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07. Juli 2016

Stiftung setzt auf Betongeld

Bürgerstiftung und Museumsfonds wollen Depot selbst bauen / Weiterer Hauskauf geplant.

  1. Akteure der Bürgerstiftung (von links): Gudrun Schubert (Schubert-Durand-Stiftung), Frank Hovenbitzer, Ute Lusche, André Marker, Karsten Kleine, Markus Moehring, Inge Gula (beide Museumsfonds) Foto: Willi Adam

LÖRRACH. Die Bürgerstiftung Lörrach möchte wegen der niedrigen Zinsen ihr Kapital künftig verstärkt in Immobilien anlegen und dies mit der Stiftungstätigkeit verbinden. Bei der Stiftungsversammlung berichtete Vorsitzende Ute Lusche von zwei möglichen Vorhaben. Im Raum steht der Bau eines neuen Museumsdepots durch den Museumsfonds, der mit der Bürgerstiftung verbunden ist. Die Stadt müsste die Räume dann anmieten. Außerdem prüft die Bürgerstiftung den Kauf eines Hauses in der Baumgartnerstraße, wo der CVJM seinen Schülertreff betreibt.

Nach Angaben von Ute Lusche beträgt das Stiftungsvermögen, von dem nur die Erträge verwendet werden dürfen, 446 000 Euro. Der Vermögensstock des Museumsfonds, den der Museumsverein in die Bürgerstiftung eingebracht hat, liegt bei 446 000 Euro. Ferner gebe es gemeinsame Rücklagen in Höhe von 470 000 Euro. "Wir müssen unser Geld nicht auf Konten liegen lassen" sagte Ute Lusche. Wenn es am Kapitalmarkt nicht die Renditen gebe, die für die Aufgaben der Bürgerstiftung erforderlich sind, dann wäre es sinnvoll, das Kapital in Immobilien anzulegen.

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Für die Bürgerstiftung ist diese Form der Geldanlage nicht neu, denn so alt wie die Stiftung selbst ist deren Besitz am alten Rathaus in Stetten. Der jährliche Mietertrag aus dieser Immobilie (15 000 Euro) ist ein verlässlicher Beitrag zum verfügbaren Budget. Etwa 50 000 Euro kann die Bürgerstiftung pro Jahr ausgeben, wozu neben der Miete die Einnahmen der Benefizgala (17 000 Euro) und Zuwendungen (24 000 Euro) die übrigen Teile beitragen. Neue finanzielle Spielräume werden sich durch eine Erbschaft in Höhe von 80 000 bis 100 000 Euro ergeben. "Dieses Geld ist eine Hilfe, wenn wir unser Kapital in Immobilien anlegen wollen", sagte Lusche.

Konkret sehen die Pläne so aus: Der Christliche Verein junger Menschen (CVJM) betreibt in der Baumgartnerstraße einen Schülertreff in einem Haus, das der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Lörrach-Steinen gehört. Diese will das Haus verkaufen und der CVJM fürchtet deshalb um den Bestand des Jugendraums. Falls die Bausubstanz nicht zu viel Renovierung erfordert und wenn die Stadt eine garantierte Miete sichert, so Lusche, könnte die Bürgerstiftung das Gebäude kaufen und es über die Vermietung refinanzieren. (Siehe auch einen Beitrag auf der zweiten Lokalseite.)

Beim zweiten Vorhaben ist der Museumsfonds gefordert. Dieses Kapital, das der Museumsverein unter das Dach der Bürgerstiftung gegeben hat, darf nach einer zwischenzeitlich auch vertraglich festgelegten Vereinbarung nur zum Zweck der Sicherung oder des Ausbaus der Museumssammlung verwendet werden – und um diese Sammlung ist es derzeit unter konservatorischen und arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten schlecht bestellt. Seit Jahren schon mahnt Museumsleiter Markus Moehring die Bereitstellung eines neuen Depots an, weil die derzeit im alten Suchard-Gebäude angemieteten Räume unzulänglich sind. Nun berichteten Moehring (auch in seiner Eigenschaft als Vorstand des Museumsvereins) von den Plänen, das Projekt selbst in die Hand zu nehmen. Man sei in Gesprächen darüber, das Depot selbst bauen zu wollen, wobei die Stadt dann als Mieterin auftreten müsste. "Wir warten auf einen Grundstücksvorschlag der Stadt", sagte Moehring.

Sprachförderung bleibt Hauptaufgabe

Neben diesen zukünftigen Projekten pflegt die Bürgerstiftung weiterhin ihr zentrales Arbeitsfeld, die Sprachförderung. Dabei profitiert die Bürgerstiftung derzeit stark davon, dass sie in ein Bundesprogramm aufgenommen wurde. Der Bund finanziert eine halbe Stelle. Diese Arbeitskraft setzt Michaela Kern für die Betreuung von sogenannten Sprach-Kitas in Lörrach und im Umland ein.

"Auf los geht’s los" ist der Titel eines weiteren Dauerbrenners in der Arbeit der Bürgerstiftung. Dabei können sich Kinder um die Teilnahme an besonderen Projekten bewerben. Auch die Unterstützung der Kinderbuchmesse gehört zur Tätigkeit. Ute Lusche und Stiftungsratsvorsitzender André Marker, der die Versammlung leitete, zogen außerdem noch eine positive Bilanz zur Nutzung der Sportgeräte, die von der Bürgerstiftung für den Grüttpark und neuerdings für den Spiel- und Begegnungsplatz in Stetten bereitgestellt wurden. Letzteres wurde finanziert aus Spenden anlässlich des Tods des engagierten Stiftungsmitglieds Roland Wetzel. (Beiträge über die Sprachförderung und über die Arbeit der assoziierten Schubert-Durand-Stiftung in den nächsten Ausgaben.)

Autor: Willi Adam