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12. Juni 2010
BZ-Interview
Messe "Gesunde Zeiten": „Die Vielfalt wird als belebend empfunden“
BZ-INTERVIEW mit den Veranstalterinnen Susanne Daniel und Sabine Beck über die Messe "Gesunde Zeiten" und über den regionalen Gesundheitsmarkt.
LÖRRACH. "Gesunde Zeiten" ist der Titel der Lörracher Gesundheitsmesse, die am kommenden Wochenende im Burghof stattfinden wird. Kliniken, Ärzte, Apotheken, therapeutische Praxen oder Anbieter von Waren und Dienstleistungen rund um die Themen Gesundheit und Fitness informieren an zwei Tagen über ihre Arbeit – ergänzt von einem umfangreichen Vortragsprogramm. BZ-Redakteur Willi Adam sprach mit den Veranstalterinnen Susanne Daniel und Sabine Beck über Gesundheit und den regionalen Gesundheitsmarkt.
BZ: Wer früher um seine Gesundheit besorgt war, ging zum Arzt. Heute sucht man eine Messe auf. Wie kommt's?Beck: Die Patienten sollen natürlich weiterhin zu den Ärzten gehen. Wir wollen zusätzlich eine Plattform schaffen, damit sich die Patienten unabhängig informieren können. Außerdem befasst sich ein Großteil unseres Angebots auch mit Vorsorge.
Daniel: Das besondere an einer Veranstaltung wie " Gesunde Zeiten" ist die Vielfalt von Angeboten und Ausstellern. Die Besucher können beispielsweise an einen Stand gehen, an dem sie kompetente Ärzte vorfinden und kostenlos Informationen erhalten. Genauso können sie sich an Therapeuten, Apotheker oder Fitnessstudios wenden. Die Mischung ist entscheidend.
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BZ: Dann befassen sich "Gesunde Zeiten" eher mit einer allgemeinen Lebenseinstellung und weniger mit akuten Problemen?
Daniel: Es ist beides. Wir erleben immer wieder, dass Besucher mit bestimmten Problemen gezielt die für sie wichtigen Punkte des Vortragsprogramms heraussuchen oder ganz bestimmte Aussteller kontaktieren. Andere kommen aus einem allgemeinen Interesse an Gesundheitsthemen.
Beck: Wir bieten Informationen und Kontakte für drei Fragestellungen: Was kann ich tun, um gesund zu bleiben? Was kann ich tun, um gesund zu werden? Was kann ich tun, um nicht wieder krank zu werden?
BZ: Gesundheit ist ein riesiger, allerdings auch unübersichtlicher Markt geworden. Wie können Sie dem gesundheitsbewussten Besucher Orientierung bieten?
Beck: Unsere Messe basiert auf den drei bewährten Säulen: dem Vortragsprogramm, den Ausstellern und den Mitmachaktionen. Die unabhängige Kompetenz von "Gesunde Zeiten" wollen wir auch dadurch dokumentieren, dass wir die Veranstaltung unter die Schirmherrschaft von Stadt und Landkreis gestellt haben. Außerdem legen wir Wert darauf, dass bekannte und kompetente Institutionen bei uns auftreten – nehmen Sie die Kreiskliniken oder bekannte Kliniken aus der Schweiz. Das gibt der Veranstaltung einen besondern Wert.
BZ: Sie sagen, Sie seien eine unabhängige Plattform. Gleichzeitig treten Gesundheitsunternehmen auf, die natürlich eigene Interessen verfolgen. Wie darf man das verstehen?
Daniel: Unabhängig ist zunächst einmal so zu verstehen, dass wir als Veranstalterinnen nicht selbst Akteure innerhalb der Gesundheitsbranche sind. Etwas anderes wäre es, wenn zum Beispiel eine Krankenkasse oder eine Klinik so eine Messe organisieren würde. Das schätzen unsere Besucher, das schätzen aber auch die Aussteller.
Beck: Dank unserer Unabhängigkeit können wir die Zusammenstellung der Aussteller und des Programms selbst bestimmen. Natürlich arbeiten wir mit den Partnern und Sponsoren eng zusammen. Aber den Charakter der Messe bestimmen wir als Veranstalter.
BZ: In Lörrach zählt man ja schon ab 50 zu den Senioren. Beginnt mit diesem Alter auch Ihre Zielgruppe?
