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07. Dezember 2017

Keiner kann alles und keiner kann nichts

Für Arbeitgeber, die Stellen für Menschen mit Behinderungen schaffen, gibt es viele Fördermöglichkeiten.

  1. Von links nach rechts: Roberto Leanza fühlt sich wohl bei Ralf Buser, Inhaber des Café Pape; Jutta Zöbisch erzählte dem Moderator Matthias Zeller von ihren Schwierigkeiten bei der Arbeitsuche. Foto: Agentur für Arbeit

LÖRRACH (BZ). Der ehemalige arbeits- und sozialpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karl Schiewerling, referierte im Rahmen der bundesweiten Woche der Menschen mit Behinderung in Lörrach über die Neugestaltung des Bundesteilhabegesetzes und die damit verbundenen Möglichkeiten für Arbeitgeber, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Mit dem Zitat "Keiner kann alles und keiner kann nichts" traf er auf den Punkt: Werden Menschen mit Handicap entsprechend ihrer Stärken, Fähigkeit und Talente eingesetzt, erhalten Unternehmen wertvolle Mitarbeitende, heißt es in einer Pressemitteilung der Agentur für Arbeit in Lörrach.

Menschen zu beschäftigen, die körperlich oder geistig eingeschränkt sind, erfordere Mut und Bereitschaft, auch mal andere Wege zu gehen. Die Änderungen im Bundesteilhabegesetz sollen Arbeitgeber dabei stärken, Potenziale behinderter Menschen besser auszuschöpfen. Kernstück bildet das "Budget für Arbeit", welches einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 75 Prozent für Arbeitgeber beinhaltet und dazu noch Aufwendungen für Arbeitsassistenz oder einen Job-Coach abdeckt.

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"Sich für Inklusion im Betrieb stark zu machen, ist nicht nur ein gesellschaftlicher Auftrag", erklärte Andreas Finke, Leiter der Lörracher Arbeitsagentur. "Unsere wirtschaftsstarke Region will stark bleiben. Dafür brauchen wir Fachkräfte und die fallen nicht vom Himmel. Auf das Potenzial von gut ausgebildeten Menschen mit Behinderung zu verzichten, können wir uns nicht leisten."

Unterstützung bekommen Interessierte vom Lörracher Netzwerk, bestehend aus Integrationsfachdienst, Landratsamt, Agentur für Arbeit, Integrationsamt, Lebenshilfe Lörrach und der Handwerkskammer Freiburg, die Hand in Hand arbeiten und ein "Rundum-Sorglos-Paket" versprechen. "Egal, zu wem der Arbeitgeber Kontakt aufnimmt, er ist mit seinem Anliegen immer an der richtigen Adresse", erklärt Michael Rimkus, Teamleiter Reha der Lörracher Arbeitsagentur. An drei praktischen Beispielen wurde vorgestellt, wie die Zusammenarbeit des Netzwerks funktioniert.

Jessica Scherer macht eine Ausbildung als Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen bei der Agentur für Arbeit. Als Rollstuhlfahrerin ist sie zwar körperlich eingeschränkt, steht aber ihren Kollegen fachlich in nichts nach. Ihr entwaffnend ehrlicher Umgang mit ihrer Behinderung brachte ihr viel Respekt ein, auch im Umgang mit Kundschaft zeichnet sie sich durch ihr freundliches und offenes Wesen aus.

Roberto Leanza wurde von der Lebenshilfe Lörrach in einer Werkstatt für behinderte Menschen auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, bevor er ein Praktikum beim Café Pape in Lörrach begann. Der Inhaber Ralf Buser schätzt seine Fähigkeiten und setzt ihn entsprechend ein – wohl wissend, dass Roberto Leanza aufgrund seiner kognitiven Einschränkung besondere Unterstützung benötigt. Der Integrationsfachdienst half Roberto bei der Suche nach einer passenden Tätigkeit und die Arbeitsagentur zahlte für den längeren Einarbeitungsaufwand einen Lohnkostenzuschuss. "Roberto hat sich gut in unser Team integriert, fühlt sich wohl und wird von allen akzeptiert. Mit entsprechender Anleitung, Führung und vor allem Fürsorge haben wir mit ihm einen wertvollen Mitarbeiter, der nicht nur seinen Job macht, sondern auch positive Auswirkungen auf unser Miteinander hat, " so Buser.

Auch Jutta Zöbisch kennt als Betroffene die Probleme behinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Wegen einer fortschreitenden Sehbehinderung konnte die 54-jährige Sozialarbeiterin ihren Beruf, bei dem sie auf ein Auto angewiesen war, nicht mehr ausüben. Nach langandauernder Jobsuche fand sie einen neuen Arbeitgeber, der bereit war, Einschränkungen in Kauf zu nehmen und dafür eine motivierte, hoch qualifizierte und engagierte Arbeitnehmerin bekam. Zöbisch wurde selbst aktiv und suchte mit ihrem neuen Chef Hilfe und Unterstützung bei der Arbeitsagentur. In ihrem Fall bedeutete das die Übernahme der Kosten für eine Vergrößerungssoftware und die Taxikosten, um die notwendige Mobilität weiterhin zu gewährleisten.

"Spätestens am Ende dieser Veranstaltung wissen wir, das die Beschäftigung behinderter Menschen nicht immer Einschränkungen bedeutet, sondern das Betriebsklima positiv beeinflusst und das Miteinander stärkt", fasste Landrätin Marion Dammann zusammen.

Arbeitgeber können sich beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Lörrach unter der kostenfreien Servicehotline 0800 4 5555 20 melden.

Autor: bz