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07. Juli 2017 02:11 Uhr

Burghof Lörrach

Wie war’s bei … Thomas Quasthoff bei Stimmen 2017?

Das Thomas Quasthoff Quartett hat das Stimmen-Festival 2017 im Lörracher Burghof eröffnet. Die vier Künstler boten smoothe Klänge, starke Rhythmen und innige Momente.

  1. Ganz in der Musik versunken: Thomas Quasthoff Foto: Barbara Ruda

  2. Das Quartett auf der Bühne Foto: Dorothee Soboll

  3. Großer Andrang beim Eröffnungskonzert des Stimmen-Festivals 2017 Foto: Dorothee Soboll

Das Publikum
Es waren Zuhörer in der Altersklasse da, die man bei einem klassischen Liederabend vermuten würde. Quasthoff scherzte bei einer seiner Zwischenmoderationen: "Wer die Winterreise erwartet hat, wird enttäuscht." Das Publikum ist im Schnitt 60 Jahre alt – der Begeisterung tut das keinen Abbruch. Auch den wenigen jungen Menschen, die gekommen sind, gefällt der Abend offensichtlich gut.



Die Vorgeschichte
Markus Muffler, der Festival-Chef und Leiter des Burghofs, begrüßt die Zuhörer. Er erzählt, dass es drei oder vier Jahre gedauert habe, bis Quasthoff bei Stimmen aufgetreten sei. Sichtlich froh wünscht er einen tollen Abend mit einem "großartigen, wunderbaren Thomas Quasthoff Quartett."

Die Setlist
"Dieses Lied werden sie kennen, aber vielleicht nicht in dieser Version." Dieser Satz fällt am Abend oft. Die vier Musiker verleihen so manchem Stück ein anderes Gesicht. Darunter sind so bekannte Songs wie "My Funny Valentine", "You Are So Beautiful", "In My Solitude" und "For Once In My Life".

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Der stillste Moment
Die ersten Töne von "Imagine" erklingen; das Publikum ist muckmäuschenstill. Quasthoff interpretiert den Song von John Lennon zu zweit mit dem Pianisten Frank Chastenier.

Das Zusammenspiel
Es treten vier Ausnahmemusiker auf, die überwiegend eine Einheit bilden. Dem Jazz entsprechend sind Instrumente und Stimme nicht immer einer Meinung, aber die gewollten Reibungen lösen sich schnell wieder auf. Das Quartett hat sichtlich Spaß. Ihr Programm ist so gestaltet, dass mal der Freiburger Bassist Dieter Ilg, dann der Pianist Frank Chastenier und auch der Schlagzeuger Wolfgang Haffner mit ihren Soli brillieren. Dazwischen improvisiert Quasthoff immer wieder und holt erstaunliche Klänge hervor. "Wir sind keine Zweckgemeinschaft", sagt der Sänger. "Hier stehen echte Freunde auf der Bühne." Das merken auch die Zuhörer.

Das stärkste Stück
Das Publikum geht am meisten bei "Lost mind" mit – ohne zu klatschen. Es ist eine andere Art des Zuhörens, ein besonderer Moment. Von der ersten Note an zieht das Quartett die Zuhörer in seinen Bann. Der Song groovt unaufgeregt bis zum Ende. Zurückhaltend, mit Kraft, aber doch transzendent – Instrumente und Stimme harmonieren bei dem Stück einfach.

Das bleibt im Kopf
Wie aus dem Nichts improvisiert Thomas Quasthoff immer wieder. Einmal entsteht aus rhythmischen Lauten, die sich auch zur Melodie entwickeln könnten, ein Monolog. Meist unverständlich scheint er mit sich selbst zu sprechen, sich zuzusingen. Dann rutschen Worte heraus, gut hörbar: Parteinamen, politische Äußerungen. Er schließt mit einer kurzen Ansprache: "Viele sagen, Musik sei nur Unterhaltung. Aber stellen Sie sich vor, man hätte diese Musik nicht mehr, sondern nur noch die Nachrichten." Quasthoff sagt weiter: "Musik hat viel mit Nächstenliebe zu tun. Wir auf der Bühne hören einander zu, das wird heute zu wenig getan. Unser Job ist definitiv wichtiger als Politiker, die irgendeinen Stuss erzählen."

Das Licht
Gen Ende der ersten Hälfte bittet Quasthoff den Burghof-Techniker darum, den Saal etwas zu erleuchten. "Ich möchte doch sehen, für wen ich singe. Oder wissen Sie, warum Sie das Licht ausmachen? Könnte das Lörracher Publikum uns Musiker erschrecken?" Es ist einer der vielen Lacher des Abends.

Das Fazit
Das Konzert des Thomas Quasthoff Quartetts ist ein fulminanter Auftakt für das Stimmen-Festival 2017. Eine Stimme, die die Lörracher sehr gerne hören. So passt auch das letzte Lied "We’ll be together again", es ist ein "Auf Wiedersehen". Der große Thomas Quasthoff verabschiedet sich von seinem Publikum im Burghof ganz unprätentiös mit den Worten "Und tschüss. Danke, Lörrach".

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Autor: dso