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03. Mai 2016

Reise zum Kopf des Wildschweins

Christian Eisert stellte in der Buchhandlung Osiander seinen neuen Roman "Viele Ziegen und kein Peter" vor.

  1. Geschichten aus einem Geschützbunker beim Thuner See und vom Gipfel des Pilatus gab Christian Eisert bei seiner Buchvorstellung in Lörrach zum Besten. Foto: Katharina Bartsch

LÖRRACH. Christian Eisert wollte endlich mal wieder friedliche Ferien verbringen – und fuhr dafür in die Schweiz. Einmal kreuz und quer ist er durch den Alpenstaat gereist, wobei man dieses "kreuz und quer" durchaus wörtlich nehmen darf. Was er im Nachbarland so alles erlebt hat, darüber berichtete der Autor bei der Premiere seines neuen Romans "Viele Ziegen und kein Peter" in der Buchhandlung Osiander.

An einem frühen Julimorgen beschloss Christian Eisert, dass ihn seine nächste Reise in die Schweiz führen würde. Als Fernsehautor, der unter anderem für Harald Schmidt schreibt und die Off-Texte für die Sendung "Shoppingqueen" entwirft, geht Eisert einem Saisongeschäft nach. Im Sommer herrscht Flaute, eine gute Gelegenheit also, drei Wochen durch das Nachbarland zu touren. "Nach meinem Nordkorea-Trip sollte die Reise durch eines der glücklichsten Länder der Welt ruhig und entspannt werden", erzählt Eisert.

Als Reiseroute hatte er sich das Wort "Schweiz" ausgesucht, also einmal quer durch das Land der Eidgenossen oder auch vom Hintern der Wildsau in Richtung Kopf. Denn wer die Karte der Schweiz genauer und mit etwas Fantasie betrachtet, der erkennt die Gestalt eben jenen Wildtiers. Hat man das Wildschwein einmal entdeckt, lässt es sich auch nicht mehr verdrängen.

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Seine Reiseerlebnisse hat Christian Eisert aufgeschrieben. Ganz demokratisch lässt er bei seiner Präsentation quasi per Volksabstimmung das Publikum entscheiden, welche Passage seines Buches vorgelesen wird.

Und er hat viel erlebt: In La Chaux-de-Fonds, der Wiege der Schweizer Uhrenindustrie, durfte er unter fachkundiger Anleitung seine eigene Uhr zusammenbauen. In Gstaad wurde er von einer Spalier stehenden Holzchalet-Armee empfangen. "Mit meinen Wanderschuhen, dem Rucksack und den kurzen Haaren bin ich zwischen den vielen glatt gegelten Herren und den schlanken, im Gesicht leicht vertrockneten Damen dann doch aufgefallen", erzählt Eisert.

Er hat oberhalb des Thuner Sees einen Geschützbunker besichtigt und sich von den hakenkreuzbestickten Uniformen etwas aus dem Konzept bringen lassen. Den Gipfel des Pilatus hat er in internationaler Gesellschaft mit der steilsten Zahnradbahn der Welt erklommen. "Da waren eine indische Familie, ein franko-kanadisches Paar, zwei Afrikanerinnen und die obligatorischen Chinesen", erzählt er. Lediglich Australier hätten gefehlt und die Weltbevölkerung wäre komplett abgebildet gewesen. Auf dem Weg nach oben trafen sie einen "Eingeborenen irgendwo zwischen 40 und 70 Jahren", der mit seinem Berner Sennenhund den beiden Afrikanerinnen einen ziemlichen Schrecken einjagte.

Während seiner Reise hat sich Christian Eisert die wichtige Frage gestellt, ob die Schweizer Flagge mit Bunt- oder Weißwaschmittel gewaschen wird – und auf der Rütliwiese die geschichtliche Einordnung des historischen Rütlischwurs in Frage gestellt. Das größte Problem seiner Reise stellt der "i-Punkt" dar, denn zwischen dem "i" und dem Punkt sollte der Boden nicht berührt werden.

Nach einem Aufenthalt in einem Kloster informierte er sich über einen Fallschirmsprung. "Es sollte ein Tandemsprung mit Urs werden, der erfreulicherweise eine Haftpflichtversicherung besaß", erzählt Eisert. Ob er tatsächlich gesprungen ist, verrät Christian Eisert nicht. Schließlich soll es noch einen Anreiz geben, sein Buch zu lesen.

Autor: Katharina Bartsch