Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. Februar 2010

Tolle Teamleistung der Zunft-AH

Famose Dribblings auf die Mitte des Lachzentrums / Zunftabend-Spitzenspiel in der Alten Halle / Ideen- und temporeich.

  1. Zwei aus einer feinen Dreier-Runde der Dichterfürsten: Schiller (Stephan Vogt, links) und Johann Peter Hebel (Axel Leuger); Goethe war auch dabei. Foto: Barbara Ruda

  2. Hansi und die Oberbürgermeisterin: Den bekanntesten Gärtner der Stadt und OB-Berater spielt Karl-Heinz Sterzel (links), die OB ist Stephan Vogt. Foto: Barbara Ruda

  3. Bonanza im Best Western-Hotel: (von links) Ralf Buser (Adam Cartwright), Klaus Ciprian-Beha (Little Joe), Stephan Vogt (Ben Cartwright). Foto: Barbara Ruda

  4. Vorne das Lagerfeuer, hinten das Matterhorn, da halten die Schweizer Kriegsrat: (von links) „der erschte Auguscht“ (Karl-Heinz Sterzel), Häuptling „brune Bär Blocher“ (Andreas Glattacker), „dr Mässmogge“ (Axel Leuger) und das „Basler Leckerli“ (Hans-Peter Schuldt). Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Das intensive Üben samt Trainingslager im Herbst hat sich gelohnt. Die AH-Mannschaft der Lörracher Zunftmeister zeigte sich am Donnerstag im ersten Narrenspiel dieser Zunftabendsaison in Bestform, bot im famosen Zusammenspiel eine geschlossene Teamleistung, die immer wieder Kabinettstückchen und begeisternde Soloauftritte ermöglichte. Fast unnötig zu erwähnen, dass dabei reichlich Treffer erzielt wurden: mit Figuren und Pointen. Übrigens: AH steht diesmal nicht für Alte Herren, was ohnehin relativ ist, sondern für Alte Halle. Dort sind die Zunftmeister nun angekommen.

Dieser Spielort bietet beste Bedingungen für die Akteure und ihr Publikum, beide sind nah beieinander, die Atmosphäre ist familiär, was von Spielbeginn an die gute Stimmung förderte. Das Publikum, ob in fasnächtlicher Fanbekleidung oder in Zivil, feierte sich mit La-Ola in Form von Schunkelrunden selbst.

Die erste Halbzeit, in der sich die Zunftmeister in früheren Spielen nach starker Anfangsphase schon mal einen Durchhänger gönnten, behielt das gute Anfangsniveau bis zum Schluss. Sie begann mit flottem Flügelspiel um Herd und Küchentisch, wobei von Obama bis Bildung ("Ein Kind wird kommen, es wird schon alles können...") ein bunter Themenstrauß bequatscht und besungen wurde. Gleich in der zweiten Szene setzte Karl-Heinz Sterzel, spielerisch mit besten Möglichkeiten ausgestattet, mit seinem Solo als Eugen Fauser und dessen Double Fauser Geni ein Glanzlicht. Vom Feinsten dieses kabarettistische Dribbling durch die Mitte einer Ein-Personen-Generalversammlung des FV Lörrach. Dann rollt die verbale Doppelpasswelle auf die Lachmuskeln aus der Tiefe des Küchen-Raumes, wo die ganze Bonanza-Family sich um die lokale Prominenz bei der Eröffnung des Best-Western-Hotels kümmert, inklusive Frisör für die OB. Und schon in der nächsten Szene überraschen die Lörracher Wortwitz-Spieler mit einer lokalen Adaption von Hannes und der Bürgermeister mit "Hansi und die Oberbürgermeisterin". Die besetzt nämlich von Südwesten her die wichtigen Rathäuser (Hasel, Rümmingen, Inzlingen) mit eigenen Leuten, strebt – das ihre Vision – dann selbst nach Stuttgart ("Ende der Mappus-Show"), um von da aus den Weiler OB Dietz zu entfernen.

Werbung


Da hätte der Hansi Gempp – was für ein Hintersinn – nicht sich selbst, sondern die OB spielen sollen. Aber er wurde kurz vor der Premiere krank und musste leider ersetzt werden. Dafür hatte diese Mannschaft nur fünf Tage Zeit und bewies so ihren auch in schwierigen Situationen tragenden Teamgeist. Respekt.

Auch nach dem Pausentee – Spielertrainer Sterzel musste eigentlich nur sagen: "Weiter so, Jungs!" – blieb es auf hohem Niveau ein Spiel auf ein Tor. Tüllinger-hohe Abwehrmauern wurden Richtung Weil mühelos ausgetrickst, die gesamte eidgenössische Defensive sah sich in einem Feuerwerk von Frotzeleien einbrechen, im Kurzpass-Tratsch der Märtwiiber blieb kein Auge trocken und gleich nach Wiederaufnahme des Spiels hatte das tolle Dichter-Trio Schiller-Goethe-Hebel erfrischendes und ebenso intelligentes literarisch-lokales Possenspiel vorgeführt mit manch listenreicher Finte und trockenem finalem Schuss ins Ziel.

In die Schlussoffensive legten sie dann erwartungsgemäß noch einmal alles hinein, scheuten nicht vor mexikanischen Trikotanleihen zurück und setzten auch hier zielgenaue Einwürfe, die mit bisweilen prächtigem Kopfballspiel verlängert wurden und bekamen vom begeisterten Publikum sogar Standing Ovations.

Fazit: Das AH-Team der Narrenzunft hat ein klasse Spiel abgeliefert. Spielerische und textliche Schwächen – normal, wenn man direkt aus dem Training kommt – wurden pfiffig ausgebügelt (aus der Coachingzone kamen da hilfreiche Zurufe) und die Spieler kamen ohne verbale Fouls und schlüpfrige Nicklichkeiten aus. So ein Spiel kann man sich gut auch zwei Mal anschauen.

Eine Fotogalerie im Internet unter http://www.badische-zeitung.de/loerrach

Autor: Nikolaus Trenz