Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
28. November 2009
Mit dem "roten Hahn" schließt eine Kulturkneipe
Zum Jahresende endet hier auch eine lange Gasthaustradition
LÖRRACH. Wieder wird Lörrach um eine Gaststätte ärmer. Der "rote Hahn" oder das "Coq rouge" wird zum Jahresende schließen. Und wie es heißt wird nicht nur Herbert Kimmelmann als Betreiber die Gaststätte verlassen, es soll hier überhaupt keine Gaststätte mehr geben.
Der "Hahn" füllte so etwas wie ein Lücke in der Gastronomie der Stadt. Sowohl, heimische Küche als auch leicht mediterran angehauchte Mahlzeiten gab es, aber vor allem wurde hier thailändische und indonesische Küche aufgetischt, lange bevor erstere zur angesagtesten Küche Asiens mutierte. "Er wird echt fehlen", meint eine Passantin. An den Wänden hängen die Klaus Ebners Fotografien von Zucchero, Bobbie McFerrin, von Patti Smith, auch von Dieter Thomas Kuhn. Irgendwie, so scheint es, scheint die Zeit des ausufernden "Stimmen"-Festivals die große Zeit des Roten Hahns gewesen zu sein. Es ist merklich ruhiger geworden im Coq rouge. Was viele aber auch schätzen.
Der Rote Hahn war eine der wenigen Kulturkneipen in Lörrach. Nicht nur der Gitarrist Harry de Ville veranstaltete hier seine Konzerte, auch andere Bands aus der Regio freuten sich über den Raum mit der kleinen Bühne. Anfänglich gab es ein richtiges Programm im Roten Hahn, was sich aber im Laufe der Zeit gelichtet hatte. Sieben Jahre gab es über der Kneipe sogar eine Galerie, sie sei sein Hobby gewesen sagt Herbert Kimmelmann; manche Dinge seien gut gewesen, andere liefen eher unter Gefälligkeitsausstellungen.
Werbung
Das Rauchverbot sei nicht spurlos an ihnen vorbei gegangen, sagt der Wirt. Manche Stammgäste, die sich regelmäßig hier getroffen hätten, seien einfach weggeblieben. Seit hundert Jahren ist der Rote Hahn eine Gaststätte, als Anker ist er den alten Lörrachern noch ein Begriff. Jetzt wird auch diese Traditionsgaststätte verschwinden. Die Dinge haben ihre Zeit, sagt Kimmelmann. Seine Stimme klingt dabei schon etwas abgeklärt, wenn auch nicht ohne Wehmut.
Autor: Martina David-Wenk
