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15. Januar 2009
"Wichtiger Schritt zur Gleichberechtigung der Juden"
Fuhl kritisiert antisemitische Töne bei "Friedensdemonstration" in Lörrach / Feierstunde zum 200-jährigen Bestehens des Oberrates
LÖRRACH (ktz). 200 Jahre Oberrat der Israeliten Badens – ein Anlass zum Feiern. Der zentrale Festakt findet am 8. März in Karlsruhe statt. Am historischen Datum, dem 13. Januar, gab es Erinnerungsfeiern in fast allen zehn badischen jüdischen Gemeinden, so auch in Lörrach im Festsaal der Synagoge. Bürgermeisterin Marion Dammann vertrat dabei die Stadt Lörrach, auch der Vorsitzende des Förderkreises Synagoge Lörrach, Hans-Werner Grotefendt, war unter den Gästen.
Wolfgang Fuhl, der in Lörrach lebende Vorsitzende des badischen Oberrates, bezog vor den rund sechzig Anwesenden zunächst Stellung zum Krieg zwischen Israel und der Hamas. Die Hamas, so Fuhl, sei eine Terrororganisation, die die eigene Bevölkerung als menschliche Schutzschilde missbrauche und in ihrer Charta die Vernichtung Israels als Ziel habe und keine Frieden wolle. Seit acht Jahren beschieße sie Israel mit Raketen. Israel habe nicht nur das Recht, sich zu verteidigen, sondern "die Pflicht, seine Einwohner, ob jüdisch, christlich, muslimisch, Drusen oder Bahai, vor Terror zu schützen", sagte Fuhl.
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Kritisch wertete er die Demonstrationen hierzulande. Es sei unerträglich, so der Oberratsvorsitzende, dass es dabei antisemitische Aufrufe gebe. Auch bei der vom Arbeitskreis Dialog Integration Miteinander (ADIM) in Lörrach organisierte Demonstration am 3. Januar habe es antisemitische Rufe und Transparente gegeben. Den Auftritt eines muslimischen Mitglieds der Gruppe Abraham bei dieser Demonstration, das sich nicht distanziert habe, werde die Israelitische Kultusgemeinde zum Anlass nehmen, über ihr Engagement in der Gruppe Abraham zu beraten. Diese bemüht sich in Lörrach seit 2001 um den interreligiösen Dialog von Juden, Christen und Muslimen.
In einem historischen Rückblick skizzierte Fuhl 200 Jahre Geschichte der Juden in Baden und würdigte die Bedeutung des Judenedikts von Großherzog Carl Friedrich vom 13. Januar 1809 als wichtigen Schritt zur rechtlichen Gleichstellung. Die Aufgaben des Oberrates hätten sich seither nicht sehr verändert, wohl aber die Situation der Gemeinden, die 80 Prozent zugewanderter Juden integrieren müssten. Vorrangig sei derzeit der Aufbau der Infrastruktur und eine bessere personelle Ausstattung. Nur zwei der Gemeinden in Baden hätten fest angestellte Rabbiner.
In einer Lesung aus der "Zeitschrift des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" wurde daran erinnert, wie vor 100 Jahren das Jubiläum bewertet und begangen worden war. Danach sang der Chor der Lörracher Gemeinde mit seiner Leiterin Tatjana Filaretova, ehe die Gäste bei einem von den Frauen der Gemeinde vorbereiteten Büfett die Gelegenheit zum Gespräch nutzten.
Autor: ktz
