Zwei Kirchen auf einen Streich

Daniel Scholaster

Von Daniel Scholaster

Do, 08. November 2018

Lörrach

Evangelischer Oberkirchenrat stimmt der zeitgleichen Sanierung von Stadt- und Christuskirche zu.

LÖRRACH. Die Evangelische Kirchengemeinde Lörrach ist bei der Realisierung ihrer beiden geplanten Bauvorhaben einen großen Schritt weiter. Am Dienstag gaben Vertreter des Oberkirchenrats grünes Licht. Nun können die Ausschreibungen für die Sanierung der Stadt- und der Christuskirche beginnen.

Beide Kirchen sind dringend sanierungsbedürftig. Auf dem Areal der Christuskirche soll außerdem ein neues Gemeindehaus und eventuell ein Komplex mit Räumen für die Diakonie und das kirchliche Verwaltungs- und Serviceamt entstehen.

Mahnend stand den Vertretern der Pfarreien das Beispiel von St. Peter vor Augen. Das Kirchendach ist undicht und bis auf Weiteres können dort keine Gottesdienste stattfinden. Das soll im Fall der beiden evangelischen Kirchen vermieden werden. Pfarrer Markus Schulz wies darauf hin, dass in der Christuskirche nun Konzerte stattfinden müssten, die sonst in St. Peter aufgeführt würden. Wenn jetzt diese und die Stadtkirche auch noch geschlossen werden müssten, weil die Bauaufsicht die Sicherheit der Besucher als gefährdet betrachtet, wäre das ein verheerendes Signal. Konzerte seien eine gute Möglichkeit für die Kirchen, sich am kulturellen Leben der Stadt Lörrach zu beteiligen. Pfarrerin Gudrun Mauvais sprach in diesem Zusammenhang von "Kultureller Diakonie"und meinte damit, dass die Kirchen weniger wohlhabenden Menschen die Möglichkeit bieten sollten, Ausstellungen oder Konzerte besuchen zu können.

Kirchenrat Andreas Maier räumte ein, dass der Evangelische Oberkirchenrat (EOK) in Karlsruhe bisher bei einzelnen Bauprojekten in Lörrach gebremst habe. Der EOK wollte, dass die Kirchengemeinde ein Gesamtkonzept vorstelle. Schließlich befänden sich sämtliche Grundstücke in Lörrach im Besitz der Gesamtgemeinde und nicht einzelner Pfarreien. Das gelte auch für das Vermögen, das gemeinsam zu verwalten sei.

Um die umfangreichen Baumaßnahmen auf dem Areal der Christuskirche und die Sanierung der Stadtkirche zu finanzieren, werde es nötig sein, das "Tafelsilber" der Gemeinde zu verkaufen, wie es der Kirchengemeinderatsvorsitzende Jörg Thalmann ausdrückte. Dabei meinte er eine Reihe von Liegenschaften, die wegen sinkender Mitgliederzahlen – die Kirchengemeinde hat nur noch etwa achttausend Mitglieder in Lörrach und Inzlingen – nicht länger zu halten sind.

Ingo Horsch, im EOK zuständig für Baufinanzierung und Gebäudemanagement, empfahl, die Grundstücke lediglich zu verpachten, damit der Grundbesitz in Kirchenhand bleibe. Es lasse sich nicht absehen, wie sich die finanzielle Lage der christlichen Kirchen entwickeln werde und ob die Kirchensteuer nicht vielleicht einmal abgeschafft werde. Dann würden solche Grundstücke umso wichtiger sein.

Maier und die zuständige Architektin Ulrike Hautau wiesen darauf hin, dass es sinnvoll sein könne, wenn die Kirchengemeinde die Großprojekte nacheinander in Angriff nehme. Es gehe nicht darum, eine Pfarrei zu bevorzugen, aber wenn beides zugleich realisiert werde, könnten gleich zwei große Kirchen nicht genutzt werden. Maier versicherte jedoch, dass der EOK dennoch zustimmen werde, wenn die Gemeinde es so beschließe.

Das geschah dann auch umgehend. Die Ausschreibung für beide Bauvorhaben kann beginnen, was von den Vertretern der einzelnen Pfarreien mit großer Erleichterung aufgenommen wurde.