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02. März 2016

Mit dem Handwerk als Rückgrat

Vom Anstreicher zum Künstler: Bruno Haas will auf der Job- und Bildungsmesse Cult Jugendliche ermutigen, sich auszutesten.

  1. Vom Anstreicher zum international angesehenen Künstler: Bruno Haas (links) beim Aufhängen eines eigenen Werkes im Burghof-Restaurant. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Bei der trinationalen Job- und Bildungsmesse Cult, die am 4. und 5. März auf dem Gelände der Regio-Messe im Grütt stattfindet, gestaltet der bekannte Künstler Bruno Haas wieder gemeinsam mit einem Auszubildenden eines Malerbetriebs live eine Aktionsfläche. Dass er das seit Beginn dieser Veranstaltung tut, kommt nicht von Ungefähr, denn er hat selbst von 1953 bis 1956 eine Malerlehre bei der Firma Brüderlin in Schopfheim absolviert.

Nicht "Vom Tellerwäscher zum Millionär", aber "Vom Anstreicher zum international angesehenen Künstler" könnte man Bruno Haas’ Lebensgeschichte überschreiben. Nachdem er Ende der 70er-Jahre an der Sommerakademie Salzburg bei der Künstlerin und Keramikerin Kiki Kogelnik studiert hatte, schuf er die mehrteilige Skulptur "Alles hat seinen Rahmen", die viel über seinen Blick auf das Leben verrät. In einem Metallgestänge hängt eine Figur an Schnüren – ein Symbol dafür, dass der Mensch sich eigentlich nur noch ein bisschen nach links oder rechts, oben oder unten bewegen kann. Die kleinen Keramikobjekte vor ihm verweisen auf den Schrott, den er dabei mitschleppt.

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Bruno Haas hat den Rahmen für sein Leben freilich relativ groß und großzügig gestaltet, und genau das will er auch an die jungen Menschen weitergeben – zum Beispiel auf der Cult. "Im Grunde genommen möchte ich zeigen, dass Jugendliche aus dem Handwerk mehr machen können als bloß Wände anstreichen", erzählt er, "und zwar egal, in welchem Gewerk einer aktuell lernt oder arbeitet. Es ist immer eine gute Grundlage zum Weiterkommen. Mit dem Handwerk als Rückgrat war das bei mir immer eine gute Geschichte."

Bruno Haas brachte es schon während der Lehrzeit zu einiger Meisterschaft in der Pinselschrift, weil er alle zwei Wochen für den Sportverein Maulburg Plakate schrieb. So gut malte er die Buchstaben, dass der Prüfer ihm die Urheberschaft nicht glaubte und einen Livebeweis einforderte. Wichtig sei, so Haas, dass man das, was man macht, gerne macht. Dann gebe es immer eine Entwicklung. Dazu gehört freilich die Offenheit, sich auf manches einzulassen, von dem man noch nicht wisse, was dabei herauskommt, so der Künstler.

In seinem Leben ist er solche kleinen und größeren Wagnisse immer eingegangen. Gleich nach der Gesellenprüfung beispielsweise, als er das kleine Inserat "Malergeselle in Davos gesucht" in der Zeitung fand. "Ich wollte immer hinaus", blickt er zurück, "obwohl es damals in der Region überall an Handwerkern mangelte." Es sei die pure Abenteuerlust gewesen, die ihn getrieben habe, und so wanderte er zunächst in den Schweizer Skiort aus, wo er von 1956 bis 1959 mit vielen deutschen Kollegen arbeitete, Sport trieb und Musik machte.

Dann zog er weiter nach Dänemark, genauer gesagt Kopenhagen, wo er zahlreiche Kontakte knüpfte und im Saga Club mit der Leichtathletik begann. Freundschaften entstanden, die zum Beispiel eine Jahrzehnte dauernde Verbindung zwischen dem Kopenhagener Verein und dem TuS Maulburg mit sich zogen. Nach einem Jahr ging es für Haas und einen Kollegen aus dem Kinzigtal weiter nach Stockholm, wo die beiden Branchentelefonbücher durchschauten nach Malerfirmen. "Schon die dritte Firma hat gepasst", erzählt der mittlerweile in Lörrach lebende Künstler. In Schweden betrieb er die Leichtathletik intensiver und nahm auch an Wettkämpfen teil.

In Schweden das Geld für die Meisterprüfung verdient

Mit dem in Schweden verdienten Geld finanzierte Bruno Haas seine Meisterprüfung in Lahr und machte sich 1963 mit einem eigenen Betrieb in Maulburg selbständig. Neben Großaufträgen als Malermeister mit zehn Beschäftigten für Industrie- und Handwerksbetriebe widmete er sich zu dieser Zeit immer mehr auch der Kunst, stellte erfolgreich aus. Nachdem er seine Firma aufgegeben hatte, startete er als bildender Künstler mit seiner "poetischen Malerei" voll durch. Kaum aufzuzählen, wo er überall Wände, ja so gar die von ganzen Firmen gestaltete und wo er ausstellte – Berlin, London, Paris, Washington, New York, Woronesch, um nur ein paar zu nennen.

Bruno Haas’ Geschichte zeigt, dass es sich immer lohnt, Dinge anzugehen, die man in der Schule nicht lernt. Dass man seine eigenen Qualitäten austesten und ausreizen kann und nichts passiert, wenn mal was in die Hose geht. "Die Möglichkeiten haben sich sicherlich mit der Zeit verändert", findet Bruno Haas. "Aber den geraden Weg verlassen und etwas Unübliches tun kann man heute noch. Man braucht halt manchmal Stehvermögen."

Autor: Barbara Ruda