Mit Säbel und Feuer auf der Stirn

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Mi, 28. Dezember 2016

Lörrach

Maria Bizzarro vom Lörracher Weihnachtscircus beherrscht eine selten gewordene artistische Kunstform: Sie balanciert Schwerter.

LÖRRACH. "Manege frei" heißt es derzeit wieder Tag für Tag auf dem Zirkusplatz im Grütt. Wie alle Jahre wieder hat dort der Lörracher Weihnachtscircus seine Zelte aufgeschlagen und hält ein kurzweiliges Programm für seine Gäste bereit. In einer kleinen Serie stellt die Badische Zeitung Artisten vor: heute, weil sie auch bei der Vorstellung als Erste auftritt, Maria Bizzarro.

Maria Bizzarro beherrscht die Kunst des Schwerterbalancierens. Über eine stehende Leiter balanciert sie Dolche, Säbel, Feuerkelche und am Ende auch noch zwei Säbel "Spitze auf Spitze". Diese artistische Sparte gibt es heute nicht mehr oft zu sehen. "Mein Glück", wie Maria Bizzarro findet. Ihre Mutter entstammt einer ungarischen Zirkusfamilie, ihr Vater einer italienischen. Soweit man es noch zurück verfolgen könne – bis zu den Urgroßeltern und darüber hinaus – seien alle in der Familie Artisten gewesen und hätten zeitweise sogar einen eigenen Zirkus gehabt. Damals seien noch viele Großzirkusse unterwegs gewesen – von Stadt zu Stadt.

An jedem Gastort ist Maria Bizzarro zur Schule gegangen. "Das war für die Einheimischen etwas ganz Tolles", erzählt sie. Dann habe es nämlich einen Tag lang keinen Unterricht gegeben, sondern das Kind aus dem Zirkus durfte erzählen. Manche Mädchen und Jungen seien nach der Schule in den Zirkus gekommen und hätten gefragt, ob sie nicht irgendwo helfen dürften. Einmal dazuzugehören zu dieser ganz eigenen, von einem Zauber umfangenen Welt – da mistete man gerne Ställe aus. Zwei Brieffreundinnen sind der Artistin aus dieser Zeit geblieben.

Als Kind probierte Maria Bizzarro mehrere Sachen aus, aber egal, was sie in die Hand nahm – Stock, Besen oder andere Gegenstände aus dem Alltag – sie balancierte mit ihnen herum. Die Mutter sah, dass sie dafür eine Begabung hatte. Und als die Familie sich einmal eine Darbietung von Rugana angeschaut hatte – damals die Königin der Schwertartistik – riet sie der Tochter: "Das wäre doch was für dich." Im Alter von etwa zehn Jahren begann Maria Bizzarro dann mit dem Training. Bei der Entscheidung habe eine Rolle gespielt, dass es damals zwar viele Jonglagenummern gegeben habe, Balanceakte mit Säbeln und Gläsern jedoch nicht so viele. Außerdem sei ihr wichtig gewesen, dass sie mit dieser Kunst alleine in der Manege stehen konnte. Gerne wollte sie auch mit Feuer arbeiten, was in Kombination mit den Stichwaffen gut passte.

Immer mehr Tricks habe sie eingeübt und sie für die Show in ein modernes Gewand gekleidet. Artistin zu sein sei ein harter Beruf, gerade auch in der Gegenwart, in der es für Zirkusse viel schwieriger geworden sei, die Menschen in die Manege zu locken. "Die Leute gehen nicht mehr so gerne raus", sagt Maria Bizzarro. "Aber wenn sie dann im Zirkus sind, wo alles live ist, genießen sie es." Für die Premiere des Weihnachtscircusses habe es viel Zuspruch gegeben, erzählt sie. "Das gibt uns was zurück." Dann fügt sie hinzu: "Man macht das ja gerne." Auch ihr Sohn wächst schon in die Zirkuswelt hinein und trainiert ein wenig. Mehr wolle er noch nicht, und das sei für sie völlig in Ordnung.

Vorstellungen des Lörracher Weihnachtscircus: bis 8. Januar wochentags um 16 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag um 15 und 19 Uhr, Silvester-Gala am 31. Dezember nur 19 Uhr. Neujahr Ruhetag, Sonntag, 8. Januar, nur 15 Uhr. Vorverkauf beim BZ-Karten-Service (bzticket.de/karten oder per Telefon unter 0761/4968888) und bei allen BZ-Geschäftsstellen. Circus-Kasse täglich von11 bis 12 Uhr und eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn geöffnet.