Namen gegen das Vergessen

Willi Adam

Von Willi Adam

Do, 07. April 2011

Lörrach

Stele erinnert an die Deportation von Lörracher Juden / Standort markiert jüdisches Leben.

LÖRRACH. Eine Gedenkstele erinnert seit gestern Abend an die Deportation der Lörracher Juden. Das Denkmal an der Ecke Teich- und Spitalstraße trägt die Namen jener, die in Lörrach als Opfer der Verschleppung bekannt sind. Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm sagte bei der Enthüllung der Stele, die Opfer würden dadurch ihre Identität zurückerhalten. Ähnlich äußerte sich auch Wolfgang Fuhl namens der Lörracher Juden: "Wir zeigen, dass wir eure leidvolle Geschichte nicht vergessen."

Der Anstoß, in der Innenstadt ein Denkmal für die deportierten Juden aufzustellen, kam im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe anlässlich "70 Jahre Deportation" aus dem Gemeinderat. Stadträtin Christiane Cyperrek hatte den Wunsch formuliert und der Gemeinderat stellte einstimmig 10 000 Euro zur Verfügung. In Abstimmung mit der Israelitischen Kultusgemeinde wurde eine schlichte, informative Gestaltung gewählt. In den Aluminiumquader sind auf beiden Seiten Fotos von der Deportation eingearbeitet, darunter erläutert ein kurzer Text in deutscher, englischer und französischer Sprache die Zusammenhänge der Deportation am 22. Oktober 1940 und schließlich ist noch ein hebräischer Satz aus einem Klagelied angefügt. Besonders wichtig sind die Namen der 52 jüdischen Mitbürger, von denen man sicher weiß, dass sie in Lörrach Opfer der Deportation wurden. Man zeige damit, dass sie nicht vergessen sind und dass man sich ihrer erinnert, sagte Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm. Ihr Schicksal sei eine Mahnung für unsere Geschichte, betonte die Oberbürgermeisterin, bevor sie alle Namen verlas.

Wolfgang Fuhl, Oberratsvorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Baden und Mitglied im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Lörrach, stellte die Deportation der Juden mit einem Zitat aus einer zynischen "Rentabilitätsberechnung" der SS in ein entlarvendes Schlaglicht. Minuziös hatten die Nazis ausgerechnet, was ein jüdischer Zwangsarbeiter in der neunmonatigen, meist mit dem Tod endenden Zeit der Ausbeutung abwirft und welche Kosten in Abzug zu bringen sind. Ausgangspunkt solcher Qualen waren Deportationen, wie sie auch mitten in Lörrach stattfanden. "Wir sind zusammengekommen, weil die Geschichte uns dazu verpflichtet", sagte Fuhl. Er dankte bei dieser Gelegenheit der Stadt Lörrach für die Erinnerungsarbeit, aber auch für die Unterstützung beim Bau der neuen Synagoge.

Der Standort der Stele bezieht sich sowohl auf das neue Zentrum des jüdischen Lebens in Lörrach – die Gemeinde verfügt zwischenzeitlich wieder über rund 500 Mitglieder – als auch auf die alte, 1938 zerstörte Synagoge. Die Oberbürgermeisterin erinnerte außerdem daran, dass in der Teichstraße früher auch die jüdische Schule und eine koschere Metzgerei gestanden hätten. Und nur ein Steinwurf vom jüdischen Viertel entfernt, auf dem Marktplatz, wurden die Juden bei der Deportation auf Lastwagen gepfercht.