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26. Februar 2011

Zum Jubiläum großes Narrentheater

Schlagzeilenträchtige Themen inspirieren Zunftabendmacher / Ex-Protektor als "Wahlhelfer" / "Jung, dynamisch, kreativ".

  1. OB mit Maler: Karl Heinz Sterzel, Stephan Vogt Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Die Premiere des Jubiläumszunftabend ist der 343. Zunftabend in der Geschichte der Narrenzunft, die in diesem Jahr mit der Gilde 75 Jahre Lörracher Fasnacht feiert. Aus diesem Anlass, so Oberzunftmeister Karl Heinz Sterzel hätten sie sich "e bsunderi Müeh geh". Ob’s klappt, werde man sehen. Und wie’s geklappt hat! Nicht selten war von Zunft-Erfahrenen an diesem Abend zu hören: "Einer der besten Zunftabende, die ich je gesehen habe."

Es ist eine geschlossene Teamleistung, in der jeder seinen Beitrag zum Erfolg leistet, es sind die wunderbar zu den Rollen und Typen passenden Kostüme und Perücken (Zunftmeisterin Heike Geitlinger), es ist die nicht enden wollende Fülle an pfiffigen und witzigen Details, von der unerfüllten Suche nach Synchronität in den Tanzschritten beim Drei-Stadträtinnen-Sirtaki in der Auftaktszene über den athletisch in die Breite gegangenen Herrn Schmalhans, der als Verkörperung des Breitensports kaum noch durch die Tür des neuen Sportbüros kommt, bis zu manchem auf die Pointe verkürzten Thema. Beispiel: Kachelmann, dem der Prozess gemacht wird. Die Zunftmeisterkurzgeschichte dazu: Der Wettermann ist geboren in Lörrach, aufgewachsen in Weil am Rhein – "dann het er e schwierigi Kindheit gha". Und alles ist gesagt.

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Auf diese und ihre spezielle Art, die Sujets in Szenen auszuspielen, handeln die Zunftmeister eine Fülle von Themen ab – fast alle aus dem lokalen/kommunalpolitischen Fundus, das glossierende Spiel mit den Protagonisten des richtigen Lebens inklusive. Von den schlagzeilenträchtigen Themen Sportentwicklungsplan und Fußball im Grütt, der Verkehrsführung in der Innenstadt, dem Hebelpark und der OB-Wahl sind die großen Szenen inspiriert. Dabei gelingt auch so ein heikles Thema auf der Zunftabendbühne wie der Hebelpark. Penner im Park, die das hohe Lied aufs Bier singen, stehen feinen Geschäftsfrauen gegenüber, die sie einfach weg haben wollen. Vom Reden übereinander kommt es zum Reden miteinander und schließlich zum Verständnis, dass in einer Stadt Platz für alle sein muss. Diese als Mini-Musical angelegte Nummer ist ein, wenn nicht der Höhepunkt des Abends. Zumal bei allem Ernst das heitere Augenzwinkern nie fehlt. Hut ab, sagte zum Beispiel Alt-Zunftmeister Karl Heinz Klettke: "An diese Melodien hätten wir uns nicht gewagt." Daran haben Rolf Hauser und die Nigthshadows als Hausband der Zunft gewichtigen Anteil. Denn alles ist live.

Natürlich pflegen sie auch in diesem Programm die spezielle Zuneigung zu den Eidgenossen und zu den Weilern, wie immer unter dem Motto "was sich liebt das neckt sich". Dass die Stadtoberhäupter der Nachbarstädte sich nicht gerade innig zugetan sind, hat sich unterdessen sogar zum "Engeli-Moler" Adolf Glattacker rumgesprochen, der für einmal aufersteht und die OB, die beim Hören des Namens Dietz so schön das Gesicht verzieht, als Putte in Öl auf Leinwand verewigt. Es ist unmöglich, die Fülle der geglückten Pointen auch nur anzudeuten. Mehr als 1600 Besucher in der Alten Halle werden sich bis Fasnacht an acht Zunftabenden bestens amüsiert haben an dem Medley an Melodien, der Vielfalt der witzig und geistreich gewendeten Themen, an den zwei flotten Tänzen der Zundelgirls, den guggemusikalischen Krachern (in der Premiere erfreute der Stadtspielmannszug mit klingendem Spiel) – und nicht zu vergessen – an Hubert Bernnat. Der schulleitende Ex-Protektor hat sein Herz für die Fasnacht entdeckt und macht aus der Ansager-Rolle als "Wahlhelfer" eine eigene famose Nummer.

Auf Seiten der Zunft begeistern auf der Bühne das Kernteam Karl Heinz Sterzel, Stephan Vogt, Klaus Ciprian-Beha, Hansi Gempp, Andreas Glattacker und Axel Leuger, dazu mit kleineren Auftritten Ralf Buser, Christoph Schuldt (als Zunftstift zum ersten Mal) und Hans-Werner Schuldt. 75 Jahre und immer noch "jung, dynamisch und kreativ" sei die Zunft, schreibt Oberzunftmeister Sterzel im Programmvorwort. Wenn es eines Beweises bedurfte, dann wird mit diesem Programm eindrucksvoll erbracht.

Zum Zunftabend gibt es ein Fotoalbum auf http://www.badische-zeitung.de

Autor: Nikolaus Trenz