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27. Mai 2010
Kampagne zum Moscheebau
KOMMENTAR: Schädlich und verunsichernd
Seit vielen Jahren hat Ditib eine Moschee mit Gemeindezentrum in der Spitalstraße, sie ist ein selbstverständlicher Bestandteil des Lörracher Alltagslebens. Was jetzt geplant ist, ist angesichts des alternden Gemäuers so normal wie überfällig: die Gemeinde möchte einen Neubau errichten, der für Gebet, Jugendarbeit und vieles mehr einen angemessenen Rahmen bietet und auch für Besucher einladender ist. Schon bisher öffnete sich die Moschee regelmäßig für Besucher, künftig soll dies noch stärker geschehen. Niemand kann vernünftigerweise etwas dagegen haben.
Doch bevor überhaupt ein konkretes Wort gesprochen ist, gibt es Gegenwind. Eine Kampagne, die bislang mit "offenen Briefen" arbeitet, suggeriert, in Lörrach gelte es das Abendland zu verteidigen. Dem Ditib-Vorstand werden Ratschläge erteilt, wie das Bauvorhaben sozialverträglich zu realisieren sei, nämlich ohne Minarett und in zeitgemäßer Gestaltung. Wenn nun die Pläne auf den Tisch kommen und es ist weder von einem Turm noch von einer traditionellen Bauweise die Rede – hat dann das "Konsortium zur Rettung des Europäischen Culturkreises" vermeintlich "Schlimmeres" verhindert oder war schlicht nie etwas anderes geplant?
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Was hier geschieht und im Juni noch Fahrt aufnehmen soll, ist schädlich und macht unnötig Stimmung, auch wenn es anders gemeint sein sollte. Es verunsichert die Mehrheitsbevölkerung ebenso wie die islamische Gemeinde, die seit langem in Lörrach ihr Domizil hat und nichts anderes möchte, als ein marodes altes Gebäude durch ein neues zu ersetzen. Suggeriert wird, Stadtverwaltung, Kirchen und Bevölkerung seien befragt worden, aber entspricht das überhaupt den Tatsachen? Wer steht in Lörrach hinter der Kampagne? Hier ist vorderhand kein "europäischer Culturkreis" zu retten. Wohl aber das gute Einvernehmen, das bisher mit Ditib und seinen Mitgliedern besteht.
Autor: Sabine Ehrentreich
