Drochehüüler-Orden an Burghof-Chef

Ratssuppe mit Leerstelle

Nikolaus Trenz

Von Nikolaus Trenz

Mo, 16. Februar 2015 um 19:01 Uhr

Lörrach

LÖRRACH. Die Mehlsuppe war deftig, was die Zunftmeister hineinbröckelten mundete ebenso – aber: Der Rosenmontag 2015 geht als Ratssuppe mit Leerstelle in die Annalen der Narrenzunft Lörrach ein.

Für den Dorchhüüler-Orden, eine Art silberner Zitrone der Zunft, fiel die Wahl auf Burghof-Geschäftsführer Markus Muffler. Aber der war nicht da, weil im Urlaub weilend, und ließ auch niemanden an seiner Stelle reden. So sahen die Ratssuppenlöffler nur die Urkunde und den Orden, aber nicht den neuen Ordensträger.

Das geschah nicht zum ersten Mal: 2012 war der damalige Fachbereichsleiter Kultur und Medien, Jochen Schicht, ebenfalls in Abwesenheit gekürt worden. Allerdings holte er seinen Verteidigungsauftritt am Elften-Elften nach. Diesmal mussten das närrische Auditorium im Lasser-Saal mit der Verlesung der Urkunde durch den stellvertretenden Oberzunftmeister Andreas Glattacker zufrieden sein, Oberzunftmeister Stephan Vogt präsentierte dazu den Orden.

Womit sich Muffler die Ordensgunst der Zunftmeister erworben hat? Er hat vor einiger Zeit die Staatsbrauerei Rothaus als neuen Hauptsponsor des "Stimmen"-Festivals präsentiert – zulasten der heimischen Privatbrauerei Lasser, die von Anfang an das Festival unterstützte. Merk’s wohl! geben ihm die Narren via Drochehüüler-Urkunde mit: "Was über langi Johr gsi isch, des darf nit vergesse goh,/ über 20 Johr het mer selli Zueschtuepf doch au gern für sich gno./ Setz in Sache Kultur lieber mol uff di richtige Pferd, / sell wär für uns alli viel meh wert." Was die Narren mit "richtige Pferd" meinen, führen sie im Text aus. Der Bürgel-Erbe mache Kultur nach dem Motto "Ich lasse euch meine Kultur was kosten". Da machen sie ein "zum Teil abgehobenes Kunst- und Kulturverständnis" aus, bei dem Angebot und Nachfrage nicht immer im passenden Verhältnis stünden. Dass die Zunftmeister damit beifallsfähig sind, zeigte das Ratssuppenpublikum. Dass der neue Drochehüüler fehlte, ließ auch einige Buhrufe erklingen. "Urlaub ist Urlaub", stellte Stefan Vogt lakonisch fest.

Bis dahin hatte das närrische Auditorium viel zu lachen und zu klatschen. Stadtrotschörli und Zunftredner fanden ihre Themen auf der Straße, im Rathaus, in alltäglichen Beobachtungen und selbstverständlich in Weil am Rhein und in der Schweiz. Daraus rührten sie eine bestens mundende Ratssuppe an, kräftig abgeschmeckt, wie sich das für ein Narrengericht gehört. Das Stadtrotschörli (Hubert Bernnat, Christiane Cyperrek, Petra Höfler, Matthias Lindemer, Ulrich Lusche, Hans-Peter Pichlhöfer, Thomas Vogel, Carsten Vogelpohl mit den musikalischen (Beg-)Leitern Thomas und Uli Denzer) fand Grund um Grund Kleinhüningen Nord (= Weil am Rhein) auf die Schippe zu nehmen, gipfelnd zu adaptierten Elvis-Tönen, dass "das Trämli duet duresurre, durch des Ghetto". Eine Hommage an "den großen Verkehrsplaner" Jürgen Nef, der Freudengesang des Stadtkämmerers über die kassefüllenden Blitzer gehörten dazu und zum Finale vom Duo Denzer ein schön-schräger Schweizer Shopping-Jodler. Oberzunft-Moderator Stefan Vogt rief mit launigen An- und Bemerkungen seine Kollegen ans Mikrofon. Philipp Buser (entdeckt die Eidgenosse beim Parken in Weil und beim Einkaufen in Lörrach), Christoph Schuldt (auf amüsantem Städtetrip durch Europa), Klaus Ciprian-Beha (mit heiter-dummem G’schwätz in Frage und Antwort), Andreas Glattacker (mit Beobachtungen zu dauernd online und ab und zu offline), Hansi Gempp (höherer Blödsinn über die Schnitzelgrube für die Turner in der neuen Tumringer Halle) und Karl-Heinz Sterzel (klasse über Kunst im Alltag) starteten bei dieser Pionten- und Witz-Staffel richtig durch. Protektorin Monica Rexrodt fand herzliche Worte für die Zunftmeister; an Fasnacht wachsen auch Freundschaften. Und der Basler Felix Drechsler bekam für die gelungene Überraschung mit der wohl kürzesten Ratssuppenrede, einem Vierzeiler, mehr Applaus als manche Redner vor ihm. Eine gelungene Premiere als Schlusswortredner hatte OB Jörg Lutz. Er setzte einige pfiffige Pointen und versprach, dass man ihm Rathaus alles tun werde, damit die Zunftmeister auch in der nächsten Fasnacht wieder genügend Stoff haben. Friß’n weg, d’r Schnägg.