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25. Februar 2017 00:01 Uhr

Backstage

Hinter der Bühne des Lörracher Zunftabends geht’s rund

Kulissen, Technik und das Make-Up der Darsteller: alles muss bei den Lörracher Zunftabenden wie am Schnürchen klappen. Hinter der Bühne herrscht gutgelaunter Stress.

  1. Jeder Strich sitzt: Hansi Gempp und Andreas Glattacker in der Maske Foto: Barbara Ruda

  2. Hans-Werner Schuldts Rolle Foto: Barbara Ruda

  3. Tiegel an Tiegel Foto: Barbara Ruda

Beim Zunftabend 2017 bieten sieben Zunftmeister in der Alten Halle Haagen großes Narrentheater. Damit sie zu Höchstleistung auflaufen und in 48 Rollen schlüpfen können, muss auch hinter den Kulissen alles wie am Schnürchen klappen. Beim sechsten von neun Abenden hat die BZ dort mal genauer hingeschaut und eine logistische Meisterleistung auf wenigen Quadratmetern entdeckt.

Vorspiel:
Bevor sie sich in die Garderoben aufmachen treffen sich die Zunftmeister eine Stunde vor Beginn auf der Galerie. Schließlich finden sie zu einem Kreis zusammen und halten sich an den Händen. Wie Theaterleute wünschen sie sich Erfolg für den kommenden Auftritt, nur dass Oberzunftmeister Stephan Vogt statt "toi toi toi" den Mehrzeiler "Zunftabend unser" aufsagt.

Vorbereitung und Technik
Hinter Vorhängen in den Lörracher Fasnachtsfarben gelb, grün und rot versteckt sich hier oben die Technikkabine – Lukas Grussenmeyers Reich. An der Seite des Zunftmeisters sitzt, wenn er nicht gerade auf der Bühne steht, Zunftgeselle Nico Vogt. Hier flimmern die Monitore, links mit den Szenen, rechts mit dem kompletten Ablauf. Die Mikrophonanlagen, von denen jedem Spieler eine zugeordnet ist, stapeln sich ganz links, rechts wird das Licht geregelt. Ein Fernglas soll dem Techniker helfen, wenn sich ein Rauschen einstellt und er es einstweilen keinem Spieler zuordnen kann. Zwischen all den Reglern und Knöpfen liegt wie ein Fels in der Brandung das Regiebuch, in dem Grussenmeyer jedes noch so kleine Detail des gesamten Ablaufs notiert hat. Ein anderes Buch hat er mit Fotos der auf der Bühne Dargestellten in chronologischer Reihenfolge bestückt, um den Maskenbildnerinnen zu helfen. Es liegt unten im Backstagebereich, der den Zuschauern verborgen bleibt. Man erreicht ihn auf verschlungenen Wegen: die Treppe herunter, an Gästegarderoben und Toiletten vorbei, durch die Küche hindurch und dann einen schmalen Gang entlang.

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Garderobe und Maske
Nur zwei kleine Garderoben links des Ganges gibt es neben der Bühne: In der ersten kleiden sich die Männer um – die Kostüme und Schuhe griffbereit. Die, die gleich dran sind, führt der Weg direkt weiter zu Lilo Benz und Mary Fazis in die zweite Garderobe. Vor einem raumbreiten Spiegel reihen sich Gläser mit Pinseln, Makeup-Tiegel, Schwämmchen und – ganz wichtig für die Nerven – haufenweise Süßzeug. Jeder, der sich auf einem der beiden Schminkplätze in die versierten Hände der beiden gelernten Friseurinnen gibt, greift sich Gummibärchen, Puffreis oder einen Mohrenkopf. Das deckenhohe Regal kann die 26 Styropor-Köpfe mit Perücken, Bärten, Hüten und Mützen schon nicht mehr alle aufnehmen. Viertel nach sieben bekommt Klaus Ciprian-Beha das Gesicht grundiert. "Mach die Augen zu", bittet ihn Lilo Benz und fügt lachend hinzu: "De Hans sitzt au do, dann siesch ’s Elend nebbedra nid." Jeder Handgriff, jeder Strich sitzt. "Bäckle kriegsch keine, aber Lipple un en Bart", wird Andreas Glattacker begrüßt, der Hansi Gempp ablöst. Der Zunftmeister erklärt dem Gast auch gleich, warum man in Lörrach zwei Maskenbildnerinnen aus Weil beschäftigt. "Die hen des welle uf Wiil mache, aber die nemme jo de Text mit uf d’Bühni." Mit dem lockeren Ton und den scherzhaften Bemerkungen überspielen die Akteure ihr Lampenfieber. Andere ziehen sich in die ruhigere Garderobe zurück und stecken ihren Kopf nochmal ins Textbuch. Jeder geht auf seine Weise mit der spannungsgeladenen Situation um. "De Heinz brücht e schwarzi Strumpfhose, ihr wüsset B’scheid", ruft jemand zur Tür herein. Auch dieser Wunsch wird postwendend erfüllt. Von der Bühne dröhnt die "Iimarsch"-Musik herüber. Das Spiel kann beginnen.

Bühnenbild
Noch nicht ganz, denn nun ist der Einsatz von Hans-Werner Schuldt gekommen. Kaum sind der Protektor und die Gildenabordnungen abgegangen, tragen er und Andreas Kühne die sorgfältig gerichteten Versatzstücke auf die Bühne, die eine Woche zuvor Zunftmeisterkollege Ralf Buser in der Alten Halle angemalt hat – in der Garage war es zu kalt dazu. Von den großen Kulissenbildern von Hanspeter Goldian wird die erste aufgerollt, die neu gemalte mit dem Motiv für die Haugemer Holzversteigerung. Am Rand brennt das rote Licht, dass dem Technikteam die Umbaupause anzeigt. Erlischt es, geht der Vorhang wieder auf. Während der Solonummern als Putzfrau – oder -mann souffliert Andrea Rümmele direkt hinter diesem Tuch, bevor sie in auf ihren Platz seitlich der Bühne zurückkehrt.

Harmonie im Team
Und so geht das den ganzen Abend. Kurze ruhige Phasen wechseln sich mit hektischen ab, wenn der Schweiß von Köpfen und aus Gesichtern gewischt, abgeschminkt und neu angemalt wird, wenn die Spieler aus einem Kostüm ins nächste steigen. Lilo Benz und Mary Facis behalten nicht bloß den Überblick, sondern reichen wo nötig Getränke oder geben aufmunternde Klapse. "Dankeschön", sagt mancher, bevor er wieder zur Tür hinauswitscht. Das Programm kommt heute prima beim Publikum an. Lachsalven und kräftiger Applaus dringen nach hinten. Hier wird mitgesungen oder zu den Klängen von Rolf Hausers Nightshadows getänzelt. "Wir machen das gerne", bräuchten die Damen gar nicht zu sagen. Das Zunftabend-Team erscheint wie ein liebevolles Familienunternehmen. "Wenn alles so eng ist, dann schweißt das zusammen", erklärt Andreas Glattacker. Heute, Samstag, ist Zunftabendfinale 2017.

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Autor: rud