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12. Januar 2010

Rein sieht die Krise als Chance an

Breisachs Bürgermeister zeigt sich beim Neujahrsempfang optimistisch / Pläne für Verkehrsberuhigung und den Marktplatz.

  1. Bürgermeister Oliver Rein (links) erhielt beim Neujahrsempfang der Stadt von Vertretern der Trachtengruppe „Die lustigen Tuniberger" eine große Neujahrsbrezel überreicht. Foto: gerold zink

BREISACH. "Ich bin mir sicher, dass Breisach gestärkt aus der Finanzkrise herauskommen wird." Dies sagte Bürgermeister Oliver Rein am Sonntagabend beim Neujahrsempfang in der Stadthalle. Als Grund für seinen Optimismus nannte das Stadtoberhaupt die gute Infrastruktur der Gemeinde. Außerdem verfüge sie über viele engagierte Bürger und sehr fähige Köpfe. Für 2010 kündigte Rein an, gezielt Schwerpunkte setzen zu wollen. Dazu gehörten unter anderem die Stärkung der Innenstadt, die Verkehrsberuhigung und die Gestaltung der Rheinuferpromenade.

Nachdem der Rathauschef die zahlreich erschienenen Gäste begrüßt hatte, blickte er auf die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres zurück. Rein erwähnte unter anderem die Konversion und die Retention, die Ausweisung verschiedener Baugebiete, die Verlagerung von Polizei und Bauhof, den Bau des Feuerwehrgerätehauses in Gündlingen und die Aufwendungen für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen. So seien allein für Schulen und Kindergärten rund 2,3 Millionen Euro ausgegeben worden. Der eingerichtete Hort laufe sehr gut und die Ganztagsschule werde besser als gedacht angenommen.

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Auch für die Senioren sei 2009 viel getan worden. So habe sich der Stadtseniorenbeirat konstituiert und eine neue Beratungsstelle für ältere Mitbürger nehme ihre Arbeit auf. Ein weiterer wichtiger Bereich sei der Tourismus. Gegen den allgemeinen Trend seien die Zahl der Gäste in Breisach um 2,8 Prozent auf rund 60 000 und die Zahl der Übernachtungen um 5,6 Prozent auf rund 160 000 gestiegen. Hinzu kämen noch etwa 650 000 Tagestouristen.

Immer beliebter werde die Stadt bei ausländischen Urlaubern. Hier betrug das Plus bei den Ankünften 5,8 und bei den Übernachtungen 13,5 Prozent. Jährlich legten 250 Schiffe in Breisach an und rund 5000 Wohnmobile parkten auf dem Platz am Weinfestgelände. An rund 200 Stadtführungen hätten 5000 Besucher teilgenommen.

Ein besonderer Höhepunkt im abgelaufenen Jahr war für Rein die Partnerschaft mit der polnischen Stadt Oswiecim. "Es war schon ein besonderer Moment, als uns der Oberbürgermeister in Polen die Hand zur Versöhnung gereicht hat." Aber auch die Zusammenarbeit mit den beiden anderen Partnerstädten St. Louis und Neuf-Brisach sei ausgezeichnet. Auch aus dem Wirtschaftsleben der Stadt konnte Rein positive Nachrichten vermelden. So sei die Zahl der Gewerbeanmeldungen von 83 im Jahr 2007 und 103 im Jahr 2008 auf 146 im Jahr 2009 gestiegen. Die Zahl der Abmeldungen ging dagegen von 188 (2007) und 146 (2008) auf 132 (2009) zurück.

Von 4157 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten arbeiten in Breisach 33 Prozent im produzierenden Gewerbe, 26 Prozent im Handel, Verkehr und Gastgewerbe und 41 Prozent im Bereich sonstige Dienstleistungen.

Wirtschaftskrise hat Spuren hinterlassen

Allerdings ist auch die Wirtschaftskrise nicht spurlos an Breisach vorbei gegangen. So hätten die Firmen Keilbach, Woolworth und Quelle ihre Filialen in Breisach geschlossen und auch Maxit habe die Münsterstadt verlassen. Positiv hingegen seien unter anderem die Neubauten der Unternehmen Schäuble sowie Vogel und Plötscher im Gewerbegebiet Lohmühle sowie die Neuansiedlung der Firmen Raphael Reddig (Grünschnittverwertung), CBR Companies (Mode) und Schaub (Sanitätshaus) gewesen. Rein kündigte an, 2010 den Fokus verstärkt auf die Entwicklung der Breisacher Innenstadt zu legen. Dazu gehörten unter anderem die Beruhigung des Verkehrs und die attraktive Gestaltung des Marktplatzes.

Stolz ist der Rathauschef auf das lebendige Vereinsleben. So hätten Gauklerpranger, Festspiele, die Einweihung der neuen Bootshalle des Rudervereins und die zahlreichen Jubiläen eindeutig zu den Höhepunkten des Jahres 2009 gezählt. Hinter allen Ereignissen stünden Menschen. Deshalb war es dem Bürgermeister ein besonderes Anliegen, allen herzlich zu danken, die sich für die Stadt engagiert hatten.

In seinem Ausblick auf 2010 zeigte sich Rein trotz schwieriger Rahmenbedingungen und anhaltender Wirtschaftskrise zuversichtlich. Obwohl die Rücklagen der Stadt weitgehend aufgebraucht sind und im städtischen Haushalt mit einem Defizit von 1,2 Millionen Euro gerechnet wird, glaubt der Rathauschef, dass Breisach gestärkt aus der Krise hervorkommen wird.

Viele Jahre sei in die Infrastruktur investiert worden, deshalb könnten jetzt in diesem Bereich Vorhaben zeitlich gestreckt werden. Außerdem werde die Haushaltsstrukturkommission im Januar ihre Arbeit aufnehmen und den Etat der Stadt nach Einsparmöglichkeiten durchforsten. "Möglicherweise wird es schmerzhafte Einschnitte geben, aber dies bedeutet auch, Gesamtverantwortung für unsere Stadt zu tragen", so Rein.

Im neuen Jahr stünden vor allem folgende Themen an: Entwicklung des KBC-Geländes, Retention, Stärkung der Innenstadt, Verkehrsberuhigung, Abschluss der Konversion sowie die Neugestaltung des alten Winzerkeller-Areals und der Rheinuferpromenade. Darüber hinaus hofft Rein auf eine baldige Entscheidung beim Weiterbau der B 31 West, weil diese für die wirtschaftliche Entwicklung Breisachs wichtig sei. Schließlich wolle man 2010 auch wieder feiern, unter anderem den 60. Jahrestag der Europa-Abstimmung sowie 50 Jahre Jumelage mit St. Louis und 10 Jahre Partnerschaft mit Neuf-Brisach.

Ein Porzellanschwein und eine Brezel als Geschenk

Bürgermeisterstellvertreter Jörg Leber dankte Rein für seine engagierte Arbeit zum Wohle der Stadt und überreichte ihm ein Schwein aus Porzellan. "Es soll ihnen Glück bringen und sie gleichzeitig immer wieder daran erinnern, dass in Breisach sparen angesagt ist", sagte Leber. Die Trachtengruppe "Die lustigen Tuniberger" aus Niederrimsingen führten einen Tanz auf und überreichten dem Stadtoberhaupt eine große Neujahrsbrezel. Katja und Robert Munt, Schüler der Jugendmusikschule, spielten auf dem Klavier gekonnt 3 flotte Stücke und lockerten damit den Neujahrsempfang auf.

Autor: Gerold Zink