Planspiele mit wenig Perspektiven

Michael Baas

Von Michael Baas

Sa, 20. Oktober 2018

Lörrach

Die Idee, den Landkreis per Bahn von Weil am Rhein aus an den Euroairport anzubinden, knüpft an längst begrabene Projekte an.

LÖRRACH/WEIL AM RHEIN. Der Euroairport soll an die Bahn angebunden werden. Darin ist sich die trinationale Region einig. Das darüber forcierte Modell eines rund 250 Millionen Euro teuren Bypass an der Bahnstrecke zwischen Basel und Mulhouse begeistert hierzulande aber nicht alle. Zwar steht die Verwaltung im Landratsamt voll und ganz zu dem Projekt. Kritiker aber bemängeln die fehlende direkte Anbindung Südbadens und regen als Alternative die Verknüpfung über Weil am Rhein an. Eine im Kern alte Idee, der die dortige Stadtverwaltung wenig abgewinnen kann, wie eine Anfrage zeigt.

Die Schweiz und Frankreich forcieren dieser Tage die Bahnanbindung an den Flughafen. Mit dem Modell einer sechs Kilometer langen Abzweigung für S-Bahnen und Regionalzüge von der Bahnlinie in Saint-Louis freunden sich hierzulande aber nicht alle an. Diese Kritiker sehen Südbaden abgehängt, wie der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, Bernd Martin, dieser Tage in einer Mitwirkungsveranstaltung im Landratsamt, aber auch im Umweltausschuss des Kreistags betonte. Andere sehen "rechtsrheinische Nutzer" des Flughafens darüber gar bis auf den "St. Nimmerleinstag vertröstet", wie es in einem Leserbrief hieß.

Ein Nordbogen auf einer historischen Trasse

Als Variante bringt diese Seite die Anbindung Südbadens über eine ehemalige Bahntrasse von Weil via Palmrain zum Bahnhof Saint-Louis ins Gespräch. Dort ließe sich das Vorhaben zu einem "Bruchteil der Kosten" realisieren. Tatsächlich gab es in Tagen, da das Elsass zum Deutschen Kaiserreich gehörte, also um den Ersten Weltkrieg, eine Bahnverbindung zwischen Weil und Saint-Louis und deren Trasse existiert bis heute in Teilen. Die Idee, diese zu reanimieren, lebt denn auch immer mal wieder auf – zumal vor dem Hintergrund, endlich wieder einen leistungsfähigen Nahverkehr zwischen Deutschland und Frankreich zu schaffen. Um die Jahrhundertwende stand das Vorhaben denn auch schon in der Trinationalen Agglomeration Basel (TAB), der Vorläuferin des trinationalen Eurodistricts Basel, auf der Agenda. Das lief unter dem Arbeitstitel "Nordbogen" und basierte auf noch älteren Anstößen des früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden im Regionalverband Hochrhein-Bodensee und Bahnexperten Albert Schmidt.

Die Argumente damals waren im Kern die gleichen wie heute: eine direkte Verbindung mit der S 5 vom Wiesental zum Flughafen, gegebenenfalls auch vom Hochrhein. Abgesehen davon, dass Letzteres heute mit dem "Herzstück" und der darüber geplanten Linienführung kollidiert, wurden auch damals schon alle drei angedachten und ohnehin noch sehr luftigen Varianten skeptisch betrachtet. Nach einer vom TAB 2003 in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie wurden sie dann endgültig in den Schubladen vergraben. Zum einen, weil das Passagieraufkommen vergleichsweise gering gewesen wäre. Aber auch, weil das Projekt mit vielen Vorhaben der betroffenen Kommunen nicht kompatibel wäre.

Ersteres könnte sich inzwischen infolge der Bevölkerungsentwicklung, der wachsenden Verflechtung der Region und neuen Schwerpunkten der Mobilitätspolitik zwar verändert haben. Das Zweite aber gilt heute wie damals. Einer ersten Einschätzung nach sind die Überlegungen zu einem "Nordbogen" für Weil am Rhein aus heutiger, städteplanerischer Sicht insbesondere mit dem trimodalen Hafen nicht vereinbar, sagt die Pressesprecherin der Stadt, Junia Folk, denn auch. Beim "spontanen Durchdenken" verschiedener Szenarien erkenne die Verwaltung "keine ernsthafte Möglichkeit".

Hafen und neue Bahnlinie passen nicht zusammen

Eine Rheinüberquerung parallel zur Palmrainbrücke, also die direkte Verlängerung des von Ost nach West verlaufenden Hafengleises, würde zwei Gewerbebetriebe tangieren und auf französischer Seite durch einen Betrieb hindurch führen. Die Nutzung der Trasse der Hafenbahn sei aber auch grundsätzlich schwierig, da diese mit dem Rangierverkehr im Hafen und dem Betrieb im Rangierbahnhof der DB koordiniert werden müsste. Das Hafengleis zugunsten eines S-Bahn-Verkehrs aufzugeben sei auch keine Option, da die Verknüpfung der Verkehrsträger "unerlässlich" sei für einen leistungsfähigen modernen Hafen. Auch eine Weiterführung des Hafengleises nach Norden sei wegen der Behinderung der Hafenaktivitäten "nicht wirklich denkbar".

Nördlich des Yachthafens auf Höhe der Kläranlage Bändlegrund wäre theoretisch zwar eine Querung ins Elsass "prüfbar". Das würde aber starke Eingriffe in den Waldbestand mit sich bringen. Zudem müssten für diese Route die Gleise auf französischer Seite um Village-Neuf herum oder gar hindurch geführt werden. Der Flächennutzungsplan sehe bisher keinen "Korridor" für eine solche Bahnanbindung vor. Selbstverständlich würde die Stadt Vorschläge eines Planungsträgers dazu aber "eingehend" prüfen, teilt die Stadtverwaltung mit.

Der Kreis setzt auf Bus statt Bahn

Dass sich dieser Planungsträger angesichts der Ausgangslage findet, erscheint aber unwahrscheinlich. Zumal die Finanzierung völlig offen ist und kaum Zuschüsse der Schweiz für ein Konkurrenzprojekt zu erwarten wären. Der Landkreis konzentriert sich denn auch längst auf andere Optionen, den Nahverkehr ins Südelsass zu beleben. Er prüft einen Expressbus von Lörrach über Weil am Rhein zum EAP. Angesichts dessen, dass moderne Busse auch ökologisch gut mit der Bahn mithalten können, ist das wohl pragmatischer als ein "Nordbogen 2025".