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19. Mai 2010

Lörrach hat einen eigenen Rabbiner

Rabbiner Arie Folger jetzt für zunächst drei Monate in Lörrach / Gemeinde will ihn länger.

  1. Rabbiner Arie Folger (links) und Oberratsvorsitzender Wolfgang Fuhl vor dem Tora-Schrein der Lörracher Synagoge Foto: Nikolaus Trenz

LÖRRACH. Die Israelitische Kultusgemeinde Lörrach hat einen Rabbiner. Arie Folger, der bis August 2008 Rabbiner der Israelitische Gemeinde Basel gewesen ist, übernimmt diese Aufgabe nun in Lörrach – zunächst einmal für drei Monate. Gestern Abend zu Beginn der Schawuot-Feuertage war Arie Folger zum ersten Mal in dieser Funktion in der Lörracher Synagoge. Heute und morgen feiert er mit der Gemeinde, jeweils 10 Uhr, Gottesdienste.

Schon lange wünscht sich die jüdische Gemeinde in Lörrach einen Rabbiner. Seit in Kraft treten des Staatsvertrages der IRG Baden und Württemberg mit dem Land sind die Gemeinden angehalten, "mindestes eine religiöse 50-Prozent-Stelle einzurichten", sagt der Badische Oberratsvorsitzende Wolfgang Fuhl aus Lörrach, das ist ein Rabbiner oder ein Kantor. In Lörrach ist die Gemeinde mit mehr als 400 Mitgliedern recht groß, mit dem eigenen Gemeindezentrum und der im November 2008 eingeweihten Synagoge hat sie beste Rahmenbedingungen und in Benito Gutmacher einen Kantor. Da soll nun Rabbiner Folger das religiöse Leben fördern und beratend tätig sein.

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Rabbiner auch für drei Monate hilfreich

Das war er für diese Gemeinde bereits in der Planungs- und Bauphase für die Synagoge. Da war Arie Folger der Berater für die religiösen Fragen. Der gebürtige Belgier, der in New York seine Ausbildung zum Rabbiner absolvierte, kam 2003 nach Basel. Ob er in der Region bleibt – aus privaten Gründen, die mit der Schullaufbahn der Kinder zu tun haben –, ist noch offen. Darum zunächst der beratende Status als Rabbiner in Lörrach.

Er wird im Rahmen dieser Tätigkeit das Gemeindeleben und die Organisation in der Synagoge unter die Lupe nehmen und seine Empfehlungen schriftlich vorlegen, damit die Gemeinde damit weiterarbeiten kann, wenn Arie Folger nicht ihr Rabbiner auf Dauer werden wird. Predigen in den Schabbat-Gottesdiensten, Vorträge und Gespräche mit den Gemeindemitgliedern gehören zu seinen Aufgaben. "Der Rabbiner arbeitet für Gott und dient der Gemeinde", formuliert Arie Folger die Tätigkeit eines Rabbiners. Dessen Präsenz in der jüdischen Gemeinde hält Wolfgang Fuhl eigentlich für deren religiöses Leben für unverzichtbar. In der IKG Lörrach kommt, wie in vielen jüdischen Gemeinden in Deutschland, als Besonderheit hinzu, dass die meisten Mitglieder aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugewandert sind, dort aber ihre Religion nicht leben konnten und somit auch wenig Kenntnis und Erfahrung mitbringen. Da ist ein Rabbiner wichtig. Darum sieht Folger auch eine auf ein Vierteljahr befristete Präsenz in der Gemeinde als hilfreich an. "Die Leute können den Rabbiner treffen, mit ihm reden. Das ist für viele wichtig," sagt Folger, der die Lörracher Gemeinde wie die Basler, in der er arbeitete, als "Einheitsgemeinde mit traditioneller Prägung" charakterisiert.

Schawuot wird 50 Tage nach Pessach gefeiert (ähnlich bei Christen Pfingsten 50 Tage nach Ostern). Dabei wird daran erinnert, dass Mose am Sinai von Gott die Tora empfing. In der Festvorbereitung haben Arie Folger und seine Frau bereits mitgewirkt. Wolfgang Fuhl macht kein Hehl daraus, dass die Lörracher Gemeinde den Rabbiner aus Basel über die drei Monate hinaus behalten möchte.

Autor: Nikolaus Trenz