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24. Mai 2011

Lebensqualität als tägliche Aufgabe

Zehn Jahre Leben + Wohnen GmbH in Tumringen / Ein mittelständisches Unternehmen / Gesellschafter: Spastikerverein und AWO.

  1. Das Wohnhaus in Tumringen Foto: Barbara Ruda

  2. Jubiläum zehn Jahre Leben + Wohnen: Geschäftsführerin Doris Meyer (links stehend) im angeschlossenen Werk- und Förderbereich Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Ganz am Anfang  suchten Eltern eine individuelle, sichere, anregende und  ein Zuhause bietende Möglichkeit der Unterbringung für ihre eigenen, noch jungen  behinderten Söhne und Töchter. Was in den vergangenen zehn Jahren aus dieser Idee entstanden ist, geht weit über das neu errichtete Wohnhaus hinaus, mit dessen Inbetriebnahme die Leben + Wohnen GmbH schließlich  im Mai 2001 ihre praktische Arbeit aufgenommen hat.

Das zehnjährige Bestehen der Wohneinrichtung in Tumringen bietet den  Anlass, an die Jahre des Aufbaus, der Entwicklung und schließlich der Erfüllung eines Traums zu erinnern und  den erfolgreichen Weg, den die Einrichtung seit der Eröffnung genommen hat, Revue passieren zu lassen. Leben + Wohnen mit den beiden Gesellschaftern Spastikerverein Kreis Lörrach und AWO-Bezirksverband Baden ist heute ein gelungenes Beispiel für das Zusammenwirken einer Selbsthilfegruppe mit dem professionellen Management eines Wohlfahrtsverbands. Leben + Wohnen ist auch ein mittelständisches Unternehmen mit unterschiedlichen Arbeitsfeldern, das Menschen mit Behinderungen  ein bereicherndes Lebensumfeld und viele Teilhabechancen  ermöglicht, etwa im angeschlossenen Werk- und Förderbereich "Hinz + Kunst". Hier finden auch Menschen mit schwersten Körper- und Mehrfachbehinderungen, die nicht in der Werkstatt der Lebenshilfe arbeiten können, eine sinnvolle und anregende Beschäftigung. 

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Der Name der Gesellschaft ist Programm, wie Geschäftsführerin Doris Meyer erläutert. "Mit zwei kurzen, aber treffenden Begriffen beschreibt er, was uns im Kern ausmacht."  Den Bewohnern der Einrichtung bietet Leben + Wohnen ein Zuhause, in dem sie leben und sich entfalten können – jeder so weit wie möglich nach den je eigenen Wünschen und Vorstellungen und mit individueller Assistenz.  

"Es gehört sich, dass jeder seinen Alltag selbst bestimmt."

Michael, Heimbeirat
Für die  meisten der 25 Bewohner ist die Wohneinrichtung   ein wirkliches, beständiges Zuhause geworden. Sie leben in drei Wohngruppen und erhalten Assistenz bei alltäglichen Verrichtungen.  "Es gehört sich, dass jeder seinen Alltag selbst bestimmt und mit den passenden Aufgaben und Pflichten und seinen Rechten gestaltet", findet Michael aus dem Heimbeirat. "Man kann jederzeit Besuch erhalten, sein Zimmer einrichten, wie es einem gefällt. Auch bei der Gestaltung der Gruppenräume und des Außenbereichs sind wir gefragt. Wir wollen uns in unserem Zuhause wohlfühlen." Mit einem Dank  an alle, die helfen und begleiten, verbindet Michael eine selbstbewusste Ankündigung: "Glauben Sie uns, wir haben noch einiges mit unserem Leben vor." Ein ehemaliger Bewohner konnte sogar in eine eigene Wohnung umziehen und lebt dort mit ambulanter Wohnbegleitung eigenständig.

 Inklusion ist das Zauberwort, um das sich bei Leben + Wohnen  schon alles drehte, lange bevor eine entsprechende UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung im März 2009 in Kraft trat. Bis heute mischen sich die Lebenswelten von Menschen mit und ohne Behinderung nur langsam und nicht selbstverständlich, wie Doris Meyer weiß. Als Träger der Behindertenhilfe sei man gefordert, Inklusion zu organisieren und inklusive Strukturen zu schaffen. Dazu vernetzt man sich bestmöglich, ist in allen Gremien zur Eingliederungshilfe vertreten. So wurde kürzlich ein mit dem Landkreis erarbeiteter Teilhabeplan verabschiedet. Im Laufe der Zeit kamen bei der Leben + Wohnen GmbH zahlreiche  ambulante Angebote und offene Hilfen dazu: der ambulante Dienst, der Fahrdienst, die offenen Hilfen, Freizeitgruppen, Ferienprogramm, individuelle Schwerbehindertenassistenz oder das Kulturtaxi, das gerade im Werden ist.

Leben + Wohnen hat gegenwärtig 120 Mitarbeiter, knapp die Hälfte davon fest angestellt. Wichtige Partner sind nach wie vor die Angehörigen. Des weiteren sind freiwillige Helfer  jeglichen Alters und jeglicher Interessenlage  aus allen Arbeitsbereichen nicht mehr wegzudenken und werden immer wichtiger. Der Weg, so blickt Geschäftsführerin Doris Meyer in die Zukunft, gehe nämlich immer mehr in Richtung individueller Betreuung.

Autor: Barbara Ruda