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18. November 2011
"Kein Mensch hat das Recht, über Leben oder Tod zu entscheiden"
50 JAHRE AMNESTY INTERNATIONAL, TEIL 2: Das Engagement gegen die Todesstrafe gewinnt im zweiten Jahrzehnt an Bedeutung / Eine Unterschrift kann helfen.
LÖRRACH (BZ). Vor 50 Jahren wurde die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) gegründet. Die Lörracher Gruppe zeigt aus diesem Anlass einen Ausstellung im Museum am Burghof. Die BZ begleitet das mit einer Serie, in jeder Folge stellt ein Lörracher ai-Mitglied ein Thema in den Mittelpunkt, das für ein Jahrzehnt steht. Heute geht es um das Engagement gegen die Todesstrafe. Mandana Golbar, die selber iranische Wurzeln hat, schildert das am Beispiel Iran.
"Die Todesstrafe lässt sich nicht rechtfertigen, sie ist unmenschlich, unwirksam und unwiderrufbar. Deshalb setzt sich Amnesty International seit der Gründung für ihre weltweite Abschaffung ein. Mehr als 70 Länder haben in den letzten drei Jahrzehnten die Todesstrafe abgeschafft. In der Islamischen Republik Iran ist die Todesstrafe bis heute gängig, vollzogen wird sie durch Erhängen, Enthauptung, Erschießen durch Exekutionskommandos, Steinigung. Mord, aber auch Drogendelikte, politische Vergehen, Prostitution, Ehebruch, Verstöße gegen Moral und Gotteslästerung werden so geahndet.
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Hat angesichts solcher Zahlen ai eigentlich Erfolg? Diese Frage bekommen wir oft gestellt. Die Antwort ist: ja. Es ist ganz einfach: Menschenrechtsverletzer haben Angst vor der Öffentlichkeit. Diese Angst nutzt Amnesty, indem es unterschiedliche Aktionen entwickelte. Dazu gehören die Urgent Actions (Eilaktionen). Sie sind das schnellste und effizienteste Mittel, um bedrohten Menschen zu helfen, weil am Ende meist massenweise Appelle an die zuständigen Stellen stehen. Sie kommen Menschen zugute, die akut bedroht sind. In fast der Hälfte der Fälle sind Urgent Actions erfolgreich.
Ein Beispiel: Mehrere Jahre lang drohte der Iranerin Gilan Mohammadi und dem Iraner Gholamali Eskandari der Tod durch Steinigung. Ihr "Vergehen": Ehebruch. Seit 2003 wurden sie in Isfahan inhaftiert, wahrscheinlich 2005 oder 2006 wurden sie zum Tode verurteilt. Im Januar 2009 reisten Anwälte nach Isfahan, in der Hoffnung, die Inhaftierten zu sehen und ihre Verteidigung übernehmen zu können. Als sie daran gehindert wurden, legten sie Beschwerde ein. Nach einer Überprüfung ordnete die Oberste Justizautorität des Iran eine Neuverhandlung an, die mit dem Freispruch endete.
Mir liegt sehr viel daran, mich für die stark zu machen, die hilflos sind. Aufgrund meiner Herkunft habe ich deswegen den Iran ganz speziell im Auge. Es ist für mich sehr erschreckend, mit anzusehen, wie ein Leben nach dem anderen ausgelöscht wird. Unwiderruflich. Die Angst um die eigene Familie bleibt und wächst. Ist in Iran ein Leben ohne Angst überhaupt noch möglich?
Wir schreiben das Jahr 2011 und immer noch gibt es Diktatur und Unterdrückung, sei es wegen der Hautfarbe oder wegen des Geschlechts, gibt es Folter. Könnte man nicht meinen, dass die Menschen mittlerweile aus ihren Fehlern gelernt haben? Dass Hass, Wut, Krieg und Gewalt nichts bewirken? Ich bin der festen Überzeugung, dass kein Mensch das Recht hat, über Leben oder Tod zu entscheiden. Was unterscheidet uns dann von Mördern? Ist es nicht Gott alleine, der diese Macht besitzen sollte? Jeder Mensch trägt für seine Mitmenschen Verantwortung. Viele sehen weg, aus Scham, Bequemlichkeit oder Egoismus. Wir müssen endlich aufwachen.
Verhaftung. Folter. Hinrichtung. Eine einzige Unterschrift reicht, um solche Urteile zu vollstrecken. Doch eine Unterschrift kann auch dazu beitragen, diese Schicksale abzuwenden. Wir können die Regierungen daran erinnern, dass sie nicht tun und lassen können was sie wollen. Seit über 50 Jahren macht sich ai stark für die, die nicht stark sind. Wir kämpfen gemeinsam gegen Unterdrückung und Willkür. Und das werden wir auch in Zukunft tun. Wenn wir nur ein Leben retten können, ist es jede Mühe und jede Anstrengung wert. Machen wir uns stark für eine Welt gegen Gewalt und Tod. Zusammen sind wir die größte Menschenrechtsbewegung der Welt."
Autor: bz