Beck: Naturgemäß interessieren sich viele ältere Menschen für das Thema Gesundheit. Natürlich haben wir Aussteller und Themen, die (ein älteres Publikum ansprechen. Aber wir versuchen ganz bewusst, etwa mit unserer Kinderbetreuung Familien zu interessieren, auch junge Leute oder Menschen mittleren Alters. Wir stellen bewusst kein einzelnes Thema in den Mittelpunkt. "Impfen bei Kindern" oder "Cyber-Mobbing" sind beispielsweise ausgesprochen junge Themen.
BZ: Sie bieten auch Themen an, die kontrovers diskutiert werden - zum Beispiel Homöopathie. Setzen Sie sich als Veranstalter mit solchen umstrittenen Methoden nicht zwischen alle Stühle?
Daniel: Nein. Es gibt nun einmal diese Unterscheidung von klassischer Schulmedizin und anderen Verfahren. Das schließt sich nicht aus, es ergänzt sich. Außerdem sehen wir, dass wir damit auf ein starkes Interesse stoßen. Das galt auch für die chinesische Medizin, die wir in der Vergangenheit häufig im Programm hatten.
Beck: Bei uns bekommen die Besucher die Informationen aus allen Perspektiven. Und letztlich entscheidet der Besucher selbst, was für ihn interessant oder besser ist.
BZ: Wenn über Gesundheit diskutiert wird, geht stets auch die Diskussion über Kosten und Kostenträger einher. Doch gerade die Kassen sind bei der Messe eher unterrepräsentiert.
Daniel: Das ändert sich von Jahr zu Jahr. Krankenkassen sind bei uns willkommene Aussteller. Warum sich in diesem Jahr keine gesetzliche Kasse für einen Auftritt entscheiden hat, wissen wir nicht. Jedoch decken wir den Privat- und Zusatzversicherungssektor ab.
BZ: Sie haben einige Anbieter aus der Schweiz. Ist das ein Ausdruck dafür, dass der grenzüberschreitende Gesundheitsmarkt in der Praxis besser funktioniert, als in der Politik?
Beck: Klar ist, dass die Schweizer Anbieter im süddeutschen Raum Fuß fassen wollen. "Gesunde Zeiten" ist für diese Aussteller eine optimale Plattform, ein breites und für sie perfekt zugeschnittenes Zielpublikum anzusprechen.
BZ: Wer kann sich diese Angebote leisten?
Daniel: Die Möglichkeiten, sich in der Schweiz behandeln zu lassen, hängt zwar von den Bedingungen der jeweiligen Kasse ab, aber nicht davon, ob man privat oder gesetzlich versichert ist. Viele gesetzliche Krankenkassen haben im Rahmen des Modellprojekts "grenzüberschreitenden Gesundheitsregion" Verträge mit Schweizer Kliniken abgeschlossen. Wir profitieren sicher von diesem Pilotprojekt. Als Veranstalter im Dreiländereck ist es für uns selbstverständlich in dieser Frage nicht an den Grenzen Halt zu machen. Das wird auch von den Lörracher Kliniken selbstverständlich akzeptiert. Die Konkurrenz ist da, aber die Vielfalt wird als belebend empfunden.
BZ: Wie läuft für Sie das Messegeschäft? Sind "Gesunde Zeiten" ausgebucht? Könnten Sie wachsen, wenn der Burghof größer wäre?
Beck: Die Messe ist ausgebucht und es gibt Aussteller auf der Warteliste. Theoretisch könnten wir im Burghof noch mehr Fläche einbeziehen oder Zelte aufzustellen. Aber wir sind der Meinung, mit der jetzt erreichten Größe das für Lörrach genau richtige Maß gefunden zu haben.
BZ: Wie viele Besucher erreichen Sie?
Beck: In den vergangenen Jahren hatten wir einen stetigen Zuwachs auf zuletzt etwa 4000 Besucher. Auf diese Zahl hoffen wir auch in diesem Jahr wieder. Wir hoffen auch, noch mehr Besucher aus der Schweiz zu erreichen.
Daniel: Vor allem die Resonanz auf die Vorträge steigt kontinuierlich. Aus dem Kreis der Partner und Sponsoren können wir jedes Jahr hochkarätige Referenten rekrutieren. Das hat sich offenbar herumgesprochen.
Autor: dam


