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07. Februar 2013

Kein fasnächtliches Fremdgehen

Felix Rudolf von Rohr ist der erste Basler als Protektor der Lörracher Fasnacht und sagt: "Ich gebe da etwas zurück.".

  1. Felix Rudolf von Rohr, Protektor und Freund der Lörracher Fasnacht, hier beim Zunftabend. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Felix Rudolf von Rohr ist der erste Basler als Protektor der Lörracher Fasnacht. Das wurde in Basel als etwas Besonderes wahrgenommen, weil der Mann dort eine feste Größe ist: als langjähriger Obmann der Basler Fasnacht, als langjähriger Großrat (CVP), als Mitglied in Verwaltungs- und Stiftungsräten, durch seine berufliche Laufbahn im Marketing und in der Öffentlichkeitsarbeit verschiedener Banken und nicht zuletzt mit der eigenen Fernsehreihe "In dubio pro Regio" bei Telebasel. In Lörrach bekommt er auf sein Protektorat positive Reaktionen.

Die Beziehungen zur Lörracher Fasnacht und zu deren Repräsentanten sind freundschaftlich. Überdies, sagt Felix von Rohr, in Lörrach gibt es eine große Wertschätzung für die Basler Fasnacht. "Ich gebe da etwas zurück." Deshalb habe er Ja gesagt, als Narrengilde und Narrenzunft ihn gefragt haben, ob er, der passionierte Basler Fasnächtler in Lörrach Protektor sein wolle. Die erste Anfrage liegt schon zwei, drei Jahre zurück, da konnte er dieses Amt auf Zeit nicht annehmen. Jetzt tut er es um so lieber.

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Neben positiven Reaktionen habe sein Schritt in der Fasnacht über die Grenze in Basel auch "aufgeschreckt": Jetzt geht der Obmann fremd. Nein, sagt er. Es gebe auch anderswo eine tolle Fasnacht. Und die in Lörrach sei doch der Basler sehr nahe – nicht nur räumlich. Der Lörracher Obergildenmeister Jörg Roßkopf betont das immer wieder, zuletzt im kürzlich erschienen Lörracher Heft über die Lörracher Fasnacht. Felix von Rohr siedelt sie zwischen der urigen alemannischen Fasnacht und der Basler Fasnacht an. Mit Cliquen und Guggenmusiken, mit Schnitzelbängg und Umzug, mit Zunftabend und Bällen habe sie viel zu bieten. Und mit Narrenbaumstellen und Dällerschlägg am (heutigen) "Schmutzige Dunschdig", mit Gugge-Explosion und Drochehüüler habe die Lörracher Fasnacht viel Eigenes, "das soll sie pflegen". Mehr als bisher müsse sie von Basel nicht abgucken.

Vom Fan gute Noten für die Schnitzelbänggler

Ob denn die Basler Fasnacht auch etwas von der Lörracher lernen könne? "Ich denke nicht," meint der Kenner beider Fasnachtsformen und fügt selbstbewusst hinzu: "Es ist eher umgekehrt, und das ist gut und schön so." Gleichwohl bekundet der gebürtige Basler, Jahrgang 1944, der dort von Kindesbeinen an in die Fasnacht hineingewachsen und selbst in einer Clique verwurzelt ist, großen Respekt für das, was er bei den Lörracher Fasnächtlern erlebt. Bisher habe er bei Besuchen schon vieles gesehen, als Protektor erlebe er es aus der Nähe. Vor den Zunftmeistern um ihren Oberzunftmeister Stephan Vogt zieht er den Hut. Was sie im Zunftabend bieten und leisten, sei großartig. Die Zunft ist auch für die weiteren Höhepunkte der Saalfasnacht zuständig, das Schnäggeässe am Elften-Elften mit Proklamation des Protektors und für die Ratssuppe am Rosenmontag mit Verleihung des Drochehüüler-Ordens. Den Schnitzelbängglern attestiert der Protektor, selbst ein Fan guter Bängg, dass die besten Lörracher dieses Genres mit den Baslern mithalten könnten.

Überhaupt ist Felix von Rohr ein Freund feiner Verse, weshalb er seine Protektorenreden auch in dieser Form präsentiert: witzig und selbstironisch, augenzwinkernd und auch kritisch. Denn darin sieht er den tieferen Sinn der Fasnacht: Fasnächtler sollten den Hofnarren geben und den Handelnden in Staat, Wirtschaft, Gesellschaft, Kirche, Sport et cetera "den Spiegel vorhalten".

Felix von Rohr empfindet es als Ehre, als Basler in Lörrach Protektor zu sein. Dass die Fasnachtsgrenzen nach Basel offen sind, auf Aktivenseite (es gibt zahlreiche deutsche Cliquenmitglieder und Guggenmusiker in Basel) und für Zuschauer ohnehin, hat Tradition. Der Protektor aus Basel wünscht sich auch, dass mehr Basler die Lörracher Fasnacht miterleben, denn sie habe viel zu bieten. Und fügt der überzeugte Dreilandfan hinzu: "Wir leben in derselben Regio."

Autor: Nikolaus Trenz