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01. Februar 2012

Zunft der beliebten Unterhaltungshandwerker

Zunftmeister vor der Premiere 2012 / "Nightshadows" jetzt 15 Jahre dabei / Ein neuer Kulissenmaler / Auf Gönner angewiesen.

  1. Zunftmeister vor dem Zunftabend: (von links) Oberzunftmeister Karl-Heinz Sterzel, Ralf Buser, Andreas Glattacker, Hans Gempp Foto: Nikolaus Trenz

LÖRRACH. Am 8. Februar steigt in der Alten Halle in Haagen die Zunftabendpremiere. Am Ende der acht Zunftabende werden 1600 Besucher viel gelacht und geschunkelt haben. Dann haben die Zunftmeister der Narrenzunft Lörrach wieder ihr Ziel erreicht: "Eine lange Tradition wahren und den Menschen Freude machen", wie das Andreas Glattacker formuliert. Ein kleines Jubiläum können sie heuer auch feiern: Ihre Zunftabendband, die "Nightshadows", begleitet sie nunmehr fünfzehn Jahre.

Natürlich lassen sie sich vorher nicht in die Karten schauen. Viel Lokales komme im Zunftabend vor, die große Politik und andere Geschehnisse fänden sich in erster Linie in den Gesangszenen und dann werden Schweizer und Weiler wieder herhalten müssen – das ist halt so. Weshalb Hans Gempp die Programmvorschau lapidar auf den Punkt bringt: "’s Gliich wie lescht Johr, numme mit eme andere Text."

An diesem anderen Text arbeiten die Zunftmeister seit September, diskutieren Ideen, verwerfen wieder, gestalten Szenen und formen schließlich das Programm. Glattacker ist da ein wichtiger Texter, sagen die anderen Gesprächspartner. Auf der Bühne stehen Karl-Heinz Sterzel, sein Stellvertreter als Oberzunftmeister Stephan Vogt, Ralf Buser, der auch für die Bewirtung in der Halle zuständig ist, Klaus Ciprian-Beha, Hansi Gempp, Andreas Glattacker, Axel Leuger und Christopf Schuldt. In acht Szenen vom Zweier bis zur Großszene kann man sie erleben. Die haben Titel wie "’S Wirtschaftswunder"; "D’City-Surfer", "Lueg au do ane" und "Märtwiiber".

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Bei den Hintergrundarbeitern gibt’s heuer eine einschneidende Änderung. Hans-Dieter Roth, mit mehr als vierzig Zunftjahren dienstältester Zunftmeister, hat den Pinsel beiseitegelegt. Sein Nachfolger als Kulissenmaler ist Mike Brombacher aus Fischingen, ein gelernter Künstler, sagt der Oberzunftmeister.

Der ist stolz auf seine Riege, ob eine oder einer auf oder hinter der Bühne zum Gelingen des Ganzen beiträgt. Und, angesichts des kleinen Jubiläums, hebt Sterzel den Beitrag von "Nightshadows"-Chef Rolf Hauser besonders hervor. Der Erfolg der Gesangsnummern sei auch sein Erfolg. Hauser gehe auf die Amateure ein und müsse viel Geduld haben. Stadthalle, Burghof, Kantine, Schlossberghalle, Alte Halle – die Band hat die bewegte Zeit der Zunft mitgemacht, in der wiederholt der Aufführungsort wechselte, ehe in der Alten Halle in Haagen das ideale Zunftabendhaus gefunden wurde.

Und doch macht die dort begrenzte Zuschauerzahl den Zunftmeistern bisweilen zu schaffen. Darum betont Andreas Glattacker: "Das geht nur, weil die Zunft einige gute Gönner hat." Denn, so rechnet Ralf Buser vor, eine Zunftabendsaison kostet alles in allem rund 30 000 Euro, die kommen nicht rein über Eintritte und das Programmheft. Dennoch sind sie nicht unzufrieden, wie es läuft. Nachdem vor ein paar Jahren da und dort schon der Abgesang auf die Narrenzunft angestimmt worden war.

So machen sie alle Jahre wieder einen närrischen Fasnachtsabend, obwohl mancher von ihnen eigentlich kein Fasnachtsnarr ist. Einen närrischen Theaterabend bieten sie ihrem Publikum mit dem Lörracher Stil, die Themen in ausgefeilten und ausgespielten Szenen zu präsentieren. Dabei nehmen sie auch die Narrenaufgabe wahr, den öffentlichen Akteuren den Spiegel vorzuhalten – aber so, dass man sich nachher noch in die Augen schauen kann. Unterhaltungshandwerker sind die Zunftmeister. Das Handgemachte komme bei den Leuten an, sind die Gesprächspartner überzeugt, von ihnen verlange man keinen Perfektionismus.

Alle acht Vorstellungen schon ausverkauft

Aber die Zeiten haben sich geändert. Längst gehört dieses Feld den Zunftmeistern nicht mehr alleine. Theater und Kabarett wird von Amateuren und Profis ganzjährig geboten. Die Zunftmeister verbinden das szenische Spiel mit dem pointengespickten Text auf spezielle, eben fasnächtliche Art und Weise. Dass ihre Zunftabende längst ausverkauft sind, bestätigt sie. In acht Zunftabenden sehen sie aber auch die Grenze dessen, was in zwei Wochen geht, mehr würde alles auch teurer machen.

Autor: Nikolaus Trenz