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09. Mai 2009
Zwei Nikoläuse im Monat Mai
72-Stunden-Aktion: Realschüler nähen, KjGler schaufeln, Young Spirit streicht – und alle sind entschlossen, ihre Aufgabe zu erfüllen
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Buddeln und wühlen bis in die Nacht – kein Wunder, dass die KjG mit ihrem Auftrag zu früh fertig war. Mit Zusatzaufgaben wird die Truppe auf Trab gehalten. Foto: Christian Lawitzky
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Veronica Stauss-Zengerle (Teddy), Steffie Weltin, Anastasia Reinhard, Galina Vaal und Corinna Stauss-Zengerle (Nikolaus) auf dem Weg zur ersten Spendensammlung. Foto: Christian Lawitzky
LÖRRACH. Zehntklässler halten sich bis nach 22 Uhr freiwillig in ihrer Schule auf. Bei HipHop-Musik und R’n’B-Klängen werden auf dem lichtdurchflutenden Hof des Bonifatius Kindergarten bis halb elf abends Steine geschleppt und Böden abgetragen. Gleiches geschieht auf dem Gelände des Familienzentrums, wo Kinder und Jugendliche bis eine Stunde vor Mitternacht arbeiten. Es ist Projektzeit.
Donnerstagnachmittag kurz nach fünf Uhr. Die Verkehrsmeldungen im Radio auf SWR 3 gingen gerade über den Äther, es folgt ein Countdown. Um Punkt 17.07 Uhr fällt der Startschuss für die "72-Stunden-Aktion". Die 10d der Theodor-Heuss-Realschule und weitere 2500 Gruppen in ganz Deutschland öffnen je einen Umschlag. Der Inhalt: eine Aufgabe, die innert 72 Stunden zu erfüllen ist."Wir waren erst etwas enttäuscht, als wir von unserer Projektaufgabe erfuhren. Wir dachten, wir bekommen etwas, was mit Gartengestaltung zu tun hat. Mit Nähen hat keiner gerechnet", sagt Gruppenleiterin Corinna Stauss-Zengerle. Doch die Enttäuschung verfliegt rasch. Alle machen sich sofort an die Arbeit – bis Sonntag Punkt 17.07 Uhr haben Sie Zeit, zwei Nikolauskostüme für die Schule und das Jugendbüro zu entwerfen und zu nähen sowie als Teddy verkleidet in Lörrach so viel Spenden wie möglich für das Aktionskomitee Kind im Krankenhaus (AKIK) zu sammeln. Im klassischen Rollenverständnis nehmen sich die Mädchen der Gestaltung der Kostüme an, und die Jungs beschäftigten sich mit den technischen Details und der Materialbeschaffung.
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"Die organisieren alles selber, ich werde kaum um Hilfe gebeten, selbst die Essensbeschaffung funktioniert wunderbar", sagt Klassenlehrerin Henriette Benner-Boll. Just in diesem Moment kommt eine Schülerin mit einem Karton voll Lebensmittel, der von einem naheliegenden Supermarkt gespendet wurde. Nicht nur die Materialbeschaffung ist Teil des Projekts, sondern auch die Verpflegung. "Es fehlen nur Details, heute Abend sind die Kostüme fertig und wir haben genügend Zeit, um viele Spenden zu sammeln", so die Gruppenleiterin optimistisch – keiner möge sich also wundern, wenn er Mitten im Mai Nikoläusen in der Stadt begegnet.
Mit Schaufel, Pickel und Schubkarre sind auch die Jugendlichen von der Katholischen Jungen Gemeinde (KjG) wieder dabei. Schon bei der Aktion 2004 war die Gruppe mit einem Projekt für den St. Bonifatius Kindergarten betraut. "Damals haben wir einen überdachten Sandkasten in Form eines Schiffes gebaut", erinnert sich Teamleiter David Kaltenbach. Jetzt müssen sie Ausbesserungen am Spielplatz vornehmen – Kiesbett erneuern, Rutsche ausbessern, Elemente des Gartens neu gestalten. "Das sind Kleinigkeiten", so der Teamleiter und legt noch einen drauf. "Zusätzlich werden wir für den Kindergarten eine Laube bauen." In der Tat scheint es, als wäre die Aufgabe schnell erledigt. Kurze Besprechung der Gruppe mit Projektleiter Rainer Breuer, selbständiger Landschaftsgärtner und Freund der KjG, und schon wird angepackt. Bis 22.30 Uhr graben die Jugendlichen eine große Mulde unter der Schaukel, um sie später zu füllen. Sechs Tonnen Kies werden sie am Ende bewegt haben.
Nach einer kurzen Nacht mit durchschnittlich zwei Stunden Schlaf lassen es die Jugendlichen am Freitagvormittag ruhiger angehen. "Wir liegen gut in der Zeit", rechtfertigt Benjamin das ruhige Arbeitstempo. Es hat sich rumgesprochen, dass die KjG eine schnelle Truppe ist, in der Mittagspause am Freitag folgt die Projekterweiterung. Bis Sonntag ist nun auch noch eine Eisenbahn aus Baumstämmen zu fertigen, ein Kinderhaus aus einem Weinfass zu bauen und die Zaunfiguren neu zu gestalten. Ob sie es geschafft haben, wird am Sonntag ab 14 Uhr im Hof des Bonifatius-Kindergarten bei einem kleinen Fest zu besichtigen sein. Ebenfalls mit Graben, Schaufeln, Schleifen und Malen sind die Ministranten und Freunde von St. Bonifatius beschäftigt. Sie müssen den Garten rund um das Familienzentrum ganz neu gestalten.
Viel Arbeit für die vielen kleinen und großen Helfer, an denen die ersten Stunden nicht spurlos vorbeigegangen sind. "Ich habe Blasen an den Händen", erzählt der zehnjährige Tobias und zeigt seine Wunden. Doch er und sein kleines Team graben wacker ein Loch, an dessen Stelle sich Sonntag um 17.07 Uhr ein neues Hochbeet befinden soll. "Es ist schon anstrengend, aber wir schaffen das", betont der zehnjährige Daniel und hebt noch eine Schaufel Sand aus dem Loch. Derweil machen sich Maria (11) und Jule (9) mit Schleifpapier am Zaun zu schaffen, der einen neuen Anstrich erhalten soll. Nicht nachlassen – am Sonntag ist alles vorbei.
Autor: Christian Lawitzky


