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13. April 2011
So jung wie sonst nirgends
Kulturelle Jugendbildung im Free Cinema durch jugendliches Team / Neue Kinosessel angeschafft.
LÖRRACH. Seit 39 Jahren gibt es das Free Cinema. Bereits mehr als zwanzig Jahre sind es Jugendliche, die dafür sorgen, dass man in Lörrach auch nicht kommerzielle Filme anschauen kann. Sie wollen weiterhin unabhängig und selbstbestimmt agieren. Die Grüne Fraktion unterstützt sie in ihrem ehrenamtliche Engagement.
Öffentliche Zuschüsse für gibt es jährlich von der Stadt, und zwar nicht aus dem Kulturhaushalt, sondern vom Fachbereich Jugend, Schule, Sport. Schaut man in den Etat dieses Dezernats im Verwaltungshaushalt 2011, so ist der Posten für das Free Cinema mit 2600 Euro der weitaus geringste. Die Grünen halten diesen Betrag für zu niedrig, schließlich betragen allein Miet- und Nebenkosten für den alten Pferdestall neben dem Nellie Nashorn etwa 1600 Euro pro Jahr. Außerdem finden sie es befremdlich, dass die Vereinsmitglieder vonseiten der Stadt nicht darauf hingewiesen wurden, dass man bei einer städtischen Förderung das Recht auf eine Förderung durch das Land in Höhe von 50 Prozent des Zuschusses hat. Erst kürzlich erfuhren die Jugendlichen auf einer Fortbildung davon und werden nun einen entsprechenden Antrag stellen.Werbung
Mit einem Eintrittspreis in Höhe von drei Euro soll der Besuch der Spielstätte für jeden möglich sein. Er deckt gerade die Leihgebühren. Wer mehr bezahlen möchte, kann Mitglied bei den "Freunden des Free Cinemas" werden. Anmeldeformulare gibt es im Kinosaal. Ein kleines Plus wird durch den Verkauf von Getränken und Snacks an der Bar erzielt. Als einziger Sponsor fördert die Sparkasse die Werbung für das laufende Programm sowie für Extras wie Kurzfilmtage oder Open Air-Kino. Kooperationen gibt es mit Organisationen und Vereinen, etwa Attac oder Amnesty International, mit denen das Free Cinema Filme zu bestimmten Themen präsentiert.
Auch wenn das derzeitige Team Geld immer brauchen kann, will es sich weder von weiteren Sponsoren abhängig machen, noch irgendwo unterschlupfen. "Wir sind schließlich 'free'", sagt Michele Giannini. Zu der Freiheit gehört auch, dass die Jugendlichen – meistens Schüler zwischen 16 und 19 Jahren –, nachdem sie ein paar Jahre lang den Kinobetrieb organisiert haben, die Stadt verlassen. "Das soll genau so sein", versichert Yannic Glajcar-Berg. Vorher suchen sie selbst noch ihre Nachfolger aus – zum Teil jüngere Geschwister oder Freunde. Trotz dieses permanenten Wechsels hat das Free Cinema bis heute überlebt.
Dass hier Jugendliche ein kommunales Kino betreiben, ist zumindest in Baden Württemberg einmalig. Der Altersdurchschnitt der Gäste ist mindestens doppelt so hoch wie der des Free Cinema-Teams. Das zeigte sich bei einer Jugendkino-Tagung in Freiburg, bei die Lörracher eigentlich Tipps suchten, wie man junges Publikum in Filme locken kann, die auch einen Hintergrund haben. Antworten habe man leider keine erhalten, sich aber mit anderen darüber ausgetauscht, wie man die richtigen Filme herausfindet.
Die nicht gewerbliche Spielstätte ist mit ihrem ansprechenden Programm eine nicht wegzudenkende Bereicherung der Stadt – davon zeigten sich die Mitglieder der Grünen Fraktion überzeugt, als sie die in den vergangenen Monaten renovierten Räumlichkeiten, den neuen gebrauchten Projektor und die neuen gebrauchten Kinosessel in Augenschein nahmen. Holzklasse war gestern. Nur ein paar der ausgedienten Möbel dienen noch als Notsitze, sollten die neuen 55 einmal besetzt sein.
Autor: Barbara Ruda
