"So kann man nicht miteinander umgehen"

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Do, 29. November 2018

Lörrach

Weil die Stadt den Evangelischen Kindergarten in Haagen doch nicht neu bauen will, schlagen die Wellen im Ortsteil hoch / Beschlossen ist der Rückzug noch nicht.

LÖRRACH-HAAGEN. Wegen der vorläufigen Rücknahme der Zusage, in Haagen einen neuen evangelischen Kindergarten zu bauen, schlugen die Wellen im Ortschaftsrat am Dienstagabend hoch. Mehr als 30 Zuhörerinnen und Zuhörer waren wegen dieses Themas in die Sitzung gekommen. Oberbürgermeister Jörg Lutz bestätigte, dass es bei der Zusage bleibe, die beiden Gruppen des Evangelischen Kindergartens zunächst provisorisch in der Kita Alte Schule unterzubringen.

Der Kindergarten in der Markgrafenstraße, der baulich in einem maroden Zustand ist, soll abgerissen werden, sobald im kommenden Jahr die Kita Alte Schule fertiggestellt ist. Dort werden fünf Gruppen eingerichtet. Zwei davon werden zunächst von den Kindern belegt, die jetzt im Evangelischen Kindergarten betreut werden. Darin, dass das keine Dauerlösung sein kann, ist man sich einig, weil zwei unterschiedliche Träger unter einem Dach – die Stadt für die Alte Schule und die Kirchengemeinde Rötteln für die bisher schon vorhandenen beiden Gruppen – auf Dauer nicht funktionieren.

Bedarfsplanung soll aktualisiert werden

Der ursprüngliche Plan war, dass 2018 bereits Planungen für den Neubau des Evangelischen Kindergartens gemacht werden sollten, den die Stadt bauen und dann in die Trägerschaft der Kirche übergeben sollte. Das ist aber nicht passiert, weil aufgrund zahlreicher anderer Projekte die personellen Kapazitäten fehlten. Daraufhin kam man intern in der Stadtverwaltung überein, nochmals eine Bedarfsplanung zu machen und zu schauen, ob ein Kindergarten an dieser Stelle überhaupt nötig ist. Der Bau würde mindestens 2,5 Millionen Euro kosten.

"Wir haben gemerkt, der Zeitplan funktioniert nicht und wir haben eine Vielzahl von Einrichtungen in der Stadt, deshalb möchten wir eine gesamte Bedarfsplanung machen", erklärte Gerhard Bukow, Leiter des Fachbereichs Jugend/Schulen/Sport, im Ortschaftsrat. Es ist aber noch nichts beschlossen, es gilt nach wie vor der Beschluss des Gemeinderats, den Kindergarten zu bauen, stellte Lutz fest. Die internen Überlegungen seien indessen frühzeitig nach außen gedrungen. Dafür entschuldigte sich der Oberbürgermeister.

Christa Rufer wies auf Einnahmen von mehr als 15 Millionen Euro durch Grundstücksverkäufe im Haagener Baugebiet Belist hin und meinte, hiervon könne Geld in den Kindergarten investiert werden. Lutz entgegnete, dass nicht nur in den Ortsteilen investiert werde, in denen gerade Einnahmen entstehen. Man müsse die Gesamtstadt im Blick haben.

Kritik wurde auch an der Kommunikation geübt

Ulrike Krämer erinnerte an die klare Aussage, dass ein Kindergarten in diesem Bereich nötig sei, und das sei eine Pflichtaufgabe der Stadt, nicht der Kirchengemeinde. Christa Rufer sagte, der jetzige Kindergarten liege zentral im Ort und sei auch vom Neubaugebiet Belist leicht zu Fuß zu erreichen. Weder sie noch Jutta di Marco hielten eine Ersatzlösung in der Lingertstraße in Hauingen für sinnvoll. Den Bedarf für einen neuen evangelischen Kindergarten in Haagen habe man in den vergangenen Jahren immer gesehen, stellte Andreas Brunner, Vorsitzender des evangelischen Kirchengemeinderats, fest. "So kann man nicht miteinander umgehen", meinte er.

Lutz sagte, man werde das Thema nochmals aufbereiten und im Gemeinderat beraten. Ortsvorsteher Horst Simon bat darum, dass Ortsvorsteher und Ortschaftsrat solche Dinge künftig sofort erfahren und nicht, wie in diesem Fall und in zwei weiteren in diesem Jahr, durch "Buschtrommeln" hinten herum.