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05. Februar 2010 09:43 Uhr

Narrenzunft in der Alten Halle

Zunftabend überzeugt mit Zwischentönen

Viele gute Einfälle bei der Themenwahl, teils erstaunliche darstellerische Qualität, feinsinniger Humor und herzerfrischende Improvisationskunst als Folge des kurzfristigen Ausfalls von Hans Gempp – das sind die Schlagzeilen für den diesjährigen Zunftabend der Narrenzunft Lörrach.

  1. Allemannisch versus Englisch – das war das Thema bei diesem Sketch. Foto: Barbara Ruda

LÖRRACH. Als Mischung aus Kabarett-Club und Kammerspiel zelebrierten die Zunftmeister bei der Premiere am Donnestagabend ihre Saalfasnacht in der heimelig hergerichteten Alten Halle in Haagen. Die Zunftmeister gingen dabei einen Weg, der sich in den vergangenen Jahren schon abgezeichnet hatte, konsequent voran: Die Lörracher Fasnacht entfernt sich von schlüpfrigen Witzen und krachledernen Kalauern und bringt stattdessen eine mittlerweile sehr ausgefeilte Form von höherem Blödsinn auf die Bühne. Ganz offensichtlich sind sich die Zunftmeister bei der grundsätzlichen Richtung sehr einig. Dies spiegelt sich zumindest im Spiel der Hauptakteure (Karl-Heinz Sterzel, Stephan Vogt, Andreas Glattacker, Klaus Ciprian-Beha, Axel Leuger und andere), die trotz aller individueller Handschriften doch wie aus einem Guss agieren. Und dies wird in einem ausgesprochen sympathischen Zusammengehörigkeitsgefühl spürbar, das in jeder Szene über die Rampe schwappt und das Publikum ergreift. Ensemblegeist beflügelt eben. Vermutlich konnte auch nur damit der krankheitsbedingte Ausfall eines Akteurs wie Hans Gempp kompensiert werden. Im Schlussapplaus schlug sich jedenfalls auch die Bewunderung dafür nieder, wie die Zunftmeister kurz vor der Premiere noch mehrere Szene umstellten.

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Aus der homogenen Gruppe ragt doch ein Akteur besonders heraus. Es ist Oberzunftmeister Karl-Heinz Sterzel, der mit seinem ganz speziellen Humor das Ensemble inspiriert. Ein Kabinettstückchen war Sterzels Solo-Nummer, in der er spielt, wie Eugen Fauser ganz alleine mit seinem alter ego eine Hauptversammlung des FV Lörrach abhält. Kunstvoll schwebt Sterzel dabei über die Abgründe des bitterbösen absurden Theaters hinweg geradewegs in die Sphären des Slapstick.

Natürlich waren auch wieder die Dauerthemen Weil und Schweiz auf der Tagesordnung. Aber bei dieses fast schon rituell aufgegriffenen Sujets unterliefen die Zunftmeister die Klischees und griffen zu hintersinnigem Humor. Das gilt für den fiktiven Kriegsrat des indianisch-schweizerischen Bergvolks ebenso wie für den geheimen Plan der Oberbürgermeisterin, durch Besetzung aller möglichen baden-württembergischen Bürgermeisterposten letztlich den Weiler Amtskollegen stürzen zu können.

Autor: Willi Adam