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19. September 2011

Nashorn zeigt Lebensmut

Bei der Jubiläumsfeier verdichten sich die Anzeichen für eine Rettung des "Nellie Nashorn".

  1. Rosen für die Nellie-Gründerinnen: Uta-Maria Lahr, Anette Eckstein, Christine Staudenmaier und Annegret Brake (von links). Foto: Sabine Ehrentreich

LÖRRACH. Das krisengeschüttelte Nellie Nashorn hat beim Fest zum 25-jährigen Bestehen am Freitagabend einen deutlichen Überlebenswillen demonstriert. Monika Mareis, die Vorsitzende des Trägervereins "Nichtsdestotrotz" versprach eine konzeptionelle Weiterentwicklung und die Einführung von "Controlling für Kneipe und Kulturbetrieb". Anders als bei der Gründung des sozio-kulturellen Zentrums sind die gesellschaftlichen Konzepte heute nicht mehr umstritten. Stadt, Kreis und Land sicherten der Einrichtung Unterstützung im Konsolidierungsprozess zu.

Feine, aber unüberhörbare Unterschiede gab es bei der Beschreibung des Krankheitsbildes. Während Geschäftsführerin Ingrid Weinmann angesichts der augenblicklichen Finanzierungslücke die Diagnose "todkrank" abgab und die Einrichtung allenfalls auf dem "Weg der Besserung" sah, mochte Monika Mareis nicht von existenzieller Gefährdung sprechen: "Das Nashorn steckt in einer Lebenskrise, aber das kann nach 25 Jahren schon einmal passieren." Und natürlich könne es einen Ausweg geben. Der erste Schritt zur Rettung war bis zum Jubiläumswochenende auch schon erfolgreich bewältigt. Jene 15000 Euro, die Geld- und Kreditgeber als ersten Eigenanteil für die Sanierung des Gastronomiebetriebs eingefordert hatten, sind beisammen. Mareis machte deutlich, dass damit die "Hausaufgaben" keineswegs erledigt seien. Das Zentrum werde sich konzeptionell weiterentwickeln und der Trägerverein wolle sich öffnen. "Wir brauchen Sie als Mitglieder und zufriedene Kundschaft", sagte Mareis an die Gäste gerichtet.

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Auch Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm leitete vom Namen "Nichtsdestotrotz" eine hinreichende Zähigkeit ab. Auch sie setzt auf die Bewältigung der Krise und auf die darin verborgene Chance. "Ein Haus und vielleicht auch die Menschen darin müssen sich verändern", sagte Heute-Bluhm. Grundsätzlich ist der Platz des Nellie Nashorn im Kanon der Lörracher Einrichtungen unbestritten. "Sie haben eine Adresse in der Stadt geschaffen, ohne die man sich in Lörrach Kulturarbeit nicht vorstellen kann", attestierte die OB den Macherinnen.

Alt-OB Rainer Offergeld, der dem Nellie Nashorn allein schon durch einen seiner seltenen öffentlichen Auftritte eine besondere Ehre erwies, machte den Verantwortlichen mit einer schon früher bewährten Tugend Mut. Ihm habe es schon in der Gründungszeit gefallen, dass hier Frauen am Werk seien, die nicht nur fordern, sondern auch bereit seien, selbst anzupacken. Es habe sich "etwas Buntes" entwickelt, so Offergeld. Und dass dabei auch einmal eine schwierigere Situation oder eine Krise zu durchleben sei, stufte Offergeld auch im Rahmen des Üblichen ein: "Kultur besteht nun einmal aus Spannungen."

Auch außerhalb der Stadt kann das Nellie Nashorn auf wohlwollende Unterstützung hoffen. Jürgen Hirnschal, früher im Landratsamt Lörrach tätig und mittlerweile als Referatsleiter im Regierungspräsidium für sozio-kulturelle Zentren tätig, sicherte dem Nellie Nashorn auch künftig die Unterstützung des Landes zu. Sozio-kulturelle Zentren seien mit ihrem sparten- und schichtenübergreifendem Ansatz ein Teil der "kulturellen Grundversorgung", so Hirnschal. Und Landrat schneider, der auch von familiären Berührungspunkten berichtete, gab der Einrichtung auch die Rückendeckung des Landkreises.

All dies trug am Ende zu einer doch entspannten Grundstimmung bei, die Rainer Offergeld mit Blick auf Unterstützung und Überlebenswillen zuvor so formuliert hatte: "Es kann sich hier allenfalls um einen eingebildeten Kranken handeln."

Autor: Willi Adam