Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
30. September 2011
Vom Pilotprojekt zur festen Einrichtung
Fachstelle Wohnungssicherung wird festgeschrieben / Gemeinderat von Notwendigkeit überzeugt.
LÖRRACH (seh). Die Fachstelle Wohnungssicherung, die im November 2009 als Pilotprojekt begann und beim Erich-Reisch-Haus angesiedelt ist, wird zu einer verlässlichen, unbefristeten Einrichtung "verstetigt". Dem stimmte der Gemeinderat gestern mit Billigung aller Fraktionen zu. Die Stadt gibt für das 25-Prozent-Deputat ab 2012 jährlich 17 475 Euro aus. Bisher war diese Arbeit, die Sylvia Ziegler leistet, mit 20 Prozent veranschlagt, sie wird also nicht nur zur Dauereinrichtung, sondern auch minimal aufgestockt.
Alle Ratsfraktionen und Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm dankten Sylvia Ziegler für die engagierte Arbeit und gaben ihrer Überzeugung Ausdruck, dass diese Arbeit unverzichtbar sei. Die Fachstelle bei der AGJ (Wohnungslosenhilfe im Landkreis) hat im Kern die Aufgabe, Wohnungslosigkeit abzuwenden, indem sie Menschen aus Lörrach unterstützt, gegen die eine Räumungsklage eingereicht wurde. Sie ist eine gut vernetzte Beratungs- und Koordinierungsstelle und Ansprechpartnerin für Menschen, die meist wegen Mietschulden vor dem Verlust der Wohnung stehen. Weil die Stadt zuständig ist, wenn Obdachlosigkeit tatsächlich eintritt, spare die Fachstelle mit ihrer Präventionsarbeit der öffentlichen Hand zwar auch Geld, war man sich einig, in erster Linie aber gehe es um die humanitäre Aufgabe.
Werbung
Der Probelauf habe die Erwartungen erfüllt, lobte die Oberbürgermeisterin. "Der Erfolg gibt dem Projekt Recht", formulierte Ursula Vollmer für die CDU. Christiane Cyperrek (SPD) bezeichnete es als erschreckend, was der "informative Abschlussbericht" von der Pilotphase offenbare. "Es gibt mitten unter uns soziale Parallelwelten, die so klein nicht sind", sagte sie. Auf die komplexen Problemlagen, die hinter drohender Wohnungslosigkeit oft steckten, könne nur qualifiziertes Personal angemessen reagieren.
Einig waren sich die Fraktionen darin, dass die Fachstelle in mehrere Richtungen ziele. Es gehe darum, zu helfen und am Ende kostengünstigere Prävention zu leisten. Als Ortspolizeibehörde sei die Stadt auch in der Pflicht. Da man bei der steigenden Zahl von Zwangsräumungen in Lörrach kaum davon ausgehen könne, dass sich das Problem in nächster Zeit erledige, tragen auch die Freien Wähler den Antrag mit – auch wenn die Faktenlage dahinter eine traurige sei, so Werner Lacher. Nach dem Bericht wurde in der Pilotphase zu 47 Haushalten Kontakt aufgenommen, 30 Räumungen wurden verhindert, das entspricht einer Erfolgsquote von 63 Prozent.
Autor: seh
