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21. Februar 2014

Närrisch serviert

Die Narren präsentieren sich bei der Zunftabendpremiere in Hochform.

Man nehme sieben hervorragend singende und köstlich schauspielernde Zunftmeister plus einen Zunftstift, eine Begleitband, Tänzerinnen, Fasnachtsmusik, passende Kulissen, viele unsichtbare Helfer, mische alles gut durch und heraus kommt ein hervorragendes Menü: die Zunftabendpremiere.

Unter dem Fasnachtsmotto "Zueloose, nit abhöre" tischen die Zunftmeister acht unterschiedliche Gänge auf, erklärt vom "letschte Pöschtler vo Düllige". Als Antipasti und Zwischengang gibt es einerseits Unterhaltung mit den Night Shadows unter der Leitung von Rolf Hauser und dem Stadtspielmannszug, andererseits einen Hauch brasilianische Küche. Die Zundelgirls zeigen einen tollen Samba. Was unter den Hauptgängen nun Fisch, Fleisch oder Gemüse ist, ist schwer zu entscheiden. Die Kommunalpolitik kommt auf jeden Fall üppig daher. Gleich der erste Auftritt "D’ Dilettantestadl" ist ein Knaller. Da treffen Stadtrat Escher und Stadtrat Wernthaler, "die grüne Lunge von Lörrach", auf Natalie Fessmann mit ihren Leserbriefen. "Sie schriebt de ganze Dag, au wenn’s niemerds läse will" frotzeln die Stadträte. Verhandelt wird dann gleich die ganze Palette innerstädtischer Problemfälle: von der Verkehrsführung – ein "Kreisel gegen den Uhrzeigersinn" wird vorgeschlagen – geht es zur FDP, zur Post "es git für 50 000 Iwohner nur no zwei Poststelle". Die Weiler trifft es noch schlimmer, die haben gar keine Post mehr. Aber, so die logische Folgerung, die brauchen ja keine Annahmestelle, wer will schon was nach Weil schicken, und zum Wegschicken können sie ja nach Lörrach kommen. Durch den Tunnel der Zollfreien. Die Seitenhiebe gegen die Nachbarn "ähne am Tunnel" sind wie immer gut gewürzt.

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"D’ Sichtig" beschäftigt sich mit den Gemeinderatswahlen. Da wirft Goggi Gottschalk seinen Hut in den Ring. Seine Aussage "ich bi jung, ich bi 70, ich will in de Gemeinderat" persifliert das Alter der Gemeinderäte. Es versammeln sich Xaver Glattacker, Erika Brogle, Hubert Bernnat und Margarethe Kurfeß, aber alle wollen sie den Kandidaten nur auf hintere Plätze setzen. Moderiert wird der Wahlkampf von einem ein gestelztes Hochdeutsch sprechenden Michael Wilke. Das Original – in diesem Jahr Protektor – amüsiert sich köstlich über sein Pendant. "In Dubio pro Regio" verspricht Regionales. Das ist ja angesagt in der neuen Küche. Da treffen sich Guy Morin aus Basel und Jean-Marie Zoellé aus Saint-Louis auf dem Tüllinger – eingeladen von Gudrun Heute-Bluhm. Ein Geheimtreffen. Da kommt sie auch schon mit Walkürenmusik angeschritten. Sie will die Trinationalität weiterspinnen und schlägt den Beiden vor, eine eigene Republik zu gründen, die "Freie Republik Oberrhein".

Da keiner der beiden Herren ein Amt übernehmen will, übernimmt Gudrun gleich Schriftführung, Kasse und Vorsitz. Jean-Marie und Guy freuen sich über Grüß-Onkel-Pöstchen. Da kommen Degen fechtend Uli May und Bernhard Winterhalter auf die Bühne gesprungen. Die Zwei haben von der Sache mit der Republik Wind bekommen und möchten mitmischen. Dann lässt Heute-Bluhm die Katze aus dem Sack. Sie möchte von Stuttgart aus regieren und als Stellvertreter Wolfgang Dietz auf den Thron hieven. Die Szene endet damit, dass Gudrun auf einen Sockel gehievt wird und alle singen "Gudrun, good bye".

Zum Ausgleich kommt auch etwas Leichtes auf den Tisch wie "Voll easy", eine Verballhornung der Jugendsprache, oder "All inklusive", was ja eher bei Urlaubsreisen als bei Menüs wichtig ist, mit zwei Raumfahrern. Zum Motto passt dann doch noch ein Häppchen: "Geheim". Zwei Geheimdienstler treiben sich in Lörrach herum und hören Unerhörtes. Ein bisschen Gemüse darf bei einem Menü nicht fehlen. Die zwei Märtwiiber hecheln alles und jeden durch und geraten dabei so in Rage, dass sie sich streitend und keifend in verschiedene Richtungen verabschieden. Zum Dessert gibt es wie üblich den X-Sang, diesmal als italienische Dolci. Höhe- und Schlusspunkt war der Tote-Hosen-Song "Altes Fieber", natürlich mit eigenem Text. Das Sahnehäubchen des ganzen Menüs sind die sensationell gemalten Kulissen.

Oberzunftmeister Stephan Vogt, der ganz beiläufig im Programm die Fußballergebnisse des Abends durchgab, dankte allen Mitwirkenden vor und hinter der Bühne, den Bedienungen im Saal und an der Bar. Das Publikum dankte mit viel Beifall und bei zwei ganz besonders tollen Gesangsnummern mit noch mehr Applaus.

Mitwirkende

Die Zunftmeister Stephan Vogt (der eine grandiose Gudrun Heute-Bluhm abgibt), Andres Glattacker und Karl-Heinz Sterzel, Ralf Buser, Klaus Ciprian-Beha, Hansi Gempp, Christoph Schuldt (wieder dabei), Philipp Buser (Zunftstift, neu dabei)

Hans-Werner Schuldt (Bühnenbild/Kulissen)

Lukas Grussenmeyer (Technik)

Ellen Quercher (Souffleuse mit wenig Arbeit)

Heike Geitlinger (Maske)

Andreas Kühn (Bühnenbild/Kulissen)

Hanspeter Goldian (Kulissenmaler)

Weitere Termine: 21./22./26. bis 28. Februar, 1. März, jeweils 20 Uhr, in der Alten Halle Haagen.  

Autor: hwu

Autor: Heidemarie Wussler und Barbara Ruda (Fotos)