowie dem Sponsoring durch regionale Firmen, spüre Klein keinen besonderen Erwartungsdruck auf ihn und seine Schüler. Weder die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft Innocel, die Träger des "phaenovum" ist, noch sonst jemand verlange, Wettbewerbe zu gewinnen.

Hermann Klein: "Meiner Meinung nach, ist sowieso die Vorbereitung auf den Wettbewerb das Wichtigste. Hier lernen die Kinder, wie man gründlich arbeitet, genau protokolliert, eine Forschungsarbeit schreibt und sie präsentiert. Der Wettbewerb selbst, ist da reine Zugabe." Carolin Lachner sieht das genauso, sie hat am "phaenovum" geforscht. "Ne, also Druck von außen bekomme ich überhaupt nicht", sagt sie: "Aber ganz ohne Erwartungen läuft die Veranstaltung natürlich nicht ab. Das ist allerdings der Druck, den ich mir selber mache, mein Ehrgeiz, der mich antreibt."

Die 17-Jährige nimmt im Bereich Physik teil, ihr Projekt heißt "Mit Wasser Brücken bauen". Dabei stehen zwei Gläser, voll mit destilliertem Wasser, direkt nebeneinander. Beide sind an einen Stromkreis angeschlossen. Wenn sie die 25 000 Volt Starke Anlage in Gang setzt und die Gefäße langsam auseinander bewegt, dann bleiben die Gläser über eine Brücke aus Wasser miteinander verbunden.

"phaenovum" freut sich über Techniker im Ruhestand

Und auch Tobias Spanke forscht nicht, weil ihn jemand dazu drängt, sondern aus eigenem Antrieb heraus. Er hat eine "Zieh-den-Stecker-aus-der-Steckdose-Maschine" gebaut. Der Apparat erkennt, wenn ein angeschlossenes Gerät komplett geladen ist und trennt dann den Stecker von der Steckdose. "So kann man viel Strom sparen", erklärt der 13-Jährige. "Ich bin darauf gekommen, als das Handy von meinem Papa angezeigt hat: Akku geladen, bitte Stecker entfernen. Da dachte ich, das muss doch auch automatisch funktionieren."

Bernd Kretschmer war früher Physiklehrer am Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach und ist so was wie der geistige Vater des "phaenovums". Heute ist er weniger aktiv, betreut aber gelegentlich Arbeiten von jungen Wissenschaftlern. "Inzwischen bin ich wohl eher so was wie der geistige Opa des Zentrums", scherzt er. Er blickt stolz auf die vielen Projekte, die das "phaenovum" bei "Jugend forscht" stellt. "Das ist schon schön zu sehen, wie sich das in den letzten Jahren so entwickelt hat", sagt Kretschmer, "und es tut sehr gut zu sehen, dass es ohne mich läuft, dass sich Lehrer um das Forschungszentrum kümmern."

Denn damit viele Schüler gut betreut experimentieren können, braucht es einen hohen Betreuungsaufwand. "Da muss man als Lehrer schon Zeit investieren", meint Hermann Klein. "Ab und zu wünschen wir uns da etwas mehr Unterstützung", sagt Klein, "ich denke zum Beispiel, das ’phaenovum’ wäre doch ein Prima Ort für pensionierte Menschen aus technischen Berufen, die ihr Wissen weitergeben und sich engagieren wollen."

Auch ohne ehrenamtliche Unterstützung schlägt sich das "phaenovum" bei dem Wettstreit in Freiburg gut. Vier der Lörracher Projekte werden prämiert, und somit auch beim Landesfinale antreten. Auch die Stecker-Zieh-Maschine und die Wasserbrücke sind dann wieder dabei. Und das ganz ohne Druck.

TEILNEHMER UND PREISE

Teilnehmer Phaenovum:
Tobias Spanke (Steckerziehmaschine, erster Platz Arbeitswelt), Jasmin Kasper, Tabea Hein, Team Fabienne Werner und Nina Kramer, Katharina Klotz, Team Tatjana Hufschmid und Anna-Lena Müller, Ronja Spanke, Team Patrick Schäfer, Lavrenti Frobeen und Max Ewert (Homopolarmotor, erster Platz Physik), Caroline Lachner (Wasserbrücke, erster Platz Physik), Team Laura Günther und Olga Chernina, Team Leonard Bauersfeld und Lukas Wieg (Bermudadreieck, erster Platz Physik)
Teilnehmer Hans-Thoma-Gymnasium: Team Oliver Höcklin, Niclas Dohrn, Patrick Diewald

Autor: Sebastian Wolfrum