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20. August 2011

Weniger Müll und mehr Verständnis

"Wir kümmern uns": SIP-Teams treten an öffentlichen Orten mit Jugendlichen in Kontakt / Arbeit wird gut angenommen.

  1. Das SIP-Team, erkennbar am weinroten Shirt, im Einsatz: Jan Funke (links) und Horst Frey im Gespräch mit jungen Leuten am Grüttsee. Foto: Sabine Ehrentreich

LÖRRACH. Weinrot sind die Shirts, darauf die Lörrach-Lerche und die drei Buchstaben SIP. So als Team erkennbar, gehen fünf Mitarbeiter der Kaltenbach-Stiftung und zwei der Stadt seit Beginn der "Sommerphase" in Zweierteams an die Plätze, an denen sich Jugendliche aufhalten. SIP steht für Sicherheit, Intervention, Prävention, das Projekt von Stadt und Kaltenbach-Stiftung dahinter heißt "Wir kümmern uns" – und das offenbar mit Erfolg.

Einer der Jungs, die auf der Skater-Anlage lustvoll über die Geräte turnen, hat einen Platten im Fahrradreifen. Er ist in eine Scherbe gefahren – ärgerlich, aber ein guter Anknüpfungspunkt für das Gespräch mit den SIP-Kollegen, heute sind das Jan Funke von der Kaltenbach-Stiftung und Horst Frey vom Gemeindevollzugsdienst. Die beiden erläutern, wer sie sind und was ihre Aufgabe ist: es gehe nicht darum, Jugendliche zu vertreiben, Bußgelder zu kassieren oder anzuzeigen; Personalien werden nicht aufgenommen. Ihnen nahezubringen, dass sie Ruhezeiten respektieren, ihren Müll wegräumen, Glas nicht zerschlagen oder Kippen nicht herumliegen lassen sollen, ist das Anliegen der SIP-Leute. Freilich ist das Team mehr als eine Müll-Feuerwehr. Es geht auch darum, den Jugendlichen (und Erwachsenen) ein Gefühl der Sicherheit zu geben, vor allem für Mädchen ist das nach den Erfahrungen der ersten Monate wichtig. Das Team fragt nach Wünschen, da stehen Sitzgelegenheiten, größere Müllbehälter oder ein Grill ganz oben. Auch Hilfen werden angeboten, wo dies nötig scheint. Das funktioniert dann, sagt Funke, wenn die Jugendlichen sie nach mehreren Kontakten besser kennen. Viele sind an den gleichen Orten immer wieder anzutreffen, da gelinge es, Vertrauen zu schaffen.

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Oft braucht es dafür nicht viel. Die jungen Leute, die sich heute auf den Grüttsee-Stegen aufhalten, kennen die SIP-Leute zwar noch nicht. Nachdem die sich aber vorgestellt haben, finden sie die Anliegen einfach nur sinnvoll. Sie habe gehört, dass es in der Vergangenheit schon Stress gegeben habe im Grütt, sagt eine der Jugendlichen. Wenn da jemand nach dem Rechten sehe, fühle sie sich sicherer.

Zwar seien sie keinesfalls "Hilfsbeamte der Polizei", betont Horst Frey, aber wenn es mal brenzlig würde, könnten sie die Polizei natürlich rufen. Vorgekommen ist das in den ersten Monaten der Projektlaufzeit noch nicht, aggressive Situationen blieben den Teams bisher erspart. Überhaupt ist es ums Grütt angenehm ruhig geworden.

Der große Park ist natürlich nicht das einzige Revier, in dem das SIP-Team tätig ist. Jugendliche – die Zielgruppe sind die 12- bis 20-Jährigen – halten sich an den Wiesionen-Orten auf, auf Spielplätzen und Schulhöfen, überall sehen die gemischten Teams nach dem Rechten. Man habe lange abgewogen, wie man vorgehen wolle, erklärt Bürgermeisterin Marion Dammann, und dann das Vorbild in Zürich gefunden. Der Ansatz sollte weder zu repressiv noch zu präventiv sein, der eingeschlagene Weg werde nach den bisherigen Erfahrungen gut angenommen. Donnerstags bis samstags von 16 bis 23 Uhr ist das Team unterwegs. Natürlich spielt sich mancher Vorfall erst danach ab.

Bis Ende September läuft das Projekt in dieser Form, dann wird ausgewertet. Lily Winzer, Studentin der Sozialen Arbeit an der Dualen Hochschule Stuttgart, befasst sich mit der Evaluation. Dann kommt SIP in die Gemeinderatsgremien, die darüber entscheiden, ob das Projekt im Umfang einer Personalstelle zur Dauereinrichtung wird. Der bisherige Eindruck ist gut. 2011 sind bei der Stadt noch keinerlei Beschwerden über Störungen durch Jugendliche eingegangen. SIP hat da vermutlich seinen Beitrag geleistet.

Autor: Sabine Ehrentreich