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19. November 2011

Interesse am Wesen des Menschen

Der "Restaurateur des Jahres" Konrad Winzer ist auch ein großer Künstler der Region.

  1. Diese „Begegnung“ gibt Konrad Winzer in die Auktion. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH (rud). Auch der gerade vom Gourmet-Führer Gault Millau für sein Drei-König-Gesamtensemble als "Restaurateur des Jahres" ausgezeichnete Künstler Konrad Winzer gibt heuer ein Werk in die BZ-Kunstaktion "Zum Ersten, zum Zweiten, zum Helfen".

Hatte er in früheren Jahren zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, steht gegenwärtig die öffentliche Seite von Konrad Winzer als Unternehmer und Wirt, der seinen Gästen Speisen und Getränke auf hohem Niveau kredenzt, im Vordergrund. Zu seinem 50. Geburtstag vor sechs Jahren hatte er das Buch "Bis ich ruhe in dir" veröffentlicht – einen umfassenden Katalog, in dem die Monumentalität seiner Steinskulpturen subtil durch lyrische Passagen seines Freundes Robert Schneider ("Schlafes Bruder") umspielt wird.

Konrad Winzer ist ein großer Künstler der Region. Er ging in die Lehre bei Leonhard Eder in Rheinfelden und studierte von 1976 bis 1982 bei Professor Alfred Hrdlicka an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Als junger Bildhauer ging er fortan seinen eigenen Weg, interessierte sich wie sein österreichischer Lehrer für das Figürliche, den Menschen, strebte aber im Gegensatz zu ihm die Vollständigkeit einer Figur, das Klassische, Archaische eines Aktes an.

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Werke des in der Abgeschiedenheit von Egisholz bei Kandern lebenden Künstlers findet man in der Lörracher Innenstadt, zum Beispiel zwischen Stadtkirche und Pfarrhaus die "Existenzielle Not", und auch im Grütt, wo die Großplastik "Wächter" steht. Oftmals provozieren sie in ihrer Nacktheit und weil sie sind, wie sie eben sind: schön, hässlich, alt, triebhaft, geizig. Nicht die bildhauerische Prosa steht im Vordergrund, sondern mahnende Erkenntnis über das Wesen des Menschen.

Die Figuren sind gekennzeichnet vom Wissen um die Unvermeidlichkeit des Todes. Sie spiegeln die Suche des Künstlers nach der himmlischen, also der zeitlosen Schönheit. Leid und Hoffnung wohnen gleichermaßen in ihnen, rütteln den Betrachter auf und hinterlassen Spuren.

Konrad Winzer holt aus dem Stein das Figürliche, ohne ihm seine Kraft zu rauben. Die klaren, funktionalen Formen, welche die Möbelentwürfe des Künstlers dominieren, stehen auf den ersten Blick im Gegensatz zu seinem bildhauerischen Oeuvre.

Doch Kraft spürt man auch in seinen Tischen, Stühlen, Schränken und Hockern. Die brauchen sie auch, um gegen den Raum anzukämpfen. Diese Kraft liegt auch schon im Rohstoff Holz, der sich als Baum jahrzehntelang gegen Wind und Wetter gestemmt hat. Um dieses spürbar zu machen, nimmt Konrad Winzer für seine Möbel das Holz von mächtigen Bäumen mitsamt seiner knorrigen Einschübe und gibt ihnen eine zeitlose Gestalt.

Konrad Winzer: "Begegnung", Guss in Massiv Silber, 7/24, 6,2 x 5,9 x 1 cm, Mindestgebot: 300 Euro

Autor: rud