Perfektes Possenspiel

Sabine Ehrentreich (Text) und Barbara Ruda (Fotos)

Von Sabine Ehrentreich (Text) und Barbara Ruda (Fotos)

Fr, 02. Februar 2018

Lörrach

Der Lörracher Zunftabend erntet begeisterten Applaus /.

Sage noch einer, das lokale Geschehen werfe nicht genug ab, um den langen Zunftabend in der Alten Halle Haagen aufs Vergnüglichste zu füllen. Die Lörracher Ausgabe 2018 beweist: Merkel, Trump und Erdogan können getrost in der Kiste bleiben. Das Personal und die Possen vor Ort sind Fundgrube genug. Das beginnt nach Einmarsch und Begrüßung durch Oberzunftmeister Andreas Glattacker mit dem Binzener Kreisel. Das Thema spielt, nun gut, in Lörrachs Nachbarschaft, und es wurde kurzfristig von den Ereignissen überholt. Egal: Immerhin war Uli May (Hansi Gempp), der sich da an das umkämpfte Kunstwerk gekettet hatte, mal im Lörracher Rathaus tätig. Und immerhin lassen sich aus der Nummer ein paar bildschöne Spitzen ableiten – gegen Weil am Rhein natürlich. Das habe mit der Umfahrung sein gewinnbringendstes Großprojekt bereits verwirklicht. Apropos Großprojekt: In der Auftaktnummer bewerben sich Basels Stararchitekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron, in Personalunion verkörpert von Andreas Glattacker, um ein Arbeitsfeld in Lörrach, wahlweise das Projekt Postareal, den Aichele-Knoten oder den Checkpoint Charly in der Grabenstraße. Hamburg – Peking – New York – Lörrach: Die Krönung einer Karriere. Nach dem in jeder Hinsicht köstlichen Gruß aus der Küche, den Thomas Wagner als Serviermaidli kredenzt, findet sich das durchweg bestens unterhaltene Publikum im neu gestalteten Hebelpark wieder, jener Komposition aus Beton und Pflasterstein an Wasserspiel. Zwei prekäre Existenzen, die eine davon unverkennbar ein Wiedergänger Udo Lindenbergs, treffen dort auf Fachbereichsleiterin Britta Staub-Abt. Da wird manche dem Volk schwer vermittelbare Lörracher Investition verhandelt – in einer Szenerie übrigens, die wie alle an diesem Abend zur hohen Qualität des Zunftabends Wesentliches beiträgt. Fabian Weiss und Hanspeter Goldian haben die tollen Kulissen hergestellt.

Ja, und auch ein Plädoyer für religiöse Toleranz findet im Lörracher Zunftabend Platz. Da sitzt Klaus Ciprian-Beha als goldener Buddha in der Bühnenmitte, vertritt Glattacker als Pfarrer Thorsten Becker im schwarzen Ornat und knallroten Schuhen das Christentum, kommen Thomas Wagner als Rabbi und Nico Vogt als Moslem dazu – beide übrigens sehr schön im einschlägigen Sprachduktus –, schließlich Ralf Buser als Hindu-Frau. Alle schlagen Thesen an eine Hüttentür, die nicht geeignet sind, zu spalten, sondern zu versöhnen. Dem folgt als ganz anderer Akzent eine Choreografie der Zundelgirls.

Vorhang auf: Das Zentralklinikum steht. Chefarzt Lutz, assistiert von Pflegepraktikant Nitz, Assistenzarzt Eberhardt und Oberschwester Marion (Dammann) stürzen sich mit martialischem OP-Besteck auf den ersten Patienten. Das Sujet ist, wie andere auch, mit treffenden Details und Anspielungen aufgeladen. Gleiches gilt für die Nummer, die an der künftigen Verkehrsdrehscheibe am Zoll angesiedelt ist. Auftritt Interviewerin Laura Könsler (SWR), Grünen-Stadtrat Gerd Wernthaler als Fahrrad-Lobbyist, Natali Fessmann, Lörrachs führende Leserbrief-Schreiberin und Kämpferin fürs Lörracher Trämli, und ein Einkaufstourist aus der Schweiz, der eine kreuzungsfreie Piste in die Lörracher City fordert. Parkplätze? Braucht er nicht. Er parkiert einfach, wo er will. Mit dem obligatorischen Auftritt der zänkischen Marktweiber, wie immer ein vergnüglicher Höhepunkt, und dem Wirte-Wettbewerb um die Burgschenke Rötteln strebt der Abend seinem Ende entgegen. Das Rennen macht übrigens nicht ein Spitzenwirt und nicht "Salami", ehedem Markgräfler Hof, sondern ein Damen-Duo mit Kaffee und Kuchen. So isses.

Vieles wäre noch zu sagen, der Spielmannszug zu nennen, die musikalische Begleitung der NightShadows, die gelungenen Masken und die großartige Stimmung. Sagen wir einfach: Es war ein herrlicher Abend, für den es am Ende Standing Ovations setzte.

Eine Bildergalerie finden Sie unter http://mehr.bz/loezunftabend18