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13. Juli 2010
"Lasst uns alle in Frieden leben"
Im Rahmen der Europatage fand in Breisach eine internationale Friedenskonferenz statt / Bewegendes Zeitzeugengespräch.
BREISACH. Welchen Beitrag können Städtepartnerschaften für den Frieden leisten? Wie wichtig sind dabei gerade die Begegnungen von Jugendlichen? Diese Fragen beleuchtete die im Rahmen der Europatage stattfindende Friedenskonferenz, die vom Freundeskreis Oswiecim in Kooperation mit den Städten Breisach und Oswiecim organisiert wurde. In einem bewegenden Zeitzeugengespräch gab Henryk Lagodzki, ehemaliger Häftling im Konzentrationslager Warschau, Einblicke in sein Leben. Der Pole warb für Eintracht und rief dazu auf, Geschichtswissen zu bewahren.
Bürgermeister Oliver Rein und der Stadtpräsident von Oswiecim, Janusz Marszalek, begrüßten die internationalen Gäste. Die Veranstaltung knüpfte an die letztjährige Friedenskonferenz in Oswiecim an. Es waren auch weitere Partnergemeinden der polnischen Stadt aus Italien und Frankreich eingeladen.Marszalek äußerte sich dankbar für die Fortsetzung der Diskussion. Damit die Menschen weiterhin in Frieden leben könnten, sei es wichtig, gemeinsam aus der furchtbaren Geschichte zu lernen und bereit zu sein, für die Zukunft weiterzuarbeiten. "Von allein kommt nichts", mahnte der Stadtpräsident. Es gelte, Missverständnisse und Fehlinformationen abzubauen und so die Kontakte weiter zu verbessern.
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Rein bedankte sich, dass von polnischer Seite die Hand zur Versöhnung gereicht wurde und betonte, dass Oswiecim viel Liebreiz und Gastfreundschaft ausstrahle: "Ihre Breisacher Besucher sind immer restlos begeistert, wenn sie zurückkehren. Das ist wie ein positiver Flächenbrand, der ansteckend wirkt."
"Oswiecim ist mehr als Auschwitz und darf nicht darauf reduziert werden", bekräftigte auch Hans-Werner Retterath, stellvertretender Leiter am Johannes-Künzig-Institut für ostdeutsche Volkskunde, in seinem Vortrag. Der Ort mit dem Beinamen "Stadt des Friedens" verknüpfe auf vorbildliche Weise die Vergangenheit mit der Gegenwart. Retterath erläuterte, wie nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg nach Möglichkeiten gesucht wurde, derartige Schrecken künftig zu vermeiden. Die Städtepartnerschaftsbewegung, die Ende der 1940er Jahre ihren Anfang nahm, habe dabei einen wichtigen Beitrag geleistet.
"Jahrzehntelang gezüchtete Vorurteile und mangelndes Wissen konnten nicht nur die Angelegenheit hoher Politik sein", beschrieb Retterath die Ausgangslage. Die 1960 begründete Partnerschaft zwischen Breisach und Saint-Louis sei ein frühes Beispiel und zugleich Vorbild für ganz Baden gewesen.
Damit Städtepartnerschaft nichts Abstraktes bleibt, komme es auf die persönlichen Begegnungen an. "Menschen, die man kennen und schätzen gelernt hat, wecken Interesse", erläuterte der Referent. Die Jugend stehe im Bemühen um modernes Verständnis und geschichtliches Wissen im Mittelpunkt, denn "die Jungen sind das wichtigste Potenzial für die Zukunft der Partnerschaften". Daher dürften der Austausch und die Kontaktpflege nicht zu kopflastig sein oder mit erhobenem Zeigefinger daherkommen: "Gerade mit Spaß und Spiel gelingt es, eine Vertrauensbasis zu schaffen."
Dieter von Schrötter von der Universität Freiburg skizzierte den Weg Polens zu Europa. Die polnische Gesellschaft sei stets ein lebendiger Teil der europäischen Gesellschaft gewesen, der Staat habe es nach der kommunistischen Herrschaft erst wieder werden müssen.
In Polen, das von tiefer Religiosität geprägt sei, habe es nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Bevölkerungsschichten großen Widerstand gegen den sozialistischen Staat gegeben.
Vielen zunächst erfolglosen Unruhen von Arbeitern und Studenten sei die Erkenntnis gefolgt, dass nur gemeinsamer Protest etwas bewirken kann. "Die Vorgänge in Polen waren auch wichtig für die anschließenden Vorgänge in der DDR", erinnerte von Schrötter. Polen sei der erste Dominostein für den politischen Umbruch in Mittel- und Osteuropa gewesen. Bei dem Weg zurück in das moderne Europa habe es sich als hilfreich erwiesen, dass Polen über bessere Westkontakte verfügte als die übrigen Ostblockstaaten.
Zum Abschluss der Friedenskonferenz stellte sich Henryk Lagodzki für ein Zeitzeugengespräch zur Verfügung. Seine detaillierten Erinnerungen an den Widerstand gegen die deutschen Besatzer und seine Leidenszeit als 16-jähriger KZ-Häftling machten tief betroffen.
Heute setzt sich Lagodzki eindrucksvoll dafür ein, das Wissen der Geschichte zu bewahren und daraus gemeinsame versöhnliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Seine wichtigsten Botschaften an die jüngeren Generationen lauten: "Lasst uns in Frieden und Eintracht leben, erweitert Euer Wissen, haltet stetigen Kontakt und stärkt Euren Austausch."
Autor: Bianka Pscheidl
