Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. Januar 2009

2009 wird das "Jahr der Bewährung"

Beim Neujahrsempfang des Gewerbeverbandes Bad Krozingen versprach Minister Ernst Pfister weitere Landeshilfen für die Kurstadt.

BAD KROZINGEN. "2009 wird wohl das Jahr der Bewährung und womöglich das schwierigste Jahr in der Geschichte der Bundesrepublik." Der Vorsitzende des Gewerbeverbandes Bad Krozingen, Karlheinz Burgert, zeichnete im Beisein von Wirtschaftsminister Ernst Pfister ein düsteres Bild beim gestrigen Neujahrsempfang im Kurhaus. "Vertrauen muss her – und das ist die Aufgabe der Politik", so Burgert vor vielen Gästen aus dem öffentlichen Leben der Kurstadt und der ganzen Region.

Deutschland leide vor allem darunter, dass wichtige Absatzmärkte weggebrochen seien. Der Konsum in Deutschland, der seit Jahren schwächele, könne die Lücke nicht füllen. Und ob und wie lange das umkämpfte Konjunkturpaket II wirke, werde sich zeigen. Als leichter, billiger und willkommener bezeichnete Burgert eine andere Hilfe: Eine Reform der Unternehmenssteuerreform. Diese Substanzbesteuerung entzöge den Unternehmen dringend benötigte Liquidität.

Krisenmanagement sei in Bad Krozingen kein Fremdwort, erinnerte Burgert mit Hinweis auf die Bäderkrise und die Gesundheitsreform mit ihren teilweise existenziellen Einbrüchen. Damit Bad Krozingen als Gesundheits- und Wirtschaftsstandort erfolgreich bestehen konnte, bedurfte es Änderungen und großer Einschnitte in vorhandene Strukturen. Der Gewerbeverband werde sich mit vollem Einsatz bei der weiteren Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Bad Krozingen einbringen. Burgert nannte hier besonders die städtische Entwicklung nach der im Herbst geplanten Freigabe der B-3-Umfahrung. Auch wenn die Zeichen wenig hoffnungsvoll stimmten, sollten alle mit einer positiven Grundstimmung ins neue Jahr gehen.

Werbung


Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) hörte es gerne, dass sich Bad Krozingen in die Reihe der Kommunen stelle, die nicht nur jammern wollten. Die Wirtschaft sei in Baden-Württemberg robuster aufgestellt wie noch vor fünf Jahren, zeigte sich der stellvertretende Ministerpräsident überzeugt. Pfister lobte den "Rekord an Ausbildungsplätzen" und die hohe Produktivität des Mittelstandes. Günther Oettinger beim Neujahrsempfang der Landesregierung in Freiburg zitierend, meinte Pfister, wenn in Baden-Württemberg jeder im Schnitt ein Jahr älter werde als anderswo, "dann hängst das natürlich auch mit Bad Krozingen zusammen". Der Wirtschaftsminister versprach auch im neuen Jahr großzügige Fördergelder, so für die Investitionsvorhaben der Vita Classica. Bei einem Kostenaufwand von vier Millionen Euro stünden Bad Krozingen Landesmittel in Höhe von rund 1,5 Millionen in Aussicht. Auch die bauliche Erneuerung im Bahnhofsbereich werde vom Land mitgetragen. "Bad Krozingen ist dem Land nicht nur lieb, sondern auch teuer", sagte der Wirtschaftsminister und verwahrte sich dagegen, die Anstrengungen im Tourismus mit dem Bau des 3. und 4. Gleises wieder zunichte machen zu wollen. "Eine umwelt- und menschengerechte Trasse muss in der gleichen Liga spielen wie Stuttgart 21." Bund und Bahn müssten den Baustein setzen, das Land liefere gegebenenfalls den Schlussstein mit dazu, so Ernst Pfister über die Aufgabenverteilung bei diesem Projekt.

Auch Bürgermeister Ekkehart Meroth wollte eine differenzierte Sichtweise zu den wirtschaftlichen Problemen in seinem Grußwort nicht aussparen. Bad Krozingen habe gerade ein erfolgreiches Jahr hinter sich gebracht, nicht nur wegen der 1200-Jahr-Feier mit dem herausragenden Festumzug. Die Kurstadt sei um 200 auf 16 200 Einwohner gewachsen und freue sich über zusätzliche Arbeitsplätze. Nach seiner Beobachtung seien die Auftragsbücher der heimischen Gewerbebetriebe noch gut gefüllt. Wenn es gelänge, die Binnenkonjunktur anzukurbeln, verringere sich die Abhängigkeit vom Export. Als ein "Leuchtfeuer" bezeichnete Meroth die Verzahnung von Herz-Zentrum Bad Krozingen und Universität Freiburg, was Investitionen von 55 Millionen Euro nach sich ziehen werde.

Sparkassen gibt es länger als die Automobilindustrie – und das sehr erfolgreich, wie Herbert Lehmann, Direktor der Sparkasse Staufen-Breisach in seinem Unternehmensporträt veranschaulichte. Sein Haus sei eng mit der Geschichte von Bad Krozingen verknüpft, wo die Sparkasse seit 1929 vertreten ist. 15 Mitarbeiter in drei Geschäftsstellen seien mit allen Finanzdienstleistungen der Bank "nah am Kunden". Und alles sehr solide. "Auch wenn ich Lehmann (mit zwei ,n‘) heiße: Lehman-Zertifikate gibt’s bei uns nicht".

Viele weitere Fotos vom Neujahrsempfang unter http://www.badische-zeitung.de

Autor: Markus Donner