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27. Februar 2017 16:51 Uhr

Rotssuppe

Ivo Gönner bekommt den Lörracher Drochehüüler-Orden

Weil er sich nur des Weins wegen zum "Tag der Freiheit" habe einladen lassen, hat die Narrenzunft Lörrach den Drochehüüler-Orden an Ulms Alt-OB Ivo Gönner verliehen.

  1. Ivo Gönner (Mitte) ist Träger des Drochehüüler-Ordens. Neben ihm Oberzunftmeister Stephan Vogt (links) und Zunftmeister Andreas Glattacker. Foto: Barbara Ruda

  2. Thorsten Becker als Teufel Foto: Barbara Ruda

  3. Das Ratschörli hatte wieder Hits auf Lörracher Verhältnisse umgebogen. Foto: Barbara Ruda

Den Drochehüüler-Orden 2017 bekam ein ausgewiesener Schwabe um den Hals gehängt: Ivo Gönner, langjähriger Oberbürgermeister der Stadt Ulm und 2016 Redner beim Tag der Demokratie in Lörrach. Seine Rede, die dem Dank ebenso gewidmet war wie der Selbstverteidigung, war einer von etlichen Höhepunkten der Ratssuppe, die die Narrenzunft ihrem Publikum der Tradition gehorchend am Rosenmontag einbrockte.

Den Drochehüüler-Orden vergibt die Narrenzunft für eine Fehlleistung – im Falle Gönners hatte das mit dem Thema Wein zu tun. Der Beklagte habe sich, da der Ulmer Wein allenfalls als Beigabe zum Mörtel tauge, zum Tag der Revolution nach Lörrach einladen lassen, um dortselbst als Gastgeschenk und somit unentgeltlich an guten badischen Wein zu kommen.

Der Schwabe nimmt alles mit

Natürlich nehme er als Schwabe alles mit, was kostenlos sei, erklärte Gönner, um süffisant anzufügen, darum floriere der schwäbische Teil des Landes ja so. Aufs Schönste nahm der Ordensträger das Verhältnis zwischen Badenern und Schwaben aufs Korn. Ivo Gönner erwies sich als würdiger Ordensträger und absolute Bereicherung der Ratssuppe, die Oberzunftmeister Stephan Vogt souverän und launig moderierte. Zum Verhältnis der beiden Landesteile hatte übrigens auch Gastrednerin Gudrun Heute-Bluhm einiges zu sagen – wobei sie sich ganz unausgewogen auf die Seite der badischen Wahlheimat stellte.

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Zunftmeister und wie sie die Stadt sehen

Vor den Orden und die Gastrede hatte die Ratssuppe so manchen Beitrag aus den Reihen der Zunftmeister gestellt. Da erzählte Andreas Glattacker eine Geschichte, die er konsequent mit Verkehrsschildern bebilderte. Da gab Karl-Heinz Sterzel einen Einblick in die jüngsten Fake News, zu denen gehört, dass das neue Klinikum der schönen Aussicht wegen auf den Tüllinger kommt. Philipp Buser berichtete von seiner Leidenszeit im Wartezimmer, die so lange währte, dass manche Krankheit ausgeheilt war, ehe die erlösende Einladung ins Sprechzimmer erfolgte. Und Hansi Gempp erregte sich auf Narrenart über die städtische Sparmaßnahme, die den Tüllinger Brunnen trockenlegt. Schließlich sei diese Wasserstelle der Höhepunkt des Westwegs.

Schuld war nur die Haushaltskasse

Zu den vergnüglichsten Programmpunkten gehörte wie gewohnt das Ratschörli, für das Hubert Bernnat die Texte geschrieben hatte und das Thomas und Uli Denzer instrumental begleiteten. Da verschwinden einer bekannten, aber politisch nicht mehr korrekten Weise folgend Verwaltungsvorlagen von der Tagesordnung des Gemeinderats; da hatte der Chor eine Leitbild-Hymne auf Müller-Westerhagens "Freiheit" gedichtet ("Lör-rach, Lör-rach, ist das einzige, was zählt"), da gibt es auf Dylens "Blowing in the wind" endlich eine Replik ("Die Antwort, mein Freund, vom Fachbereich Verkehr") und da wird aus dem Klassiker mit dem Bossanova ein "Schuld war nur die Haushaltskasse". Über manchen kommunalpolitischen Aufreger durfte herzhaft gelacht werden. Dafür ist die Fasnacht da.

Protektor Thorsten Becker bewies bei der Ratssuppe einmal mehr, welche besonderen Akzente er in seinem Amt zu setzen weiß. Im Gewand des Leibhaftigen klagte er, arbeitslos zu werden – der Mensch mache jetzt seine Arbeit, namentlich in Gestalt der Erdogans, Trumps, Putins und anderer Teufels-Konkurrenz hienieden. Großartig, was dieser Protektor da ablieferte – Standing Ovations lohnten es ihm. Sein Vorgänger, Oberbürgermeister Jörg Lutz, setzte mit einem schönen Schmankerl den Schlusspunkt. Wohl sei Beckers Protektorat von der Sonne verwöhnt gewesen. Laut "Hydraulischer Gesellschaft" freilich sei der Herrscher gepriesen, der Regen bringe. Und den gab es 2016 reichlich.

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Autor: seh