Zur Fasnacht wird’s jeck

Maja Tolsdorf

Von Maja Tolsdorf

Mo, 12. November 2018

Lörrach

Beim Schnägge-Fescht zum Ölfde-Ölfde wird Monika Neuhöfer-Avdic als Protektorin eingesetzt.

LÖRRACH. Heiß, eng und laut war es im Lassersaal beim Schnägge-Esse der Narrenzunft am Sonntagmorgen. Ohne Rempeln, Schieben und Schubsen kam niemand am andern vorbei. Doch das gehört dazu, denn verbal wurde auch in der Bütt gerempelt. Und so mancher Pfeil abgeschossen, der gemäß der Losung für die neue Kampagne "Alles spinnt!" stets ins Schwarze traf. Die Lörracher Fasnacht bleibt in Frauenhand, denn neue Protektorin ist Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic.

Dass alles spinnt, wird auch an der Veranstaltung deutlich. Fast schon verwundert mag sich der Narr die Augen reiben, dass mit Monika Neuhöfer-Avdic nun eine Rheinländerin der Lörracher Fasnacht als Protektorin vorsteht. Ein dreifaches "Lörrach Alaaf" schmettert diese denn auch durch den Lassersaal und erhält eine Antwort. Auch wenn diese deutlich verhaltener ausfällt als beim Lörracher Narrenruf "Friss’n wäg, d’r Schnägg". Denn eigentlich legen die Narren der Region großen Wert auf die Verankerung mit der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Und doch nimmt man der neuen Protektorin in ihrer Rede ab, dass die Verbindung mit dem Rheinland eine gelungene sein kann. "Und heute gründen wir die rheinisch-alemannische Vereinigung", sagt sie. Vor den Narren liege nun ein Fest der Völkerverständigung. "Egal woher wir kommen uns alle vereint, Jecke und Narren der Lörracher Fasnacht zu sein".

In der Bütt wurde zum Schnägge-Esse mit dem sprichwörtlichen Finger auf alles gezeigt, was spinnt. Klar, an Donald Trump kommt man da nicht vorbei, deshalb reimte Hansi Gempp: "Am Trump hän d’Lüt ä Freud und nutze, wie wenn dä miteme Igel dusch s’Füdle butze". Heinz Sterzel nimmt eine Partei auf die Schippe: "Afd – Alternative für Deutschland, das wär’s gliche wie wenn d’Alternative zu Hoorusfall ä Glatze wär". Ungeniert konnte nun auch der Burghof, dessen Chef und das "Stimmen"-Festival auf Stammtischniveau gehoben werden. Es ist schließlich Fasnacht – da wird gelacht, worüber sonst debattiert wird. Anders als in politischen Gremien stieß das Gesagte nirgends auf Kritik. Wer anderer Meinung war, klatschte eben etwas leiser.

Thomas Wagner gelang über Kanalisationsrohre eine Verbindung der "Weihnachtsbaumhülse" auf dem Marktplatz, mit dem Burghof, "wo mächtig viel von dem Zueschiss äh Zueschuss wegzieht". Do Mufflert’s au ziemlich stark, reimt Wagner. An der Oberfläche ging seine Reise deshalb weiter über den Marktplatz. Und weil gerade "Stimmen"-Festival war, sei dort groß kein Mensch unterwegs gewesen. Dass es bei der Burghof-Stimmen-Diskussion nur um die Kostendeckung und nicht um Reibach ginge, beteuerte Peter Quercher in "Pecunia non olet – Geld stinkt nicht".

In den Losungsgedanken "Alles spinnt" von Hansi Gempp, nach der Verkündung durch Narrenzunft und Narrengilde, kam der Radverkehr auf die Schippe. "Dä Lörracher Velopapscht, do dä Gerd – dä spinnt nit, aber dä tickt vochert". Eine Veloautobahn wolle er bauen, obwohl die Radfahrer schon jetzt rücksichtlos herumfuhren wie die Spinner. Doch auch die Autofahrer bekamen ihr Fett weg: "Vo dä Autofahrer mag ich gar nit schwätze des isch e gruus – die sage zurück zur Natur, aber nicht zu Fuß".

Ein Fotoalbum gibt es auf BZ-Online, direkt anzusteuern mit dem Shortlink http://mehr.bz/schnaegge18