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26. Juli 2011

Umweltfreundliches Unikat

In der Kaltenbach-Stiftung entstand in zwei Jahren ein Fahrrad mehrheitlich aus nachwachsenden Rohstoffen.

  1. Öko-Fahrrac Foto: Dilbahar Askari

LÖRRACH. Zwei Jahre lang trafen sich jede Woche Jugendliche zum Handwerken und Experimentieren in der Metallwerkstatt der Dieter Kaltenbach-Stiftung. Jeder von ihnen konnte dabei die grundsätzlichen Techniken des Schreinern, Schmiedens und Konstruierens erlernen und außerdem Erfahrungen in Teamarbeit und innovativem Denken sammeln. Am Freitag stellten sie ihr großes Gemeinschaftsprojekt vor, ein Öko-Fahrrad, das hauptsächlich aus erneuerbaren Rohstoffen besteht.

Es ist nicht besonders viel los an diesem Freitagnachmittag auf dem Gelände der Kaltenbach-Stiftung in Stetten. Ein paar Kinder spielen auf dem Weg zwischen den verschiedenen Gebäudekomplexen. Ob sie wohl wissen, wo es hier zur Metallwerkstatt geht? "Ganz da hinten", antwortet ein kleines Mädchen und ihr kleiner Spielgefährte fügt hinzu: "Dort, wo es am Dunkelsten ist!" Er scheint das aus irgendeinem Grund urkomisch zu finden.

Tatsächlich befindet sich der Eingang zur gesuchten Werkstatt am Gebäudeende. Man steigt eine Treppe hinab in den Keller und steht vor einer schweren Türe. Und drinnen steht es nun, das Prachtstück. Es ist umringt von seinen jungen Erbauern: Andreas Defanti, Karim Abu, Rita Thembo und Kamil Yildiz sind alle Hortkinder oder ehemalige Hortkinder der Kaltenbach-Stiftung und seit zwei Jahren jeden Freitag am werkeln, sägen, schleifen, schweißen, schmieden.

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Das Ergebnis ihrer Arbeit steht nun hier, stolze geschätzte zwölf Kilo schwer und das Wichtigste – zu 80 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut. Ein glänzender Rahmen aus armdickem Bambus, ein nagelneuer Ledersattel, Holzgriffe und Holzfelgen. "Es gibt nur einen einzigen Hersteller in Italien, der solche Felgen herstellt", erzählt Uwe Friedrich, der die Gruppe bei dem Projekt betreut hat.

"Ich habe gemerkt, dass

Männerarbeit gar nicht

so schwer ist. Mädchen

können das auch."

Rita Tembou
Seine kleine Bemerkung lässt den Aufwand nur erahnen, der hinter dem Bau des Ökofahrrads steht. Von der Beschaffung des biologischen Spezialklebers und der Hanffasern zum Zusammenhalten des Rahmens bis zu den Holzfelgen aus Italien. Am Anfang hätten aber noch ganz andere Probleme gestanden: "Wir haben einen ganzen Tag lang gebraucht, um den Rahmen zu vermessen", erzählt der Handwerker und Pädagoge. Ausmessen, ausrichten, anpassen an die Körpergröße und dann soll das Ganze auch noch fahren – Fahrradanatomie für Anfänger. Aber genau das sei schließlich die Idee des Projekts, das von der Landesstiftung Baden-Württemberg finanziell gefördert wird. Ausprobieren, experimentieren, Spaß haben und auch mal scheitern. "Wir haben Vieles nicht vorgegeben, sondern einfach mal machen lassen", so Friedrich.

Also sind alle Teilnehmer jetzt ausgesprochene Fahrradexperten? Zustimmendes Nicken in der Runde. Joachim Sproß, Geschäftsführer der Dieter-Kaltenbach-Stiftung erzählt: "Wenn hier mal ein Fahrrad kaputt war, haben wir es freitags in die Werkstatt gestellt und montags repariert wieder abgeholt." Viel gelernt haben sie also, die Jugendlichen.

"Ich habe gemerkt, dass Männerarbeit gar nicht so schwer ist, Mädchen können das auch", sagt die 15-jährige Rita Tembou. "Vielleicht sogar noch besser!", fügt sie selbstbewusst hinzu. Andreas, mit 18 Jahren der Älteste in der Runde, lächelt bei diesen Worten ein kleines bisschen spöttisch. Er erzählt von der guten Stimmung in der Gruppe, von dem Spaß, den sie zusammen gehabt haben. "Es war nur ganz selten langweilig", erzählt er. Nämlich dann, wenn ganz viel Geduld gefragt war, wenn während Stunden die gleiche Tätigkeit ausgeführt werden musste, zum Beispiel beim Schleifen eines ergonomischen Messergriffs, den sie ganz am Anfang herstellen sollten, als handwerkliche Vorübung für das Fahrrad gewissermaßen. "Mein Messer ist immer noch nicht fertig!", sagt er und lacht. Trotzdem- Schleifen kann er jetzt, das ist sicher.

"Die Arbeit in der Werkstatt hier kann ihnen später in der Ausbildung zu Gute kommen", sagt Dietrich Sproß. Gerade deshalb sei es schade, dass ein solches Projekt nur noch einmal zustande kommen könne, da die Förderung der Landesstiftung Baden-Württemberg normalerweise nur für Schulen vorgesehen sei. Und was geschieht jetzt mit dem Glanzstück, dem "weltweit wahrscheinlich einzigen" Ganz-und-gar-Ökofahrrad? Patentrecht und Massenproduktion? Alle lachen. Nein, eher nicht. "Wir wissen noch gar nicht, was wir genau mit dem Rad machen", so Joachim Sproß. "Vielleicht verschenken oder verkaufen, vielleicht auch versteigern."

Erst einmal wird es im Foyer ausgestellt. Bevor sie es aber abgeben, wollen die jungen Fahrradbauer erst einmal selbst testen, wie es sich auf ihrem Rad so fährt. Dafür wird es aus dem Keller rausgetragen, Kamil steigt auf und fährt los. Er düst um die Ecke, danach einmal um den Block herum. Es dauert ein Weilchen, bis er zurück kommt. "Der ist bestimmt mit dem Rad abgehauen", scherzt jemand.

Autor: Dilbahar Askari