Drochehüüler

MARKTGEFLÜSTER: Humoristisches Meisterstück

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Di, 13. Februar 2018

Marktgeflüster

Ein Erster Landesbeamter, den es vor nicht langer Zeit aus dem preußischen Kernland ins Alemannische verschlagen hat – das klingt erst mal nicht nach einer Fasnachtskanone. Je nun, wie man sich täuschen kann. Ulrich Hoehler wurde von der Lörracher Narrenzunft heuer mit dem Drochehüüler-Orden geehrt, den man sich verdient, indem man das schießt, was die Narren zu einem Bock erklären. Der auf der Urkunde so titulierte respektable Primo Magistratu Administrationis Comitatus Lörraculum also wurde für die "Realsatire" rund um den Binzener Dreispitz in Haftung genommen – und beglückte das Publikum bei der Rotssuppe mit einer Verteidigung, die bewies, dass der Mann es faustdick hinter den Ohren hat. Alle im Landratsamt, führte Hoehler staubtrocken aus, strebten nach der gebührenden Aufmerksamkeit – sei es, indem sie Hütten abreißen, die schon lange da stehen, indem sie die Kreisumlage erhöhen oder Regiobusse fahren lassen, die nirgendwo halten. Besonders leicht täten sich die Naturschützer: Je größer das Projekt, desto kleiner das Tier, das es verhindern könnte, sei da die Devise – und Aufmerksamkeit garantiert. Behördenwillkür sei halt der Schlüssel zum Erfolg. Er, Hoehler, habe sich also nach einem großen, emotional aufgeladenen Projekt umgetan und sei auf den Binzener Kreisel gestoßen. Mit durchschlagendem Erfolg: Der bis dahin weithin unbekannte Erste Landesbeamte betrat durch den gezielten Angriff auf das Kunstwerk im Straßenraum und die hartnäckige, die Gemarkungsgrenze weit hinter sich lassende Gegenwehr der Binzener das Rampenlicht – und ist jetzt Vielen ein Begriff. Nachdem dieser Plan aufgegangen sei, werde er sich nun "um Enten und Stühle sorgen", versprach Hoehler in bester Narrenmanier. Wie viele humoristische Talente sich wohl noch in den Amtsstuben verbergen? Wüsste man das, die Fasnacht würde sicher profitieren.