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11. Mai 2011

Nach der Gießerei kam die Schule

Zum Jubiläum 21 Jahre Waldorfschule Lörrach erinnert sich Gründungslehrer Jürgen Jaks an die Anfänge in Stetten.

  1. Jürgen Jaks ist Gründungslehrer der Freien Waldorfschule Lörrach Foto: Maja Tolsdorf

LÖRRACH. "Jetzt ist man endgültig erwachsen", haben sich laut Gründungslehrer Jürgen Jaks die Verantwortlichen der Freien Waldorfschule Lörrach gedacht. Deshalb hat der Trägerverein zusammen mit Helfern aus der Elternschaft eine Feier zum 21-jährigen Bestehen organisiert. Heute, Mittwoch, 19.30 Uhr, findet im Rahmen des Jubiläums ein Festakt in der Waldorfschule statt.

Ein ganzes Areal an der Inzlinger Straße nimmt die Freie Waldorfschule mit ihren fünf Gebäuden ein. Einst war dort die Gießerei Trickes beheimatet, bis diese den Standort aufgab und die Stadt das Gelände für die Waldorfschule zur Verfügung stellte. In fünf Bauabschnitten wurde die Schule seit 1995 aufgebaut, der fünfte konnte 2009 mit einem Anbau an den Südflügel abgeschlossen werden. Kleine Schritte musste Jürgen Jaks 1990 zur Geburtsstunde der Schule machen. "In den ersten drei Jahren gab es keinerlei Unterstützung vom Staat", berichtet der Gründungslehrer. Mit nur einer ersten Klasse hat Jaks den Unterricht anfangs im Untergeschoss der Fridolinschule aufgenommen. "Dort konnte man uns drei Räume zur Verfügung stellen, doch es war klar, dass wird spätestens nach zwei Jahren mehr Platz brauchen würden", sagt Jaks. In der Hauptstraße habe man deshalb in einer ehemaligen Druckerei Untergeschoss und Keller gemietet. Mit Cilli und Christian Sturm kamen bald zwei weitere Lehrer hinzu.

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Bevor Jaks zusammen mit engagierten Eltern eine Waldorfschule in Lörrach ins Leben rief, war er als Lehrer an der Schopfheimer Waldorfschule beschäftigt. 1988 waren dort 95 Schüler für die erste Klasse angemeldet, doch die Schopfheimer Schule wollte keine zweizügige erste Klasse. Deshalb bildeten Eltern eine Gründungsinitiative mit dem Ziel, für den Raum Waldshut-Lörrach eine zweite Waldorfschule zu gründen. "Da ein Verein Schulträger ist, geht die Gründung nur über eine Gruppe von Interessierten", erklärt Trägervereinsvorsitzender Stephan Berg. Die pädagogische Organisation und Realisierung obliege den Lehrern, die juristischen, wirtschaftlichen und finanziellen Entscheidungen dem Vorstand des Vereins. Hauptamtlich werde die Schule durch Geschäftsführer Christian Scheel vertreten.

Den Wunsch, pädagogisch zu arbeiten hegte Jaks bereits als junger Mann. Er verbrachte ein Jahr als Austauschschüler in den USA. Dort machte er sein Abitur und erhielt erste Einblicke in die heilpädagogische Arbeit. "Es war mir sofort klar, dass das mein Traumberuf ist", sagt der Waldorflehrer. Allerdings wollte er es besser machen als das Personal der amerikanischen Einrichtung vor rund 37 Jahren. "Die Kinder wurden dort eher abgefertigt anstatt versorgt, das war für mich untragbar", beschreibt Jaks. Zurück in Deutschland hat er eine Ausbildung zum diplomierten Heilpädagogen absolviert und anschließend eine Stelle im Haus Tobias, einer sonderpädagogischen Einrichtung in Freiburg angenommen. Dort arbeitete er elf Jahre als Sonderschullehrer, bevor er an die Freie Waldorfschule Schopfheim wechselte und eine berufsbegleitende Ausbildung als Waldorfklassenlehrer draufsattelte.

Fürsorge, Mitgefühl und Einfühlungsvermögen sind auch in Lörrach Teil seiner Lehrertätigkeit geblieben. "Besonders in den Anfängen war es wichtig, ein Gespür dafür zu entwickeln, was die Kinder brauchen und die Schule und den Unterricht entsprechend weiterzuentwickeln", erklärt Jürgen Jaks. Für die Zukunft der Waldorfschule spiele zudem das Miteinander eine große Rolle. "Wenn die Eltern nicht so engagiert hinter uns stehen würden, wäre vieles schwieriger", sagt Stephan Berg.

Jubiläum: Mittwoch, 11. Mai, 19.30 Uhr, Festakt in der Waldorfschule; Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Vortrag "Anwalt des Kindes – über die Würdigung des Kindseins" mit Henning Köhler

Autor: Maja Tolsdorf