Kreis gibt Ferienfreizeiten ab

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Di, 17. April 2018

Lörrach

Die beiden verbliebenen Freizeiten soll künftig der Soziale Arbeitskreis Lörrach organisieren.

LÖRRACH. Das Landkreis Lörrach organisiert künftig über sein Kreisjugendreferat keine eigenen Ferienzeiten mehr. Der Jugendhilfeausschuss hat die Verwaltung beauftragt, mit dem Sozialen Arbeitskreis (SAK) Lörrach eine Vereinbarung zu treffen, so dass dieser Träger jährlich zwei Freizeiten anbietet. Die Entscheidung war nicht unumstritten. Elf Ja-Stimmen standen fünf Gegenstimmen gegenüber; drei Ausschussmitglieder enthielten sich.

Bereits 2010 hatte die Verwaltung vorgeschlagen, 2011 die beiden Sommerfreizeiten auszusetzen, um 30 000 Euro im Haushalt zu sparen. Es gebe hinreichend Alternativen, hieß es damals. Am Ende einigte man sich auf eine Freizeit. Im Frühsommer 2017 kamen die Ferienfreizeiten des Jugendreferats erneut im Jugendhilfeausschuss zur Sprache. Die Kreisräte lehnten da Überlegungen der Kreisveraltung die Freizeiten für Familien und Mädchen, die 2018 nach Kroatien führen sollte, zu streichen, einhellig ab. Die Freizeiten seien wichtig und gut, weil sie Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Lebenswelten zusammenbringen, inklusiv und integrativ wirkten sowie weltanschaulich neutral seien. Die Mädchenfreizeit biete Eltern mit muslimischem Hintergrund zudem die Gewähr, dass Mädchen tatsächlich unter sich sind. Es wurde sogar dafür plädiert, das Programm aufzustocken als Angebot für einkommensschwache Familien.

Kreistag hielt sich nicht an Empfehlung des Ausschusses

In Herbst lehnten Ausschuss und Kreistag einen ersten Vorschlag der Verwaltung ab, wegen knapper Personalressourcen im Sachgebiet und alternativer Angebote die Ferienfreizeiten zu beenden; die Empfehlung, im Haushalt 36 000 Euro bereitzustellen und Gespräche mit Dritten zu führen, ob diese die Freizeiten unter Beachtung der bisherigen Kriterien organisieren können, fand im Ausschuss ebenfalls keine Mehrheit – Stimmengleichheit gilt als Ablehnung. Der Kreistag hielt sich aber nicht an diese Empfehlung, was sein gutes Recht sei, wie Landrätin Marion Dammann vergangene Woche im Jugendhilfeausschuss betonte.

Auf die Anfrage an die 26 Anbieter der Freizeitbörse bewarben sich der SAK, der Verein I-Kuh und das Familienerholungswerk der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Da der Verwaltung ein regionaler Bezug und die Vernetzung im Landkreis wichtig sind, konzentrierte sie sich auf die beiden Bewerber aus dem Landkreis. Dabei empfahl sie, den SAK als bekannten und leistungsfähigen Träger gegenüber dem kleinen Verein I-Kuh, der bisher nur eine Ferienfreizeit angeboten hatte, vorzuziehen und ihm den Zuschlag zu geben, jährlich eine Familienfreizeit sowie im Wechsel eine Jugend- und Mädchenfreizeit zu organisieren. Um das Know-how zu bewahren ist vorgesehen, dass der SAK für die Begleitung auch auf bisher fürs Jugendreferat tätige Ehrenamtliche zurückgreift. Sofern möglich – das muss noch geprüft werden –, sollen von 2019 an integrative Freizeiten in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Lörrach umgesetzt werden.

Vereinzelte Ausschussmitglieder stießen sich daran, dass der Kreistag anders als der Ausschuss entschieden hatte, was aber ein "demokratischer Vorgang" (Dammann) ist, und das Kreisjugendreferat die Freizeiten aus der Hand gibt. Andere hätten es lieber gesehen, wenn man sich im Sinne von Vielfalt und Risikostreuung dafür entschieden hätte, zwischen SAK und I-Kuh abzuwechseln.