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01. Februar 2010
"Bolando läuft und hat Zukunft"
Die erste genossenschaftlich geführte Dorfgaststätte Deutschlands in Bollschweil wurde jetzt offiziell eröffnet.
BOLLSCHWEIL. An Superlativen wurde nicht gespart bei der offiziellen Eröffnung von Deutschlands erstem genossenschaftlich geführten Gasthaus Bolando in Bollschweil. Bereits in der Silvesternacht hatte das neue Dorfgasthaus seine Pforten geöffnet und wird seither von Gästen aus dem Ort und der Region vor allem am Wochenende in großer Zahl besucht.
"Wunderbar und grandios" nannte denn auch Bolando-Vorstand Karl Dischinger die Eröffnung einer in Deutschland einzigartigen Kombination aus Genossenschaftswesen und Gastronomie. Bolando sei ein Beispiel dafür, dass Bürger Eigeninitiative gezeigt, selbstbestimmt Verantwortung übernommen, Geld investiert und Tatkraft gezeigt haben. "Hier zeigt sich, dass wirtschaftliches und bürgerschaftliches Engagement keine Gegensätze sein müssen", so Dischinger, der, wie vor ihm bereits Bolando-Aufsichtsrat Reinhard Koch, allen dankte, die der Initiative Vertrauen entgegengebracht und sie unterstützt haben. Für die Bürger im Dorf sei, so Dischinger, ein neuer Treffpunkt entstanden, "ein Gasthaus im alten Kern aber in neuem Stil".Werbung
Neben allen anderen Bolando-Aktiven galt sein besonderer Dank Architekt Peter Gißler, Innenarchitekt Peter Gäßler und Gründungsmitglied und Bauleiter Ulrich Armbruster sowie den beteiligten Firmen und Banken. Nun gelte es, mit derzeit 235 Mitgliedern im Rücken, den Beweis anzutreten, dass eine genossenschaftliche Struktur ein tragfähiges Modell im gastronomischen Bereich sein kann.
Dazu erbat er von Pfarrer Thomas Denoke und Pfarrer Ulrich Greder den Segen für das neue Haus. Ulrich Greder nutzte die Gelegenheit, auf heitere Weise über die Verbindung der Bibel und der (Gast-) Wirtschaft nachzudenken. Eine ausführliche Predigt zu diesem Thema dürfte – dem Applaus des Publikums nach zu urteilen – auf zahlreiche Interessenten stoßen.
Gundolf Fleischer, Staatssekretär im Finanzministerium , erklärte, das vom Land in das Projekt investierte Geld sei gut angelegt. Er habe von Anfang an Vertrauen in die Genossen gehabt – für einen CDU-Mann nicht selbstverständlich, wie er selbst betonte.
In Bollschweil sei aber eine tolle Bürgerinitiative am Werk gewesen, die in einer Zeit, in der trotz moderner Kommunikationsmittel viele Menschen sehr einsam seien, eine neue Begegnungsstätte möglich gemacht habe. Diese sei "großartig gelungen" noch dazu, wenn sie nun auch noch in einem eigenen Kulturprogramm (ab Mitte April) künstlerische Schätze in der Region "zu heben" versuche – wie das Bläser-Quartett "Four4Music", das die Eröffnung musikalisch umrahmte.
Landrätin Dorothea Störr-Ritter meinte, mit Bolando sei ein Traum wahr geworden, auf den der Landkreis stolz sei. Sie buchstabierte Bolando von "b" wie Begeisterung ( Menschen, die eine Idee hatten, haben andere begeistert mitzumachen und finanziellen Einsatz zu bringen) über "l" wie neue Lebensqualität für das Dorf und die Region und "n" (Netzwerk unterschiedlicher Talente, die zum Einsatz kamen und kommen) bis zum "o". Das steht für sie für einen Ort, der einzigartig ist, an dem es "Personen gibt, die für ihre Idee hingestanden sind", die kulturelles Erbe erhalten und weitergeben an die nächste Generation.
Hanspeter Moll, der in Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Josef Schweizer im Namen der Gemeinde gratulierte, erinnerte daran, dass es auch viele Zweifler am Erfolg von Bolando gegeben hat. Aber jetzt zeige sich: "Bolando läuft und hat Zukunft", Bollschweil sei stolz auf das Engagement seiner Bürger. Er sei sicher, so Moll, jeder Cent, der hier investiert wurde, werde Früchte tragen.
Vorstandsvorsitzender Herbert Lehmann von der Sparkasse Staufen-Breisach hatte einen Geschenk-Scheck mitgebracht, gratulierte und erklärte, Bolando erfülle alle Kriterien für den von seiner Bank ausgelobten Bürgerpreis. Er prophezeite, man sehe sich vielleicht bald wieder . . .
Bolando-Vorstand Franziska von Holzing nutzte die Chance, den geladenen Gästen das Küchenteam um Betriebsleiterin Rosi Ludwig vorzustellen und Otto Schwizler zu würdigen, der die Küchenplanung übernommen und für eine pünktliche Eröffnung des Dorfgasthauses gesorgt hatte.
Nicht unter den Gastrednern aber freudig bewegter Gast war Eichstettens Alt-Bürgermeister Gerhard Kiechle. Der nach ihm benannte Preis für bürgerschaftliches Engagement war 2007 an Bolando gegangen. Er habe die Entwicklung von Bolando von Anfang an beobachtet, so Kiechle, und sich über die verhaltene Grundstimmung gegenüber dem Projekt auch in seinem Kollegenkreis gewundert.
"Was hier passiert, ist doch das, was wir uns in der Bürgergesellschaft wünschen: Bürger meckern nicht, sie engagieren sich, sie packen an und übernehmen Verantwortung". Er sei "total glücklich" über das neue Gasthaus und wünsche sich, dass es Signalwirkung für engagierte Bürger in anderen Gemeinden der Region haben möge: "Es muss ja nicht immer ein Gasthaus sein".
Autor: Andrea Gallien


