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29. April 2011
Hilfe, wenn die Zwangsräumung droht
Seit anderthalb Jahren gibt es die Fachstelle Wohnungssicherung / Zahl der Betroffenen steigt.
LÖRRACH (seh). Ein Rentner kann seine Miete nicht mehr bezahlen, ihm droht die Zwangsräumung. Die Aussicht, vielleicht in Lörrach keine preiswertere Wohnung zu finden und das vertraute Umfeld verlassen zu müssen, deprimiert ihn zutiefst. Sylvia Ziegler von der Fachstelle Wohnungssicherung kann helfen: ein Gespräch mit dem Vermieter ergibt, dass der für den Rentner eine andere, kleinere Wohnung in Lörrach hat. Aber so läuft es eben nicht immer.
Seit Ende 2009 gibt es die Fachstelle Wohnungssicherung, die von der AGJ-Wohnungslosenhilfe im Landkreis getragen und von der Stadt finanziert wird. Bis Ende 2011 ist das 20-Prozent-Deputat zunächst bewilligt, aber Yvonne Eyhorn vom städtischen Fachbereich Bürgerdienste ist optimistisch, dass diese Präventionsarbeit weitergehen kann. Der Bedarf zeigte sich rasch und er wächst, das Deputat reiche nicht wirklich, sagt Sylvia Ziegler. In den ersten 14 Monaten wurden vom Gericht 69 drohende Zwangsräumungen gemeldet, in den knapp vier Monaten des laufenden Jahres waren es schon 30. Jede Räumung, die verhindert werden könne, wende nicht nur Leid ab, sie spare auch bares Geld, sagt Stefan Heinz, Leiter der Wohnungslosenhilfe im Landkreis: Umgerechnet kostete jede abgewendete Räumung seit Gründung der Stelle 700 Euro. Eine Räumung koste das Acht- bis Zehnfache.
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Es gebe eine Reihe von Gründen, die zu einer Räumungsklage führen können, erläutert Sylvia Ziegler. Bei manchen Betroffenen stapelten sich die Problemlagen. Der Klassiker aber seien Mietschulden, die ganz schnell entstehen könnten, wenn Arbeitslosigkeit eintritt oder nach Auszug der Kinder oder Tod des Partners einer allein die Wohnung nicht mehr bezahlen könne. In eine kleinere, preiswertere Wohnung umzuziehen, sei in Lörrach schwer, sagen die, die täglich mit der Problematik zu tun haben. Stefan Heinz: "Billigen Wohnraum gibt es in Lörrach so gut wie gar nicht mehr". Das macht auch denen zu schaffen, die arbeiten, aber miserabel verdienen, sagt Sylvia Ziegler. Auch solche Fälle hatte sie schon.
Sie erfährt von Bürgern, denen Räumung droht, über das Amtsgericht. Dann sucht Ziegler den Kontakt, leider nur teilweise mit Erfolg. Jeder Fall liege anders, erklärt die Sozialpädagogin, aber oft geht es darum, die finanziellen Verhältnisse zu klären, vielleicht auch erstmal einen Hartz-IV-Antrag zu stellen, mit dem Vermieter über Ratenzahlungen zu verhandeln oder andere Ansätze zu suchen. Auf ein großes Netz kann Ziegler zurückgreifen, um Hilfe zu leisten, unter anderem auf die Obdachlosenbehörde der Stadt, das Gericht, auf das Landratsamt mit der Sozialbehörde oder das Jobcenter. Mit allen sei die Zusammenarbeit gut. In 23 Fällen konnte im ersten Berichtszeitraum die Zwangsräumung so vorübergehend oder dauerhaft abgewendet werden. Gelingt das nicht und ist eine Ersatzwohnung zu suchen, wird es schwierig, sagt Ziegler. Im Zweifelsfall weist die Stadt eine Wohnung zu.
Wichtig sei auch die politische Seite des Pilotprojekts, betont Stefan Heinz. Es bringe viel, bei den Sachbearbeitern im Jobcenter um Verständnis zu werben, wenn es um die Frage gehe, ob eine Wohnung für einen Hartz-IV-Bezieher angemessen ist; es sei wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen bei den Behörden, die mit den Betroffenen zu tun haben. Die Existenz der Fachstelle habe auch für die, die eigentlich sowieso nah am Thema sind, zusätzliche Einblick in die Problemlagen gebracht. Das sei auch für die Zukunft wertvoll, ist Heinz überzeugt. Denn die Zahl der Betroffenen werde steigen.
Autor: seh
