Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

27. Mai 2010 09:09 Uhr

"Pro Abendland"

Moschee-Neubau in Lörrach: Kampagne will Bürgerentscheid

In Lörrach gibt es Pläne für den Bau einer Moschee. Noch sind sie vage, und von einem Minarett ist keine Rede. Trotzdem gibt es bereits Gegenwind. Eine Initiative will – beflügelt vom Schweizer Minarettverbot? – einen Bürgerentscheid lancieren.

  1. Gebet Richtung Mekka – für gläubige Moslems, hier in der Lörracher Ditib-Moschee, gehört das Ritual zum Alltag Foto: Jürgen Endres

  2. Die Moschee des Dachverbandes Ditib in der Lörracher Spitalstraße soll durch einen Neubau ersetzt werden. Eine Kampagne will darauf Einfluss nehmen. Foto: Sabine Ehrentreich

LÖRRACH. Den Bau der neuen Moschee plant Lörrachs größte muslimische Gemeinde, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib). Derzeit läuft die Suche nach einem Bauplatz. Noch bevor Pläne bekannt oder baurechtlichen Schritte getan sind, will ein "Konsortium zur Rettung des Europäischen Culturkreises" einen Bürgerentscheid initiieren – in der sicheren Erwartung, dass zumindest ein Minarett nicht die Zustimmung der Lörracher findet.

Lange schon hat Ditib, mit rund 250 aktiven Mitgliedern plus deren Familien der mit Abstand größte Moscheeverein in Lörrach, seine Moschee mit Gemeindezentrum in einem Altbau in der Spitalstraße. Ein Neubau ist nötig, weil sanitäre Anlagen und Jugendräume nicht mehr zeitgemäß sind und die vielen Treppen für die älter werdenden Mitglieder mühsam werden, sagt Galip Caliskan, Mitglied der Gemeinde und Berater des Vorstands. Außerdem eigne sich ein repräsentativerer Bau besser für eine stärkere Öffnung nach außen. Die Gemeinde bekommt den Gegenwind gegen das Bauprojekt zu spüren. Man erhalte Briefe des "Konsortiums", so Caliskan. Auch in der Bevölkerung gebe es unterschiedliche Meinungen zum Projekt – nicht nur positive, bedauert er.

Werbung


Der Sprecher des "Konsortiums" sitzt in Schopfheim

Sprecher des "Konsortiums zur Rettung des Europäischen Culturkreises" ist der in Schopfheim lebende Hans-Friedrich Tschamler. Weil die Frage nicht nur Lörrach betreffe, engagiere er sich in der Kreisstadt, sagt er – freilich habe er in Lörrach viele Mitstreiter. Namen will er nicht nennen, schließlich sei die Angelegenheit "nicht unheikel". Sein Anliegen: Die Lörracher sollen die Möglichkeit haben, sich zu dem Bauvorhaben zu äußern. Dafür möchte er ein Bürgerbegehren auf den Weg bringen. Im Juni, kündigt er im bereits siebten offenen Brief an, werde im ganzen Stadtgebiet eine "Informations- und Unterschriftenkampagne" durchgeführt. Die Briefe ziert das Copyright "pro Abendland". Ziemlich kryptisch heißt es da etwa, nur die "Nein"-Stimmen würden von Bedeutung sein. "Die Zahl der Ja-Stimmen wäre andererseits lediglich eventuell interessant".

An Ditib ging Ende April ein "offener Brief", in dem nahegelegt wird, eine Moschee in zeitgemäßer Architektur wäre "sogar im Zentrum der Stadt Lörrach eventuell realisierbar", eine Moschee im klassischen Stil allenfalls im Gewerbegebiet und ein Minarett auf keinen Fall. Dies hätten"Meinungs- und Sachstandsumfragen bei der Stadtverwaltung, bei den Kirchen und besonders unter der Lörracher Bürgerschaft" ergeben.

Bauanträge liegen noch gar nicht vor

Mehrfach hat Tschamler sich tatsächlich an die Stadt gewandt, bereits viermal habe er auch geantwortet und Sachaufklärung zum Bürgerentscheid erteilt, sagt Karlheinz Huber vom Fachbereich Zentrale Dienste. Im übrigen gehe es "um ungelegte Eier". Auch beim Fachbereich Stadtplanung, Umwelt und Baurecht sind schon mehrfach Schreiben von Tschamler eingegangen. Doch hier liegen noch keinerlei Anträge zum Bau vor. Das und nicht mehr wurde dem Absender auch mitgeteilt, sagt Walther Schwenzer als Leiter des Fachbereichs.

Gudrun Schubert, in Lörrach lebende Islamwissenschaftlerin an der Universität Basel und über die Schubert-Durand-Stiftung vor allem für muslimische Frauen und Mädchen engagiert, bedauert, dass das Vorhaben der Ditib auf eine solche Reaktion trifft. Das Zusammenleben mit den Bürgerinnen und Bürgern islamischen Glaubens werde in Lörrach immer besser. Dies sollte nicht gefährdet werden.

Mehr zum Thema:

Autor: Sabine Ehrentreich